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Der gute Faschist

Ich hatte heute am späten Nachmittag eine Radpanne mit meinem Auto. Eigentlich kein großes Ding würde man sagen, aber bei meinen zwei linken Händen schon. Zum Glück war mein 24 jähriger Sohn mit im Auto, aber eine Radpanne war  für ihn Neuland. Und leider dunkelte  es auch schon. Doch ein zweiter glücklicher Umstand: Die Panne passierte gleich in einer kleinen Ortschaft an der italienischen Grenze, bei der wir auf unserer Rückfahrt aus Rijeka Richtung Triest gelandet waren.

Ich stieg aus dem Wagen aus und ging in den ersten Laden, um nach Hilfe Ausschau zu halten. Pech: In der kleinen Ortschaft gab es keinen Automechaniker oder Vulkanisator, wie wir hier sagen. Auf der Straße kam mir aber ein Passant entgegen – untersetzt, mit Schiebermütze und Bauch und einem  recht freundlichen Gesichtsausdruck -, der einen praktischen Eindruck auf mich machte. Also frug ich ihn nach Hilfe, die er auch sofort anbot, Er kam zum Auto, besah sich die Panne und ging sogleich tatkräftig zur Sache. Wir entdeckten das Reserverad, nicht im Kofferraum, wie ich vermutet hatte, sondern unter dem Auto. Er kroch hinunter, auch mein Sohn, aber es war gar nicht einfach, das Rad freizubekommen. Wir studierten das Beiheft fürs Auto, er entdeckte dort die Schraube im Kofferraum, die es zu lösen galt, um das Reserverad zu lösen. Es gelang,

Schwieriger gestaltete sich freilich die Aufgabe, die Schrauben des kaputten Reifens aufzubekommen. Vor allem auch, weil mein großer Schraubschlüssel dafür defekt war. Kein Wunder, denn mein treues Auto hatte mir in 15 Jahren keine einzige Radpanne beschert. Was nun tun?

Es stellte sich heraus, dass es in dem kleinen Ort zumindest eine Eisenwarenhandlung gab, die kurz vor 19 Uhr noch offen war und einen neuen Schraubschlüssel im Sortiment hatte. Mit dem neuen Schlüssel und der Kraft des Passanten war nun in kürzester Zeit das Rad gewechselt. Mein hilfreicher Engel wollte von einer materiellen Dankbarkeitserweis meinserseits absolut nichts wissen. Er bat nur darum, dass ich ihn zum 2 km entfernten Monument für die italienischen Opfer, die zum Ende des 2. Weltkriegs von den jugoslawischen „Befreiern Triests“ als Rache getötet worden waren, brächte. Denn zum 71. Jahrestag (!) veranstalteten dort die italienischen Faschisten einen Fackelzug.