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Die bedauernswerte Statue von Umberto Saba in Triest

Umberto Saba, der 1883 in Triest geboren wurde und 1957 in Görz verstarb, gehört vor allem wegen seiner beiden Gedichtbände „Il Canzoniere“ und „Das zerbrochene Glas“ zu den wichtigeren italienischen Schriftstellern des 20. Jahrhunderts und ist neben Italo Svevo sicherlich die bedeutendste Feder italienischer Sprache in Triest. Als unsere Stadtregierung vor mehr als 10 Jahren entschied, einige fast lebensgroße Statuen bedeutender Triester Schriftsteller in der Stadt aufzustellen, wurden drei auserkoren. Unser Saba, der schon genannte Italo Svevo und James Joyce. Letzterer, weil er mit kleinen Unterbrechungen von 1904 bis 1920 fast 16 Jahre in der Stadt lebte.
Doch kommen wir zurück zu Saba und dem leidvollen Schicksal seiner Statue. Saba war in seinen späteren Jahren bekannt dafür, dass er fast nie ohne Spazierstock und Pfeife die Stadt durchstreifte. Selbstverständlich durfte diese beiden Markenzeichen Sabas bei der Anfertigung der Statue nicht fehlen, doch leider haben Vandalen diese zur beliebten Zielscheibe genommen. Der Spazierstock wurde bislang viermal zerbrochen, die Pfeife dreimal gestohlen. Die Pfeife wurde daher 2015 mit einer speziellen Anti-Vandalen-Restaurierung an die Manteltasche geschweißt. Aber alles vergeblich. 2016 war die Pfeife wieder weg und im Juli dieses Jahres der Spazierstock. Er lag zertrümmert neben dem Träger.
Lesen wir jetzt lieber eins der schönsten Gedichte Sabas über Triest. Zumindest dieses bleibt hoffentlich für immer unzerstört.

Triest

Ich habe die ganze Stadt durchstreift,
dann stieg ich auf eine Anhöhe,
da war viel Volk zuerst, dann aber Stille.
Ein niedriges Gemäuer schließt mich
in einen Winkel, dort allein zu sein.
Und mir warʼs, als umschlössen diese Mauern
die ganze Stadt.
Triest ist von einem ruppigen
Charme. Je nach Gusto,
wie ein Gassenjunge derb und gierig,
mit himmelblauen Augen und Händen, zu groß,
eine Blume darzureichen,
wie eine Liebe
voller Eifersucht.
Von diesem Ausguck liegt vor mir jede Kirche,
jeder Weg, ob er zum überfüllten Strand geht
oder auf die Bergeskuppe, der sich, auf steinernem
Kamm, ein Haus, das letzte, anschmiegt.
Rings
umweht ein jedes Ding
eine fremde Luft, eine beklemmende Luft,
die Luft der Heimat.
Meine Stadt, in jeder Faser lebensprall,
hat eine Nische mir bereitet, meinem Leben,
grüblerisch und scheu.

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Anschlag in Dortmund und italienische Verschwörungstheorie

Der Anschlag in Dortmund ist weitgehend ein Rätsel. Kein vernünftiger Mensch kann sich bislang einen Reim darauf machen. Anders in Italien, das freilich zumeist nur sehr oberflächlich über die innerdeutschen Zustände informiert ist. Hier erhält die folgende Verschwörungstheorie raschen Zulauf.
Der Anschlag sei erst der Auftakt für eine ganze Reihe weiterer. Auch die Opfer stehen schon fest, nämlich die Mannschaftsbusse von der RB Leipzig, TSG Hoffenheim, Hertha BSC und HSV. Drahtzieher des Anschlags keine anderen als Franz Beckenbauer und Ulli Hoeness. Ziel des Terrors: Alle potentiellen Konkurrenten von Bayern München präventiv auszuschalten. Also ein Projekt, das schon auf die fernste Zukunft projiziert ist.
Sollten Geheimdienste wegen der Reizwörter Anschlag, Terror, Drahtzieher oder Beckenbauer auf diesen Text aufmerksam werden, bitte ich sie, diese Spur ernsthaft zu verfolgen. Es könnte etwas Wahres daran sein. Warum freilich der HSV auf der Liste steht, überfragt auch mich. Doch ich sprach ja eingangs schon davon, dass man in Italien nur sehr oberflächlich über die Lage in Deutschland Bescheid weiß.

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Deutsch in russisch und serbisch

Eine Reihe von deutschen Wörtern haben Eingang in andere Sprachen gefunden. Wir picken uns heute drei heraus, zwei im russischen und eins im serbischen.

- buterbrod. Dies ist noch recht einfach verständlich, hat freilich seine Bedeutung gewechselt, denn es ist im russischen kein nur mit Butter bestrichenes Brot sondern ein belegtes Brot.

- parikmaher. Auch hier versteht man rasch, dass es sich um einen Perückenmacher handeln sollte. Im russischen bezeichnet dieses Wort heute freilich alle Haarschneider.

- schnupftihel. Dieses Wort ist im Serbischen nur noch den älteren Generationen geläufig und bezeichnet das Taschentuch. Es wird allerdings heute zumeist durch maramica ersetzt.

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Ein folgenreiches Versehen

Ein Tourist mit seinen Trolley, der auf der Suche nach dem Bahnhof in einer großen Stadt zufällig in eine große Demonstration gerät. Hilflos läuft er auf die Polizeiabsperrung zu. Als die Polizisten den aufgeregt heranstürmenden Mann mit seinem Trolley sehen, denken sie, er habe eine Bombe dabei und fliehen alle hals über kopf. Damit wird der Tourist auf einmal zum Held der Demonstranten, die ebenfalls denken, dass er ihre Sache vertritt. Der Fremde – eigentlich ganz konservativ und gewaltlos – versteht die Sprache der Einheimischen nicht und auch nicht, was wirklich vorgefallen ist. Er winkt hilflos ab. Dass hält die Demonstranten nicht davon ab, den Fremden auf ihre Schultern zu heben und in einem Jubelzug durch die Menge zu tragen Darüber eine Geschichte schreiben, wobei sich das Missverständnis am Ende auf überraschende Weise lösen müsste.

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Rauchen auf Raten

Mein Kampf mit den Zigaretten oder besser mit denselben aufzuhören, nimmt immer skurrilere Züge an. Schon vor einem Jahr kaufte ich eine E-Zigarette mit dem festen Vorsatz, das Rauchen von nun an auf die E-Zigarette zu beschränken. Dies gelang mir am Anfang für 1-2 Wochen, doch dann wurde ich sofort wieder rückfällig. Den nächsten ernsthaften Versuch unternahm ich im letzten Herbst, und es sollte mir dann wirklich gelingen, fast zwei Monate nur auf der E-Zigarette herumzunuckeln. Dieser Erfolg war vor allem dem Umstand zu verdanken, dass ich keine Zigaretten mehr kaufte. Und wie jeder weiß, sind keine Zigaretten im Haus, wird es mit dem Rauchen auch nichts. Dies hinderte mich freilich nicht daran, bei jeder erstbesten Gelegenheit nach Zigaretten zu schnorren, also immer wenn ich meinen vier Wänden den Rücken kehrte. Freunde und Bekannte zeigten sich recht kooperativ, und die Bitte um einen Glimmstengel wurde mir nie verweigert. Bei wildfremden Menschen war dies schon etwas schwieriger. Doch eingedenk des eigentlich weltweiten verbrieften Gebots, auch dem zum Tode Verurteilten den Wunsch nach seiner letzten Zigarette zu erfüllen, ließen mich nur sehr wenige abblitzen. Freilich ist das Schnorren allein schon recht peinlich, und wird man dann wie ein Penner abgewiesen, kommt auch wenig Freude auf.

Wie gesagt, mir dessen wohl bewußt, dass es für eingefleischte Raucher eigentlich nur diese eine Lösung gibt, nämlich den Nichtkauf der Zigeretten, habe ich folgende Kompromisslösung ausgeklügelt. Ich ging heute ins Tabakladen, kaufte eine Schachtel, entnahm zwei Zigaretten und deponierte die Schachtel, versehen mit meinem Namen, im Laden. Will ich also mehr als zwei Sargnägel rauchen, muss ich den fast 1 km langen Weg zum Laden zurücklegen. Da die kleinen Läden in Italien auch noch recht rigorose Öffnungszeiten haben und in der Regel von 13-16 Uhr geschlossen sind, ist mein Handlungsspielraum begrenzt. Was sich zum Beispiel jetzt um 21 Uhr, wo ich diesen Text gerade schreibe, deutlich bemerkbar macht. Zum Glück steht aber eine Flasche Wein neben mir. Doch da fällt mir ein, dass ich mit dem Wein wohl genauso vorgehen sollte. Freilich muss ich in dem Fall noch das Transportproblem lösen.

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The man is a trump

Man muss den Mann psychotherapeutisch betrachten. Man denke an seine Schulzeit. Mit diesem Namen: Donald Trump. Bei Donald denkt man automatisch an Donald Duck. Entsprechend watschelt er und pustet sich auf. Und dann erst Trump. “Trump come here”. Oder riefen sie bump oder vielleicht auch tramp. Und das 10 Jahre lang. Der Mann hat Minderwertigkeitskomplexe und leider noch heute darunter. Man sollte versuchen, ihm dies vorsichtig beizubringen. Doch ob es helfen wird, ich habe große Zweifel….

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Fast eine Liebesgeschichte

Es war einmal eine noch einigermaßen junge russische Frau, die nach Montegro fährt und dort einen nicht mehr einigermaßen jungen deutschen Mann trifft. Sie verliebte sich nicht. Das ist die ganze Geschichte.

Für Daniil Charms.

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Ein revolutionärer Vorschlag zum Austragungsort der Olympischen Spiele

Die neue Stadtregierung von Rom, geführt von der zur 5-Sterne-Bewegung gehörenden Vorginia Raggi, hat gestern Ihr endgültiges Nein zu Rom als Austragungsort der Olympischen Sommerspiele 2024 gesagt. Heute hörte ich in einer bekannten italienische Radiosendung folgenden revolutionären Vorschlag für einen neuen Austragungsort: der Vatikan.

Auch die Begründung erscheint logisch: Der Staat hat Null-Schulden und der Austragungsort für alle Langstreckenrennen stünde auch schon fest: Die ca. 300 qm große Dachgeschosswohnung des  römischen Kardinals Tarcisio Bertone mit einem Superausblick auf den Petersplatz!

Übrigens: Der neapolitanische Bürgermeister hat als Austragungsort nun auch Neapel ins Spiel gebracht. Dafür haben findige Köpfe schon neue olympische Sportarten für Neapel vorgeschlagen:

- Ein Rennen zur Einkassierung von Bestechungsgeldern

- Wettkampf im Fälschen

- Pizzawerfen.

Kurzum: Hier sind der Phantasie sind keine Grenzen gesetzt!

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Bin ich moralisch oder bin ich unmoralisch?

Kurz zu dem Hintergrund. Ich habe für den Neffen eines Geschäftspartners vor einiger Zeit eine Modeschau organisiert. Der Geschäftspartner schuldet mir noch aus vorhergehenden Verpflichtungen einen Betrag von Euro 794. Für diese Modeschau wurde u.a. ein Fotograf, geradezu ein Künstler, der wunderschöne Fotos macht, engagiert, mit dem Auftrag, eine DVD über die Schau zu erstellen. Dies ist auch geschehen, und der Neffe, freilich auch der Juniorchef der in den Konkurs gegangen Firma, hat die Kosten dafür bezahlt. Trotzdem weigere ich mich bislang diese DVD herauszurücken. Dazu nun unser Schriftwechsel.

Der Sohn: Was den Endbetrag von EUR 794 betrifft kann ich Dir nur mitteilen das sich die Firma meines Onkels  im Konkurs befindet. Die Forderung müsste dann über den Masseverwalter angemeldet werden, ich habe aber keinerlei Erfahrung damit (Gott sei Dank). Wie auch immer wird es die Firma X. in dieser Art und Weise nicht mehr geben in Zukunft. Ich muss mir einen neuen Job suchen den ich hoffentlich alsbald finde.

Ich: Du bist jung, und Du wirst sicherlich Deinen Weg machen. Meiner Meinung machst Du Dir es freilich etwas zu einfach in dieser Sache. Du warst der Juniorchef und hast damit auch einen Teil der Verantwortung zu tragen. Dabei muss ich das Interesse meiner Firma vor Augen haben, und ich habe immer klar gemacht, dass wir Deine Hochzeit vor dem Hintergrund der Zusammenarbeit mit der Firma X. organisiert haben und hier einen engen Zusammenhang sehen. Da uns die Firma X. noch Euro 794 schuldet, werden wir von dieser Forderung nicht Abstand nehmen. Wir wollen diese auch nicht irgendeinem Masseverwalter in die Hände geben, weil wir dann aller Voraussicht nach leer ausgehen werden. Das einzige Druckmittel, das wir jetzt noch in der Hand haben – ich darf daran erinnern, dass uns vor der Hochzeit tausendmal versichert wurde, dass unsere Forderung beglichen wird – ist die DVD mit den Fotos zur Modeschau. Wir werden diese erst in dem Augenblick herausrücken, wenn unsere obige Forderung beglichen ist. 

In der Hoffnung, dass Du auch unsere Position verstehen kannst, wünsche ich Dir alles Gute für einen Neuanfang, sodass wir weiter zusammenarbeiten können, und sende freundliche Grüße

Und nun käme der Leser. Wenn er denn da wäre!

 

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Beitrag zu einem einvernehmlichen Projekt

Neuigkeiten von der drittgrößten italienischen Gewerkschaft, der UIL  (Unione italiana del Lavoro = italienische Union der Arbeit). Die Präsidenten dieser Gewerkschaft sowie eine Reihe von Führungskräften haben sich für Luxuskreuzfahrten Zuschüsse aus der Gewerkschaft von jeweils Euro 16.000 zahlen lassen. Obendrauf wurden Euro 7.000 für Schmuckeinkauf bei Swarowski aus der Kasse finanziert. Bei dem Schmuck warten wir noch auf eine schlüssige Begründung, aber für die Kreuzfahrten haben wir diese. Finanzierungsgrund: Beitrag für ein einvernehmliches Projekt (contributo per un progetto condiviso). Das einvernehmliche Projekt sah wichtige gewerkschaftliche Aktivitäten für die Weiterbildung vor. So etwas kann wohl nur den italienischen Gewerkschaftsspitzen einfallen, die von eventuellen Rücktritten natürlich nichts wissen wollen.

 

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Kleine Züge im Genialen

So sollte eigentlich mein neuer Text heißen. Und sicherlich sollte darin nicht von der Eisenbahn die Rede sein. Sondern von mir. Dummerweise habe ich aber vergessen, worum es dabei ging. Fazit: Mit meiner Genialität wird es nicht weit her sein.

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Das Megaprojekt

“Eine Geschichte über eine Frau, die übers Heiraten die Nachnamen berühmter Künstler sammelt: So hieße sie z.B. H. Grass-Regener-Lindenberg-Ganz-Schimmelreiter usw. Alma Mahler-Gropius-Werfel-Kokoschka könnte als Vorbild dienen. Gegebenenfalls könnte man auch einen Mann nehmen, der via Heiraten dasselbe Ziel anstrebt.”

Dies schrieb ich schon 2011, woran mich heute Facebook erinnerte. Die Idee ist weiterhin gut, aber irgendwie peinlich, dass ich noch kein Stück vorwärtsgekommen bin.

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Geschichten über meine Geliebte

Seit über zwei Jahren ist meine Geliebte mir treu. Für meine Verhältnisse ein recht langer Zeitraum, und auch ich habe sie in diesen zwei Jahren kein einziges Mal betrogen. Dass dürfte an ersten Linie wohl an ihrem phänomenalem Aussehen liegen, denn mit dem Reden hat sie es nicht so. Besonders ihre formschönen Rundungen haben es mir angetan. Dass diese auf dem Boden aufsetzen, war freilich etwas gewohnheitsbedürftig, aber es ging dann doch recht schnell. Dazwischen liegt ein quasi perfektes Dreieck, das mit seiner schwarzroten Farbgebung die schönsten Erwartungen in mir weckt. Der tiefrote Farbton verspricht Feuer, Leidenschaft und Draufgängertum, während das Schwarze Treue bis in den Tod, aber gleichzeitig auch Freiheit und ein Quäntchen Anarchie verheißt. Letzteres mag widersprüchlich klingen, aber es geht hier um meine Assoziationen, und die verlaufen ganz selten gradlinig.

Der Kopf ist recht edel gebogen, die Nase gerade, vielleicht ein ganz klein wenig zu lang, der Mund ist fast gar nicht vorhanden, aber dafür sind die Augen ein Kapitel für sich. Das linke leuchtet besonders am Abend mit intensiven weißen Strahlen, während das rechte eher zusammengekniffen bleibt und bisweilen komische Klingelgeräusche von sich gibt. Ja, Sie haben richtig gelesen, das Auge klingelt bisweilen, besonders wenn Gefahr oder Hindernisse im Verzug sind. Wer kann sich mit so einem Auge brüsten außer meiner Geliebtin Erna?

Am schönsten ist es natürlich, wenn ich auf ihr reiten darf. Das tue ich fast täglich und oft stundenlang, denn sie sagt nie Nein und lässt alles mit sich geschehen. Der einzige Nachteil: Es muss unbedingt im Freien geschehen, aber sonst ist sie nicht weiter wählerisch. Ob auf offener Straße, im tiefsten Wald oder auf dem belebten Hauptplatz unseres kleinen Städtchens, überall darf ich sie besteigen. An diesem Punkt dürften meine meisten männlichen Leser vor Neid erblasst sein und würden mir meine Geliebte liebend gern ausspannen wollen. Da gab es übrigens schon einen Versuch, aber davon erzähle ich ein anderes Mal. Jetzt muss ich aber erstmal in den Keller zu meiner Erna. Sie will wieder ausgeführt und bestiegen werden. Liebste Erna, süßes Mountainbike, ich komme!  

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Gedächnisparade

Ich habe erst kürzlich gehört, dass seit 2012 in Russland Gedächtnisparaden stattfinden. Bei diesen Umzügen gedenken die Kinder und Enkelkinder ihrer Väter und Vorväter und Soldaten, die zur Verteidigung des Vaterlands im 2. Weltkrieg gefallen und am Ende den Sieg davon getragen haben. Im Grunde hätte ich nichts dagegen, wenn gleichzeitig auch eine Parade stattfände, wo die nachfolgenden Generationen den Opfern des stalinistischen Gulags gedächten. Erst dann würde der Geschichte wohl Gerechtigkeit widerfahren.

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Weltmeisterschaft im Zimmerfussball

Meine Mannschaft stand im Finale, Gegen eine Frauenmannschaft. Der Schiedsrichter hatte uns im Wohnzimmer einen Freistoß zugesprochen. Geschickt zirkelte ein Mitspieler den Ball durch die Schlafzimmertür, ich nahm ihn an, umspielte zwei Verteidigerinnen und schoß ihn aufs Kopfkissen. Tor, da ich aber nicht 100% sicher war, hechtete ich noch hinterher und köpfte den Ball gegen das obere Bettgestell. Doch nun wurde das Spiel unterbrochen.

Nach einer längeren Pause wurde ich zur Fifa-Präsidentin gerufen, einer älteren gepflegten Dame. Sie eröffnete mir, dass das Tor ungültig sei, da ich mich nicht an die Spielregeln gehalten hätte. Sie erklärte dies nicht weiter, ließ aber durchblicken, dass es sich um einen Fall von Stalking handeln könne. Unglaubig guckte ich sie an. Und dann fiel mir ein, dass ich zumindest einen Zeugen hatte: mein Mitspieler, der den Freistoß ausgeführt hatte. Ich bat sie, ihn als Zeugen zu hören. Sie lehnte dies ab. Da riß mir der Geduldsfaden und ich schimpfte auf englisch: Dies sei offensichtlich ein abgekartetes Spiel, wo im Vorhinein entschieden worden sei, dass die Frauenmannschaft gewinnen müsse.

Dann wachte ich auf. Was mir zu dem Traum noch einfiel: Eine der beiden Verteidigerinnen war eine alte Schulfreundin von mir, die kein Jahr älter geworden war.

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Mein Guru hat wieder ins Volle getroffen

Mein Guru Ranko Bon, also der mit dem weltältesten Blog von 39 Jahren (!), hat wieder mal ins Volle getroffen.
Mit zwei Einträgen, die es in sich haben. Am 14. Januar 2015 erklärt er in genau 18 (achtzehn) Zeilen die Funktionsweise des Kapitalismus. Kürzer geht es nicht.

TIP OF THE ICEBERG (January 14, 2015)

The chief problem with Marx and his followers is that capitalists who employ others are but the tip of the proverbial iceberg. Everyone else in the capitalist system strives for that tip. The classes are but strata of society established by competition for wealth in all of its forms among all members of society, some of whom end up at the bottom of the iceberg. Although the competition is far from treating everyone equally, for there are wide differences both in ability and endowment among members of society, the tip is open to all. The competition continues even between the capitalists themselves, a few of whom end up at the very top of the tip while some of them sink below it, whereupon they become employees in turn. The only exceptions are monks and hermits of many different faiths, who keep out of the competition for a variety of reasons. They represent only a tiny portion of humanity, though. Everyone else is a capitalist at heart, but fortune favors only a few. As the capitalist system develops, the inequality between members of society increases. The iceberg becomes ever more pointed, which makes the competition among all members of society ever fiercer. The only way out of capitalism is by evolution of the human species past striving for wealth. Otherwise, revolutions will always end up by returning to the capitalist system in one of its guises. Capitalism explained at long last.

Und am 16. Januar kommentiert er einen Zeitungsartikel, wonach das menschliche Wirken mit der technischen “Revolution” in der Landwirtschaft, in den letzten 60 Jahren die Umwelt stärker beeinflusst und belastet hat als 10000 Jahre zuvor.
Die Folgen: Unfruchtbarkeit der Felder, Verschmutzung der Umwelt und aller Gewässer und der offenbar schon nicht mehr aufhaltbare Klimawechsel, der unvorstellbare Katastrophen zur Folge haben wird. Und aus heiterem Himmel fühlt er sich schuldig, denn es ist eben seine Generation, die all dies verursacht hat. “My fucking generation”. Und leider auch meine, wie ich schuldbewusst hinzufügen muss.

MY FUCKING GENERATION (January 16, 2015)

I just glanced through a newspaper article about recent research concerning global environmental degradation that is now putting life on earth at risk. In addition to climate change, there is a loss of biosphere integrity, soil degradation due to pesticides and herbicides, and dangerously high levels of fertilizers in the oceans. What struck me most in the article was that the researchers had found that changes of the last sixty years were unprecedented in the previous ten-thousand years. The article does not mention it, but the so-called agricultural revolution had started around that time with quite an impact on the environment. At any rate, I was struck by the fact that the degradation the research addressed had taken place during my own lifetime. Out of the blue, I started feeling guilty. The babyboomers are behind the horror without any doubt. My fucking generation. We are all witnesses to our collective stupidity regarding our environment. And putting life on earth at risk is the size of that stupidity.

Zitate aus:http://www.residua.org/book-xl-2015/tip-of-the-iceberg/ und

http://www.residua.org/book-xl-2015/my-fucking-generation/

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Beten kann tödlich sein

Zumindest in Triest und dann besonders, wenn man in unser Stadtkrankenhaus Cattinara zur Rekonvaleszenz eingewiesen wird. Das aus zwei hohen Türmen bestehende Krankenhaus machte das erste Mal große Schlagzeilen zur Zeiten der Atomkatastrophe von Tschernobyl. Einige pfiffige Italiener filmten die beiden Türme im Nebel und verkauften den Film dann an eine große amerikanischen Fernsehsender als “Originalaufnahmen” vom defekten Atommeiler in der Ukraine. Fast genauso bizarr klingt folgende Geschichte, diesmal leider wirklich mit tödlichem Ausgang.
Eine 84 jährige Patientin beschloss zum Abendgebet in die Kapelle des Krankenhauses zu gehen und war nur mit einem leichten Morgenmantel bekleidet. Sie verließ nach dem Gebet die Kapelle durch eine unbeschriftete Tür und erwischte dabei den Notausgang bei Brandgefahr. Sie endete in einem kleinen Außenhof, von dem die Tür nicht mehr zu öffnen war. Über Nacht sank die Temperatur auf wenige Grad über Null, sodass die alte, recht zierliche Dame den Morgen nicht mehr lebend erlebte. Die Krankenhausdirektion hat Nachforschungen eingeleitet.

Auch Motorradfahren kann tödlich sein

Dass Motorradfahren vermutlich noch tödlicher als Beten sein kann, dürfte auch einem Nichtmotorradfahrer wie mir immer mehr bewußt werden. Ich brauche nur an meine letzten Stürze vom Fahrrad zu denken, die sich im Vergleich zu der Geschwindigkeit eines Motorades ja geradezu als harmlos darstellen. Was kann einem nicht alles auf der Straße an Gefahren begegnen, beginnend von Schlaglöchern über heruntergefallen Äste bis zu allen möglichen Gegenständen, die irgendwann und irgendwie einmal auf einer Straße landen können.
Eine gute Bekanntschaft von mir – begeisterte Motorradfahrerin und auch eine hervorragende Schachspielerin (man sollte es kaum glauben, aber es gibt auch solche Frauen) hatte sich mit einem Freund im September 3 Wochen lang auf eine große Motorradreise begeben. Von München durch die Tschechhei, Slowakei, Ukraine, Rumänien, Serbien, Albanien sollte es dann über Montenegro, Kroatien und Slowenien zurück in die Heimat gehen. Doch in Albanien passierte es. Dazu lesen wir nun den Originaltext meiner Bekannten.

“Die ganze Sache hat fantastisch begonnen und ist dann allerdings im hintersten Eck von Albanien fürchterlich eskaliert. Mein Reisepartner hatte einen Motorradunfall der spektakulären Sorte. Das führte dazu, dass er letztlich über Tirana mit dem Learjet nach D gebracht und operiert wurde. Im Augenblick liegt er in der Klinik in Würzburg…ein bisschen die Knochen gebrochen und noch ein paar andere Geschichten. Zum Glück ist mir nix passiert. Er hat nämlich bei seinem Abgang auch noch meine Maschine gestreift. Ich konnte noch fahren, musste aber den Urlaub abbrechen Anfang September :-( Zu allem Übel bin ich in genau dieser Nacht auch noch richtig krank geworden. Ein unglaublicher Brech-Durchfall mit Fieber und Schüttelfrost und dann wieder Schweißausbrüchen. Ich war völlig am Ende, bin in dem Zustand aber im Dauerregen die 2000km noch alleine nach Hause gefahren. War so heftig, dass ich mich IN den Helm übergeben habe….keine Chance, noch anzuhalten in der Akutphase. Ich habe gedacht, ich gehe drauf, war total dehydriert – wurde immer schlimmer – habe gezittert, nix drin behalten, kam alles wieder hoch. Nur Wasser ging…So heftig hatte ich das noch nie. War richtig benebelt hier angekommen…Infusionen bekommen….Naja….Also richtig Abenteuer! :-/”

Fazit: Am besten beides sein lassen.

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Das Jahr des fallenden Radlers

Dieses Jahr wird sich nicht nur wegen seines relativen schlechten Wetters bei mir im Gedächtnis einprägen, sondern auch wegen meiner Versuche, das Rauchen aufzugeben. Versuche, die vor einem Monat wieder jämmerlich gescheitert sind. Vor allem aber wegen 3 spektakulärer Stürze vom Rad, von denen einer tödlich und zwei mit schweren Verletzungen hätten enden können. Der erste passierte noch im Frühjahr mit meinem Rennrad, wo mein Rennrad auf gerader Strecke auf einmal bockte und ich im Kantstein landete. Von seinen Folgen war dies der schwerste, denn ich war 14 Tagen vom Rücken über den Arsch bis zu den Oberschenkeln von gewaltigen Blutergüssen gezeichnet. Die ersten 3 Nächte war es sehr schwierig, eine möglichst schmerzfreie Schlaflage zu finden.

Dieser erste Sturz verleitete mich zum Kauf eines Mountainbikes. Mit dem Erwerb hatte ich schon lange geliebäugelt, aber ihn immer wieder hinausgeschoben. Nun schritt ich auch aus Sicherheitsgründen zum Kauf und stürzte mich mit der Ausgabe von Euro 800 richtig in Unkosten. Richtig stolz auf mein neues Eigentum, das auf den lieblichen Namen Black Forest hörte, sah ich mich nun endlich in der Lage, den für mein altes Rennrad unerlässlichen Asphaltbelg zu verlassen und hinein in die Natur zu radeln. Überraschenderweise erwies sich dieses Rad trotz seiner sehr dicken Bereifung als recht schnell, so dass ich halsbrecherisch und von allen guten Geistern verlassen einmal mit ca. 25 km in eine scharfe S-Kurve hineinraste, wo ein Mopedfahrer mir im selben Moment entgegenkam. Meine Vollbremsung warf mich im hohem Bogen über das Bike und hätte ziemlich furchtbar enden können. Doch ein Schutzengel hatte schonend seine Hand über mich gehalten. Außer einigen Abschürfungen und einem kleinem Bluterguss war weiter nichts gewesen.

Der dritte Sturz ereignete sich heute, wo ich bei nassem Wetter schräg auf einen Kantstein hinauffahren wollte. Trotz der dicken Reifen bockte meine Black Forest (meine Räder können nur weiblich sein) und wieder flog ich in hohem Bogen auf die Nase. Erstaunlich, dass ich bei meinem Gewicht von ca. 100 kg wiederum nur mit einigen Schrammen davon gekommen bin. Einige Passanten in der Nähe hatten sich schon angeboten, den Rettungswagen zu rufen.
Fazit: Alle guten Stürze sind drei, und ich hoffe inständig, dass es dabei bleibt.

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Mein (Ex)-Wirt des Vertrauens und der alte, kahlköpfige Jazzsänger

Vor 14 Tagen habe ich bei meinem Wirt des Vertrauens angerufen, um einen Tisch für 3 Personen vorzubestellen. Ich sagte ihm, er solle einen schönen Tisch aussuchen, denn es kämen zwei hübsche junge Frauen und ein fast ebenso hübscher, aber nicht mehr ganz so junger Mann. Seine trockene Antwort, die mein Vertrauen in ihn in starke Mitleidenschaft zog, lautete.”Aha, Du kommst also nicht mit!”. Da er zu gut kocht, werde ich aber dennoch keinen Vertrauensabbruch in Erwägung ziehen.

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Am letzten Wochenende fand wiederum das Big Band Jazz Festival in Marezige statt, einem kleinen Weindorf oberhalb von Koper mit etwa 2.500 Seelen. Man sollte nicht glauben, dass ein so kleiner Fleck seit Jahren das größte Big Band Festival in Slowenien organisiert. Und ich dürfte einer der wenigen italienischen Gäste sein, der hier nun schon seit 4 Jahren kontinuierlich das Festival besucht. Nach einigen slowenischen Big Bands trat eine Big Band aus der tschischen Republik auf, die mit 4 Lead-Sängerinnen angereist war, darunter zwei blonden sehr attraktiven Frauen. Das Repertoire bestand aus fetzigen und rockigen Stücken und die Sängerinnen taten das ihrige, um dem Publikum einzuheizen. Dies gelang ihnen auch ausgezeichnet und als sie abtraten, brodelte es unter den Besuchern. Ich warf einen Blick aufs Programmheft und sah, dass nun eine italienische Gruppe mit Jazz der 20-30er Jahre angesagt war. “Die armen”, dachte ich, “sie werden es nach den Tschechinnen schwer haben”. Doch der italienische Bandleader kam auf die Bühne, trat ans Mikrofon und sagte:”Statt junger blonder Sängerinnen haben wir einen alten und kahlköpfigen!” Die Menge lachte und jodelte und das Konzert war gerettet. Sicherlich aber auch deswegen, weil der alte und kahlköpfige Jazzsänger im schwarzen Smoking auftrat und über eine Stimme verfügte, die den Jazzsängern auch vor 70-80 Jahren zur Ehre gereicht hätte.

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Der beste Witz der Welt laut Internet

Der beste Witz der Welt soll laut Umfragen diverser Zeitungen und Zeitschriften (darunter z. B. Reader´s Digest) aus Schweden stammen.

“Ein Einwohner aus Stockholm fährt zur Entenjagd aufs Land. Als er eine Ente sieht, zielt er und schießt. Doch der Vogel fällt auf den Hof eines Bauern, und der rückt die Beute nicht heraus. “Das ist mein Vogel”, besteht der Städter auf seinem Recht. Der Bauer schlägt vor, den Streit, wie auf dem Land üblich, mit einem Tritt in den Unterleib beizulegen. “Wer weniger schreit, kriegt den Vogel.” Der Städter ist einverstanden. Der Bauer holt aus und landet einen gewaltigen Tritt in den Weichteilen des Mannes. Der bricht zusammen und bleibt 20 Minuten am Boden liegen. Als er wieder aufstehen kann, keucht er: “Okay, jetzt bin ich dran.” “Nee”, sagt der Bauer im Weggehen. “Hier, nehmen Sie die Ente.”

Er habe einen Humor, der weltweit verstanden werde, heißt es zur Begründung. “Je nachdem, in welchem Land man ist, kann man die Charaktere etwas verändern”, sagte er dem Magazin Reader’s Digest . “Der Witz ist nicht zu schlüpfrig. Männer und Frauen können gleichermaßen darüber lachen.” Der Einsender heißt Jörgen Jonsson. Ich persönlich finde aber den Namen und auch das Foto des glücklich lächelnden  Weltsiegers witziger…

 Siehe: Jörgen Jönsson

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Lebensmüde oder einfach nur Pech

Wie ich vor einigen Tagen mal grob ausgerechnet habe, dürfte ich in meinem bisherigen, nicht allzu kurzen Leben etwa 250.000 km auf dem Sattel eines Fahrrads verbracht haben. Soweit nichts Besonderes. Bemerkenswert hingegen, dass ich in all diesen Jahren nie den kleinsten Unfall hatte. Bis vor 2 Monaten, da hat sich das Rad eindeutig  gewendet.

Am 17. April, dem Donnerstag vor Ostern, radelte ich auf meinem Rennrad auf ebener Strecke, die völlig gefahrlos war, und befand mich nur knappe 3 Km von zuhause entfernt. Aus heiterem Himmel bockte auf einmal mein Lenker und ehe ich wußte, wie mir geschah, flog ich in hohem Bogen auf den Kantstein am Sraßenrand. Wobei hoher Bogen ist bei meinem Gewicht wohl übertrieben, aber der Aufprall war trotzdem gewaltig. Ich blieb 2-3 Minuten liegen, befühlte Körper und Glieder, kam langsam wieder zu Atem und dachte, dass ich das Schlimmste überstanden hätte. Folglich setzte ich mich wieder auf mein Rad, das vollkommen heil geblieben war, und radelte die wenigen Kilometer nachhause. Dort musste ich dann aber mit Schrecken feststellen, wie ein Bluterguss sich vom Knie über Oberschenkel bis hinauf in die Rückengegend ausdehnte, immer dunkler und stärker lila wurde, ja an bestimmten Stellen sogar tennisballgroße Ausbuchtungen annahm. Auch begannen mir verschiedene Rippen sehr zu schmerzen. Alles sprach dafür, einen Notarzt zu rufen, aber meine Erfahrungen mit dem italienischen Krankensystem waren ziemlich niederschmetternd, und der Gedanke, 5-6 Stunden in einer Notaufnahme zu warten, bevor irgendein Arzt einen kurzen Blick auf die Ergüsse werfen und mir dann Salben verschreiben würde, hielt mich davon ab. Ich blieb im Bett liegen, versuchte irgendwie einzuschlafen und den nächsten Morgen abzuwarten.

Um es nun kurz zu machen, am nächsten Morgen war ca. 1/5 meines Körpers mit Blutergüßen bedeckt. Ich schleppte mich in eine Apotheke, ließ mir dort Salben geben und heilte das ganze in ca. 4-5 Wochen aus. Die Blutergüsse verschwanden, nur einige Rippen taten noch recht weh. Doch man hatte mir dazu gesagt, dass der Schmerz bei diesen Prellungen  einige Monate anhalten kann. Und das Beste am Ganzen: nach 5 Tagen saß ich wieder auf dem Fahrrad.

Dieser starke Sturz hatte mich nun freilich endlich dazubewegt, den schon vor einigen Jahren erwogenen Kauf eines Mountainbikes voranzutreiben.  Nach einem Besuch bei meinem Fahrradhändler des Vertrauens im slowenischen Koper und den Versuch von 3-4 Rädern, war ich rasch stolzer Besitzer eines Black Forrest Focus Rades. Die extrem breiten Reifen, das angenehme aufrechte Sitzen im Gegensatz zum  Rennrad und das gemächliche Cruisen verschaften mir einen ganz neuen Radelspaß, und hier fühlte ich mich nun auch extrem sicher. So sicher, dass ich am letzten Sonntag  meinen Sturzhelm zuhause ließ und von Muggia aus auf der als Radweg umgebauten alten Eisenbahnstrecke Parenzana Richtung Koper radelte. Unterwegs überholte mich ein Mountainbiker mit relativ kleinen Rädern. Wie bisweilen in solchen Fällen, erwachte bei mir der Ehrgeiz. Ich raunte mir zu, dass der da mit seinen kleinen Rädern mir unmöglich davon fahren könne, und begann also „Gas zu geben“. Recht rasch flitzten wir  auf der Parenzana mit 35 km dahin, doch nach ca. 4 Kilometern wurde ich einsichtiger und sagte mir, der da ist sicherlich 25 Jahre jünger als du, lass ihn also davonradeln, auch wenn du viel größere Räder hast. Dummerweise fuhr  ich aber immer noch mit einem  recht raschen Tempo von ca. 25 Km in die nächste Kurve hinein, als unmittelbar vor mir ein Mopedfahrer aus der Gegenrichtung auftauchte.  Mit meiner Vollbremsung verhinderte ich zwar den Zusammenprall, doch flog dafür wieder – diesmal wirklich in hohem Bogen – vorn über mein Rad. Nach allen Regeln der Wahrscheinlichkeit hätte dies mein Ende bedeuten können mit  mehrfachen Knochenbrüchen und vermatschtem Schädel. Doch diesmal musste ein Schutzengel über mir die Hände ausgebreitet haben, denn ich kam mit einigen Hautabschürfungen und der Erneuerung der Rippenprellung (bin fast auf dieselbe Stelle gelandet) extrem gimpflich davon. Dafür ist das Vorderrad von meinem Black Forrest völlig zu Schrott geworden.

Moral der Geschichte: Von nun an sollte ich wohl besser zu Fuss gehen. Doch ich bin leider unverbesserlich: Morgen dürfte mein Rad repariert sein. Dann wird es hoffentlich gleich munter weitergehen, denn es gibt ja noch soviel zu entdecken, wo ich jetzt sogar Hügel hinaufradeln kann (mein Rennrad war recht alt und hatte keine allzu gute Übersetzung).

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Bankraub-Lady mit 70 Jahren

In der toskanischen Stadt Prato hat eine ca. 70-jährige Dame mit vorgehaltener Pistole und Teppichmesser eine Bank überfallen und 4.000 Euro erbeutet. Darauf hat sie zufuß die Flucht ergriffen. Die Bankangestellten erklärten gegenüber der Polizei, dass sie die ältere Frau trotz ihres unsicheren Schrittes nicht verfolgt hätten, weil “wir befürchteten, dass sie sich auf der Flucht von selber verletzen könnte”.

Hut ab vor der Menschlichkeit dieser Angestellten.

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Auszüge aus einem Interview, das Antonella Barina mit Eugenio Scalfaro, dem Gründer der italienischen Tageszeitung La Repubblica  und einem der letzten großen Intellektuellen Italiens, führte und in der Freitagsbeilage von La Repubblica, „il venerdì“, veröffentlich wurde.

Barina: Warum betrachten Sie Ihr letztes Buch (L´amore, la sfida, il destino – Die Liebe, die Herausforderung, das Schicksal) als den letzten Schritt Ihrer Studien?

Scalfari: Weil ich denke, dass ich endgültig verstanden habe, was für mich der Sinn des Lebens bedeutet. Als Atheist glaube ich nicht an das Jenseits. Da ich mich daher nur für das Diesseits interessiere, habe ich mich davon überzeugt, dass der Sinn des Lebens ein Nicht-Sinn ist: Das Leben hat einen Anfang und ein Ende, man wird zufällig geboren und ebenso stirbt man zufällig. Ein jeder von uns könnte auch nicht geboren werden, ohne dass dies Auswirkungen auf das Universum zeitigen würde. Tatsächlich ist das Leben nur durch kurzweilige Perioden mit Sinn erfüllt, die von Mal zu Mal durch das Aufeinandertreffen unser inneren Welt mit der äußeren Realität bestimmt werden.

…..

Barina: Ok, also kein ewiges Leben. Bleibt das gegenwärtige, das Sie sich als ein Kartenspiel vorstellen, in das ein Jeder sich ganz einbringt. Der Spieleinsatz: der Versuch, der eigenen Existenz einen Sinn zu verleihen. Die Spieler: unser Instinkt, der durch eine Reihe von Ikonen repräsentiert wird, vor allem durch Eros.

Scalfari: Er wird in der Regel mit dem Gott der Liebe idendifiziert, aber es wäre besser, ihn als den Herrn unserer Begierden zu bezeichnen. Für jeden Typ von Begierde: auf eine Frau oder einen Mann, auf Macht, auf  Erfolg, auf Reichtum oder auf Glück. Eros ist derjenige, der die Karten verteilt und die Spielregeln definiert, denn unsere Begierden sind der Antrieb für alles. Ihre Qualität und ihr Ausmaß  bedingen die stärkere oder schwächere Vitalität eines Jeden von uns.

…..

Barina: Narziss, die Eigenliebe ist der zweite Spieler am grünen Tisch.

Scalfari: Narziß wird mit uns geboren und lebt mit uns. Die einzigen, die den verhexten Kreis der Eigenliebe verlassen zu suchen, sind die Heiligen, die Verliebten und die Helden. Das Herz der Heiligen schlägt für die anderen, das von Tristan schlägt für Isolde. Die Helden sublimieren ihren Narzismus. Ihre typischen Eigenschaften sind der Wert, die Herausforderung, das Komando und der Sieg. Und sie verweigern sich nicht der Macht, aber vermeiden es, dass die Macht sie beherrscht. Wie Heinrich V. aus Shakespeare, der  –  als junger Mann   zügellos und vergüngungssüchtig – zu einem ruhmvollen Eroberer von Ländern und  Menschen wird, zu einem weisen Herrscher.  Dem es sogar gelingt sich von Falstaff zu lösen, seinem haltlosen Freund, der ihn mit Festen und Ausschweifungen in Versuchung führen wollte.

…..

Barina: Und der Tod als dritter Spieler?

Scalfari: Wir leben unser Leben damit, ihn zu ignorieren, zu hintergehen oder ihn zu exorzieren. Ohne Erfolg, aber es ist besser so: die Unsterblichkeit wäre etwas Wiederholendes, Langweiliges. Den Tod kann man nur überwinden, wenn man eine Spur von sich, auch die kleinste, zurückläßt. Und man entfernt ihn, wenn man Projekte macht, wie zum Beispiel ich. Ich habe jetzt den Plan zu einem noch nie geschrieben Tagebuch.

Quelle: Il venerdì, Nr. 1337 vom 1. November 2013,

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Reißaus vor dem Sturm

Während am 4. Oktober das Schicksal der italienischen Regierung und vermutlich auch des Landes entschieden wird – denn sollte die Regierung aufgrund der Sabotage seitens der PDL, der Partei der Freiheit, der es einzig und allein um die Freiheit ihres großen Bosses Silvio Berlusconi geht, stürzen, ist der Niedergang Italiens kaum noch aufzuhalten, also während all dies am 4. Oktober hier in Italien über die Bühe geht, macht sich der kleine Boss – sprich meine Wenigkeit – aus dem Staube und wird in Dubrovnik weilen, um eine Reisegruppe zu begleiten, für die er den Aufenthalt und verschiedene Ausflüge nach Montenegro, Mostar und auf die Halbinsel Peljesac – bekannt für ihre guten Rotweine – organisiert hat. Er ist gespannt, was derweilen in seiner Wahlheimat passieren wird, auch wenn ihm die Regierungskrisen, das andauernde und nur noch lächerliche Spektakel der italienischen Parteipolitiker, die immer nur ihr eigenes Süppchen kochen, schon längst zum Halse heraushängt. Dass seine Abwesenheit von keinem einzigen der Akteure auf der italienschen Politbühne vermisst wird, versteht sich von selbst. Es beruhigt ihn dabei, dass auch die anderen 59 Millionen und 998 Tausend Italiener hier nur als passive Zuschauer agieren, die freilich am Ende für die gewaltigen Kosten dieses Trauerspiels zahlen werden. Doch womit: denn ihre Taschen sind eh schon gähnend leer.

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Bildung und Menschlichkeit

Eine der großen Fragen aller Zeiten, nämlich die: inwieweit bestimmen Bildung und Herkunft menschliche Einfühlsamkeit bzw. die Liebe zum Menschengeschlecht schlechthin. Das, was Fedor Dostojewski dazu vor gut 150 Jahren sagte, ist meiner Ansicht heute aktueller denn je.

“Die Seele und ihre Empfindsamkeit lässt sich nicht nach irgendeinem geistigen Niveau beurteilen. Selbst die Bildung ist in diesem Fall kein Maßstab. Ich bin als erster zu bezeugen bereit, dass ich in den allerungebildesten und niedergedrücktesten Menschen, gerade unter diesen Leidenden, Züge von zartester seelischer Entwicklung wahrgenommen habe. Im Ostrogg (Gefängnislager in Siberien  - Anm. von mir) kannte man bisweilen einen Menschen jahrelang und glaubte von ihm, er sei ein Tier und kein Mensch, und man verachtete ihn. Und plötzlich kommt dann ein zufälliger Augenblick, in dem sich sein Inneres in einem ungewollten Ausbruch aufdeckt – und dann sieht man in ihm einen solchen Reichtum, soviel Gefühl und Herz, ein so scharfes Verständnis und ein persönliches Leiden, dass man erst jetzt sehend zu werden meinst, nachdem man im ersten Augenblick seinen eigenen Ohren und Augen nicht getraut hat. Und andrerseits, wie oft findet man das Umgekehrte: da sieht man Bildung mit einer Barberei vereint, mit einem Zynismus, dass einem übel wird, und wie nachsichtig man auch sein wollte, man findet dafür doch keine Entschuldigung, doch keine Rechtfertigung im Herzen.”

Aus Aufzeichnungen aus einem Totenhaus. Piper. München, Zürich. 11. Auflage, 1999.

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Einer ist Staatsbeamter (Kurz EIS)

Nach reiflichen und jahrzehntelangen Überlegungen zum Thema Weltverbessern und aufgrund meines aktuellen Disputs mit der schweizerischen Justiz (siehe ausführlich unten) habe ich mich zur Gründung folgender Bewegung entschlossen „EINER IST STAATSBEAMTER“ (kurz EIS), die das Leben auf unserem Planeten für alle Bürger grundlegend und lebenslang verbessern dürfte. Die Bewegung hat sich nämlich ein einziges Ziel gesetzt: Ein jeder Bürger wird bei Geburt automatisch Staatsbeamter mit entsprechenden Arbeitszeiten, Rechten, Pflichten und natürlich entsprechenden Einkünften und Pensionsansprüchen. Dabei werden die Staatsbeamten in 10 verschiedene Arbeits- und Gehaltsklassen unterteilt. Die Gehälter in den Klassen unterscheiden sich jeweils um 10 %, sodass die Staatsbeamten der Klasse I – also der höchsten Klasse – gerademal doppelt soviel verdienen wie die Beamten der niedrigsten Klasse X.
Ohne große wirtschaftliche Vorstudien bin ich davon überzeugt, dass bei der Verstaatlichung aller Privatvermögen auf der Welt diese Reform problemlos in die Praxis umzusetzen wäre. Also worauf wartet ihr noch: Werdet aktive Mitglieder der Bewegung EIS und schreibt euch heute noch hier unten ein. Unser Kampfruf: Staatsbeamte aller Welt vereinigt euch!

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Der Gerechtigkeit wird Schuldigkeit getan

Dank einer Geschwindigkeitsübertretung von 2 km bin ich von der Schweizer Justiz – von einer Staatsanwältin, die sich als Nachnamen mit dem militärischen Namen „Eigenheer“ schmückt – zu einer Geldbusse von CHF 248,00 verurteilt worden. Schon aus prinzipiellen Gründen muss ich gegen diese Strafe Einspruch erheben, denn wenn mich 2 km Geschwindigkeitsüberschreitung grundsätzlich CHF 248,00 kosten sollen, kann ich in kürzester Zeit meinen Bankrott anmelden.

Doch die Schweizer Justiz weiß Abhilfe. So zitiere ich aus dem Informationsblatt zum Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Basel-Stadt:

Unbedingte Geldstrafe, Busse und Verfahrenskosten (was Autobusse hier zu suchen haben, ist mir ein Rätsel – A.d.V.)

2. Wird die unbedingte Geldstrafe oder die Busse (!) nicht bezahlt und ist sie auf dem Betreibungsweg uneinbringlich, tritt an ihre Stelle eine Ersatzfreiheitsstrafe. Die Ersatzfreiheitsstrafe entfällt, soweit die unbedingte Geldstrafe oder die Busse nachträglich bezahlt wird. 

Gemeinnützige Arbeit

4. Beschuldigte Personen, die mit dem Strafbefehl grundsätzlich einverstanden sind, an Stelle der ausgesprochenen unbedingten Freiheitsstrafe, der unbedingten Geldstrafe oder der Busse jedoch gemeinnützige Arbeit verrichten möchten, haben gegen den Strafbefehl fristgerecht Einsprache zu erheben und einen entsprechenden Antrag an die Staatsanwaltschaft zu stellen. Ein Tag (Ersatz-) Freiheitsstrafe oder ein Tagessatz Geldstrafe entspricht vier Stunden gemeinnütziger Arbeit. Verfahrenskosten können nicht in gemeinnützige Arbeit umgewandelt werden.

Soweit aus dem Informationsblatt. Nach einiger Überlegung habe ich darafhin folgendes Antwortschreiben verfasst.

Staatsanwaltschaft Basel-Stadt
Strafbefehlsdezernat
Binningerstraße 21
CH-4001 Basel

Sehr geehrte Staatsanwältin Eigenheer,
in Bezug auf Ihre Verurteilung darf ich wie folgt Stellung nehmen.

1) Leider ist es mir aus prinzipiellen und finanziellen Gründen vollkommen unmöglich, Ihrer Aufforderung zu einer Strafzahlung von CFR 248 wegen 2 km Geschwindigkeitsüberschreitung Folge zu leisten.

2) Wenn ich Ihr Informationsblatt richtig verstehe, kann ich die Strafzahlung durch eine Gefängnishaft ersetzen.

3) Gern erkläre ich mich daher bereit, eine Gefängnisstrafe anzutreten. Herzkrank und stark infarktgefährdet kann ich dabei auf eine positive Endlösung hoffen.

Gern erwarte ich Ihre weiteren Instruktionen in dieser Sache. Gleichzeitig würde es mir eine große Freude bereiten, wenn Sie der von mir ins Leben gerufenen Bewegung „Einer ist Staatsbürger“ (kurz EIS) beitreten würden. Ausführlichere Informationen zu dieser Bewegung entnehmen Sie bitte der Webseite: www.lobimini.com
Ich bedanke mich für Ihre Aufmerksamkeit und freue mich auf Ihre Rückantwort

Mit freundlichen Grüssen

Jens Reuschel

P.S. Ich darf Sie bitten auf Ihrem Informationsblatt das Wort Busse in Buße auszubessern. Herzlichen Dank.

Nachtrag: Fortsetzung folgt.

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Handymanie im öffentlichen Zagreber Nahverkehr

Steigt man in die gemütlichen Zagreber Straßenbahnen, bietet sich einem ein ungewohntes Bild: Fast alle Fahrgäste halten ihr Handy in der Hand. Doch kaum einer telefoniert. Sie schauen zumeist auch kaum auf das Handy, sondern betrachten eher mit Interesse – oder sollte ich besser sagen mit ängstlichem Interesse – die anderen Fahrgäste. Lange Zeit konnte ich mir einfach keinen Reim darauf bilden. Und fragte mich häufig: Was treibt den Zagreber dazu, in den Bussen oder Straßenbahnen das Handy in der Hand zu halten. Ist es hier vielleicht ein so großes Statussymbol, dass sich einfach alle damit wichtig tun müssen? Oder ist der Empfang dort besonders gut? Ja warten vielleicht alle gerade in der Straßenbahn auf den Anruf ihres Lebens?

Nun, irgendwann wurde ich dann aufgeklärt. Der Grund ist natürlich viel prosaischer, wie fast alles im Leben. Vor cirka 15 Monaten hat der Zagreber Verkehrsverband sich elektronisch revolutioniert und die Variante eingeführt, dass man die Fahrkarte per Sms kaufen kann. Finde ich irgendwie Klasse diese Revolution. Doch jetzt frage ich mich nur, wie der Verband da auf seine Kosten kommt, denn zumindest die kroatischen Handybesitzer – und das sind auch dort über 90 % der Bevölkerung – dürften seitdem keine Fahrkarten mehr kaufen,  sondern stattdessen lieber ihr Handy in der Hand halten. Für den Fall der Fälle.

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Sonnenbrillenmonogamist

Im Prinzip bin ich recht monogam veranlagt. Dies gilt besonders auch, was meine Beziehung zu Sonnenbrillen angeht. Das Verhältnis mit meiner letzten Sonnenbrille dauert sicherlich länger als ein Jahrzehnt. Es handelte sich um eine namenslose Polaroidbrille, die jede Menge Reize in sich trug. Sie war leicht, alles aus Plastik und daher in großem Maße biegbar. Sie schützte mich vor intensiven Sonnenstrahlen und spiegelte die Außenwelt recht farbgetreu wider. Die Fassung hatte sich zwar im Laufe der Jahre etwas gelockert, sodass die Gläser herausfielen, doch taten sie dies eigentlich nie, ohne mich davon in Kenntnis zu setzen. Und sie zeigte sich nachsichtig, denn man konnte die Gläser ohne Probleme leicht wieder in die Fassung drücken. Es sprach für sie auch, dass sich die Anschaffungskosten in Grenzen hielten (damals wohl noch ca. 20 DM) und sie mir absolut keine Unterhaltskosten verursachte. Diese Idylle hätte vermutlich noch über Jahre weitergehen können, wenn sie nicht im letzten Jahr vollkommen überraschend auf einem Zagreber Parkplatz verschwunden wäre. Wie zumeist in einer langjährigen Beziehung ist die Schuldfrage nicht eindeutig zu klären. Ging sie auf dem Dach eines anderen Autos fremd, hat sie sich nur einfach aus meiner Tasche fallen lassen, gefiel ihr der Kellner im Restaurant, wo ich mit meiner neuen Freundin zu Mittag gegessen hatte, zu gut oder ist sie einfach aus Eifersucht auf dem Restauranttisch liegen geblieben, wer wird es wissen. Alle meine Nachforschungen blieben jedenfalls ergebnislos.

Seit diesem tragischen Zeitpunkt ist mein Verhältnis zur Sonnenbrillen äußerst problematisch geworden. Da ich mir schon allein wegen der hohen Anschaffungs- und Unterhaltskosten aus Markennamen nichts mache – ich zweifle zudem stark an ihrer Treue -, versuchte ich bislang mein Glück mit chinesischen Sonnenbrillen, die sich für oft lächerlich niedrige Preise um 1-3 Euro hergaben. Zwei oder drei Modelle hatten mich auch durch ihre wohlgestaltetes Äußeres stark beeindruckt, ja ich würde fast von Liebe auf den  ersten Blick sprechen wollen. Lässt man sich dann freilich länger auf sie ein, zeigen sie ihre Tücken und Fehler. So nehme ich mit ihnen die Außenwelt in komischen Farben war, und oft verschaffen sie mir nach kurzer Zeit ein ziemliches Kopfweh.

Doch  vielleicht zeichnet sich am Horizont nun ein Happy End ab, denn vor ca. 7 Tage begegnete ich bei Lidl Auriol. Zuerst einmal trägt sie im Gegensatz zu ihren anonymen chinesischen Vorgängerinnen diesen schönen Namen Auriol. Doch nicht nur dies, denn dank weiterer Angaben wie Cat.3 und U62.447/8 gehe ich auch von einer guten familiären Abstammung aus. Etwas stutzig machte mich freilich der Umstand, dass auch sie in China das Licht der Welt erblickt hat. Doch dies ist wohl heute üblich. Und sie ist nicht wirklich eine Schönheit, nicht proportional gebaut, denn mit ihren verhältnismässig großen Gläsern verdeckt sie gut 50 % meiner Gesichtsfläche. Dies mag sich für mich aber durchaus als vorteilhaft herausstellen, wobei ich da nicht in die Einzelheiten gehen möchte. Jedenfalls vorteilhaft in mehrfacher Hinsicht, denn so dürfte es ihr schwerfallen, mir untreu zu werden. Aber warten wir es ab, denn unsere Beziehung steckt ja noch in den Kinderschuhen.

Liebe Auriol, ich wünsche uns zusammen nur das Allerbeste!

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Mexikanische Pattstellung in ……….Italien

Um die aktuelle politische Situation in Italien zu beschreiben, bietet sich ein Begriff an, der vermutlich von den italienischen Spaghettiwestern ins Leben gerufen wurde und nun in lebensechter Gestalt nach Italien zurückkehrt.  Die typische Situation der mexikanischen Pattstellung besteht  darin, dass sich mehrere Kontrahenten (zumeist 3 Protagonisten) mit  auf den Gegner gezielten Pistolen (eine oder manchmal auch zwei) in Schach halten.  Die bekannteste Filmszene für das mexikanische Patt dürfte aus dem Western Sergio Leones „Zwei glorreiche Halunken“ (im Original: The good, the bad and the ugly) stammen. Hier die Beschreibung dieser Szene aus der Wikipedia:

Als Tuco und der Blonde schließlich den gesuchten Friedhof finden und kurze Zeit später auch Sentenza dort eintrifft, kommt es zwischen den drei Meisterschützen zu einem nervenaufreibenden Showdown – der Sieger und einzige Überlebende soll den Stein erhalten, auf den der Blonde, wie er vorgibt, den gesuchten Namen des Grabs (wo der Goldschatz verborgen ist – Anm. von mir)  geschrieben hat. Während die beiden anderen jeweils zwei Gegner belauern müssen, hat der Blonde jedoch in der Nacht zuvor Tucos Waffe entladen und kann sich daher nun ganz auf Sentenza konzentrieren. Er erschießt ihn und lässt Tuco anschließend das Gold ausgraben. Dann zwingt er ihn, sich mit einem Galgenstrick um Hals und Ast auf ein wackeliges Grabkreuz zu stellen, und reitet mit der Hälfte des Geldes davon. Von weitem legt er sein Gewehr auf den um Hilfe jammernden Tuco an und zerschießt den Strick wie in alten Zeiten. Tuco bekommt einen Wutanfall, während der Blonde ruhig dem Horizont entgegen reitet.

In dieser Situation ist der Blonde eindeutig in einer bevorzugten Stellung, da er sich gut auf das Treffen vorbereitet hatte. Die italienische Wirklichkeit hat den Film nun eingeholt und die 3 politischen Kontrahenten Bersani (PD), Berlusconi (PL) und Grillo (Bewegung 5 Sterne) handeln fast genauso wie unsere Westernhelden.  Nur sind sie nach dem Wahlausgang von Ende Februar vollkommen unvorbereitet in dieses Showdown gegangen. Und auch was die Besetzung der Rollen angeht, dürfte nicht nur bei mir noch große Unklarheit bestehen, wer hier den Guten, den Bösen und den Hässlichen abgibt. Hässlich sind sie jedenfalls alle drei. Ziemlich sicher ist auch, dass die drei Kontrahenten aus diesem Patt mit dem Leben davonkommen werden. Anders sieht es freilich für die Zuschauer, sprich die italienischen Wähler, aus.  Es vergeht kaum ein Tag, an dem jemand nicht Selbstmord verübt, weil er aufgrund der galoppierenden Wirtschaftskrise seine Arbeit oder sein Unternehmen einbüsst  und nun vor dem Nichts steht.  Doch damit haben wir endgültig das Westernszenario hinter uns gelassen. 

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Hunde als Drogenkuriere – Alles schon mal dagewesen

“Gemetzel von Hunden, die als Drogenkuriere dienten. 75 Verhaftungen in Mailand.”  So die Überschrift in der italienischen Tageszeitung vom 19. März 2013. Sodann der Artikel: “Mit großwüchsigen Hunden wurde ein lebhafter Kokainschmuggel in Italien betrieben. Dank chirurgischer Eingriffe wurden das Kokain in den Hunden versteckt, die bei der Ankunft an ihr Ziel getötet wurden, um an die Drogen zu kommen. In Mailand wurden 78 Haftbefehle an 57 Voll- und 18 Minderjährige erlassen, die fast ausschießlich aus Lateinamerika kommen… Für die Kurierdienste wurden vor allem San Bernardiner, deutsche Dogge, Bordeauxdogge, Mastino Napolitano und Labrador gebraucht. Einmal eingetroffen, wurden die Hunde aufgeschnitten und aus ihren Därmen 1,250 kg reines Kokain geholt. Bevor das Kokain in die Därme der Hunde getan wurde, wurde es in eine Zellophanhülle verpackt, danach mit Kohlepapier umwickelt,um es gegen Röntgenstrahlen zu schützen. Dann wiederum in Zellophan und noch mit schwarzen Klebestreifen umklebt als weitere Schutzmaßnahme gegen Röntgenstrahlen. Die Polizei schätzt, dass circa 48 Reisen auf diese Art durchgeführt wurden und ein einziger Hund  mit dem Leben davongekommen sei.”

Vor etwa 180 Jahren wurde diese Schmuggelei auch schon praktiziert, wie wir aus den Tagebuchnotizen von Friedrich Hebbel vom 15. Dezember  1836 entnehmen können. Freilich in wesentlich größerem Stil, aber nicht ganz so grausam.

Französische Smuggelei

Der Smuggelhandel an der Nordgrenze wird hauptsächlich durch Hunde betrieben, welche nach Belgien gebracht und dann mit Waren bepackt zurückgeschickt werden. Um dies zu beschränken, hat der Finanzminister auf die Hunde von starker Rasse für die Landgrenze zwischen Dünkirchen und Les Rousses einen Ausfuhrzoll von fünf Franken für den Kopf gelegt. Die Zahl der zu solchen Zwecken benutzten Hunde beläuft sich auf 5-600 000, und die Dounaniers vermögen unter 100 kaum eines sich zu bemächtigen. Jeder trägt 5 bis 6 Pfund. 400000 mit Tabak beladene Hunde machen dem Staatsschatz einen Verlust von fünf bis sechs Millionen Franken. Die Dressur besteht darin, daß die Hunde in Frankreich gut behandelt, in Belgien gemißhandelt und, um sie gegen die Dounaniers scheu zu machen, von Zeit zu Zeit ebenfalls in Belgien durch einen in deren Uniform gekleideten Mann durchgepeitscht werden. Sind sie in Belgien ausgehungert, so befrachtet man sie und läßt sie nachts los, wo sie dann in größter Eil’ nach Frankreich zurückkehren. Von Frankreich nach Belgien wurden sie bisher angebunden bei Tage durch die Herren geführt.

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Fast schon ein Bekannter

Als ich heute nachmittag meinen Tabakladen in Muggia verließ, wurde ich von einem Mann im Alter von 35 Jahren angesprochen  (5 Jahre plus oder 5 minus liegen auf jeden Fall drin, denn ich verschätze mich beim Alter leicht): „Hallo, altes Haus, du erkennst mich doch sicher?“ Ich guckte ihn genauer an, irgendwie kam er mir schon bekannt vor, aber mein Personengedächtnis war aufgrund meiner Kurzsichtigkeit noch nie meine Stärke. Also murmelte ich:“ Ja, warte mal, du bist doch….“. Aufmunternd nickte er mir zu und sagte:“ Genau der Sohn von …“

Ich vermutete, er wollte mir damit eine Eselsbrücke bauen, aber ich tappte noch immer vollkommen im Dunkeln und zuckte nur hilflos mit den Schultern. Darauf er: “ Der Sohn von Maurizio…!“ Maurizio? Ich kannte sicherlich 4 oder 5 Maurizio, aber konnte ihn immer noch nicht einordnen. Also zuckte ich wieder. „Na, der Sohn von Maurizio Figl, aber du kennst ihn vermutlich besser unter dem Namen Vodopiva?“ Beide Nachnamen sagten mir erst einmal gar nichts, aber das will nicht viel bedeuten, denn auch mein Namensgedächtnis ist nicht immer das beste. Also blieb mir nichts anderes übrig, als wieder mit den Schultern zu zucken. Darauf er weiter im vertraulichen Ton: „Stell dir vor, mein Vater hat mich vor die Tür gesetzt. Seit einer Woche lebe ich auf der Straße. Und davor hat er mich auch noch grün und blau gehauen. Mit einem großen Stock. Schau hier, mein Kratzer im Gesicht. Oder willst du auch meinen Rücken sehen? Übrigens kannst du mir ein wenig aushelfen?“

So langsam dämmerte es mir, und ich sah langsam Land in Sicht. Einen Maurizio mit einem Stock, der seinen Sohn verdrescht und vor die Tür setzt, dürfte wohl kaum zu meinem Bekanntenkreis zählen. Also war mein Gedächtnis doch nicht so jämmerlich schlecht, wie ich es schon ohne weiteres hätte einräumen wollen. Richtig gut habe ich mich aber trotzdem nicht aus dieser Begegnung davongestohlen, denn ich verabschiedete mich daraufhin nur kurzangebunden. Doch einige Euros war dieser Auftritt wohl sicherlich wert. Ich sollte es mir zu Herzen nehmen, wenn mein Bekannter das nächste Mal meinen Weg kreuzt.

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Beppe Grillo – der neue Mussolini? Zumindest laut Spiegel

Italiens Wahlsieger Grillo: Der gefährlichste Mann Europas

Eine Kolumne von Jan Fleischhauer

Auch in Deutschland gilt Beppe Grillo als Hoffnung. Dabei ist sein radikaler Antiparlamentarismus im Kern antidemokratisch. Der britische Journalist Nicholas Farrell sieht sogar Parallelen zu Benito Mussolini.

Siehe ausführlich: http://www.spiegel.de/politik/ausland/italiens-wahlsieger-grillo-der-gefaehrlichste-mann-europas-a-888851.html

So laut der Kolumne von Jan Fleischhauer aus dem Spiegel online vom 14.3.2013. Für mich sind diese Ängste zurzeit unbegründet, denn die politische Ethik und Moral ist in Italien in den letzten 20 Jahren vollkommen auf den Hund gekommen. Nicht dass sie früher Glanzzeiten erlebt hätte, ja sogar schon Machiavelli dozierte, dass die Politik alle Mittel rechtfertige. Doch er hatte zumindest hehre Ziele im Auge, nämlich die Einigung des in zahllosen Kleinsstaaten zersplitterten Italiens. Während die Politikkaste der letzten zwei Dekaden nur eins vor Augen hatte: Sich selbst zu bereichern. Schlimmer konnte es eigentlich nicht mehr kommen.

Daher ist eine Erscheinung wie Grillo  erstmal eine unglaubliche Bereicherung für die italienische Politik und Gesellschaft. Die in Scharen ins Parlament eingezogenen Grillini unterscheiden sich von den alten Politkern wie der Weizen von der Spreu. Ihr Programm ist in den meisten Punkten zu unterschreiben und wurde bislang auch demokratisch diskutiert und abgestimmt. Daher sollte man ihnen jetzt den notwendigen Kredit einräumen. Und gegenwärtig kann ich mir kaum vorstellen, dass sie eine wie auch immer geartete diktatorische Ausrichtung unterstützen könnten.

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Kampf ums Überleben oder Ladendiebstahl auf andere Art

In letzter Zeit häufen sich die Fälle, wo mich die Kassenangestellte in den Supermarkts versuchten übers Ohr zu hauen. Zwei Mal versuchten sie bei der Herausgabe des Restgelds zu betrügen: Das erste Mal wollten sie statt auf meinen 20-Euro-Schein nur auf Euro 10 herausgeben. Das zweite Mal dann ganz frech, denn auf meine Euro 50 sollte ich nur auf Euro 20 Restgeld bekommen. Der letzte Fall passierte nun gestern, wo mir eine Konfektion Rosenkohl zu Euro 1,98 zweimal in Rechnung  gestellt wurde. Bei meinen Beanstandungen wurden diese „Irrtümer“ sofort zugegeben, und ich hatte zumindest in der Sache keine weiteren Probleme.

So weit, so gut oder so schlecht. Doch ich zerbreche mir jetzt über die Gründe für dieses Verhalten den Kopf. Bislang sind mir drei eingefallen, doch vermutlich dürfte es noch eine ganze Menge weiterer geben.

- Aufgrund der wirtschaftlichen Krise, die auch vor den italienischen Supermärkten nicht halt gemacht hat und deren Umsätze im letzten Jahr um ca. 10 % hat zurückgehen lassen, versuchen die Märkte auf anderem Wege ihre Bilanz aufzubessern.

- Ich sehe so naiv oder trottlig oder einkaufsunerfahren oder gut ernährt (vielleicht auch von allem ein bisschen) aus, sodass bei den Kassenangestellten der Eindruck entsteht, bei dem versuchen wir es, der merkt eh nichts.

- Ich bin ein ausgeprägt misstrauischer Charakter.  Diese Fälle sind harmlos, und die Angestellten haben sich einfach nur geirrt. Schluss & Aus.

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24 Eskimowörter für Schnee und mein Wort für die Sonne – Ein Liebesgedicht für R.

1)       qanik: fallender Schnee

2)      qanittaq: vor kurzem gefallener Schnee

3)      aputi: Schnee auf dem Boden

4)      maujaq: weicher Schnee auf dem Boden

5)      masak: nasser fallender Schnee

6)      matsaaq: halbgeschmolzener Schnee auf dem Boden

7)      aqilluqaaq: Treiben von weichem Schnee

8)      sitilluqaq: Treiben von hartem Schnee

9)      kaviʁisiʁlaq: durch Regen und Frost rauh gewordener Schnee

10)   pukak: kristallener Schnee auf dem Boden

11)   miŋuliq: feiner Mantel von pudrigem Schnee

12)   natiʁuvaaq: feiner von Wind getragener Schnee

13)   piiʁtuʁiniq: dünner Mantel von weichem Schnee auf einem Objekt

14)   qiqumaaq: Schnee, dessen Oberfläche gefroren ist

15)   katakaʁtanaq: harte Kruste von Schnee, die unter Fußstapfen nachgibt

16)   aumannaq: Schnee im Begriff zu schmelzen, auf dem Boden

17)   aniu: Schnee zum Herstellen von Wasser

18)   siʁmiq: schmelzender Schnee als Baumaterial für ein Schneehaus

19)   illusaq: Schnee benutzbar zum Bauen eines Schneehauses

20)   isiʁiaʁtaq: gelber oder rötlich fallender Schnee

21)   kiniʁtaq: kompakter Schnee

22)   maŋŋuq: schmelzender Schnee

23)   qannialaq: leicht fallender Schnee

24)   qanniapaluk: sehr leicht fallender Schnee, noch in der Luft

Doch es gibt für mich nur ein Wort für die Sonne, und das heißt Du.

 

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Jetzt haben wir den Salat und dazu einen diplomatischen Eklat

Wie nicht schwer vorauszusehen war, war das Chaos bei den italienischen Wahlen vorprogrammiert. Ich hatte mich zwar bei meiner Wahlprognose vor ca. 14 Tagen bei den Zahlen leicht verschätzt, aber beim Endresultat, nämlich der Unregierbarkeit Italiens, die aus den Urnen hervorgegangen ist, lag ich genau richtig. Es stehen sich nun im Parlament drei Blöcke mit einem recht ähnlichen Stimmenanteil gegenüber: Mitte-Limks-Koalition 29,5 % der Wählerstimmen, Mitte-Rechts-Koalition 29,1 % und die „Grillini“ bzw. die Bewegung der 5 Sterne 25,5 %.  Die letzteren, die keine Koalition bildeten, sind damit sogar als stärkste Partei aus den Wahlen hervorgegangen.  Da keine der drei Blöcke mit den anderen zwecks Regierungsbildung zusammengehen will,  stehen wir nun vor der Quadratur des Kreises. Es ist gegenwärtig zwar nicht vollkommen auszuschließen, dass sich zumindest eine temporäre Lösung finden wird, die einige grundlegende Reformen wie eine Wahlrechtsreform, eine Reform der unzähligen wirtschaftlichen Privilegien der politischen Kaste Italiens und eventuell auch eine Reform zum Interesenkonflikt auf dem italienischen Mediensektor (Berlusconi hält etwa 50 % der öffentlichen Medien in seinen Händen) durchführen wird. Doch für eine längerfristige politische Lösung sind zurzeit keinen Anzeichen sichtbar.

Diplomatischer Eklat

Der Kanzlerkandidat der SPD Steinbrück ist gestern mit seinen Äußerungen zum Ergebnis der italienischen Wahlen voll ins Fettnäpchen getreten. Er mag aus deutscher Sicht nicht vollkommen unrecht haben mit seiner Behauptung, dass bei  den italienischen zwei Clowns gewonnen hätten. Einer der Clowns, erklärte Steinbrück weiter, sei der Komiker Beppo Grillo, “ein beruflich tätiger Clown, der auch nichts dagegen hat, wenn man ihn so nennt”. Berlusconi sei “definitiv ein Clown mit einem besonderen Testosteron-Schub”.  Nur so etwas darf man nicht laut auf einer Wahlveranstaltung verkünden, schon gar nicht, wenn  man am darauffolgenden Tag vom italienischen Staatspräsidenten empfangen werden will.  Dieser hat das Treffen nach Steinbrücks Erklärung denn auch prompt abgesagt.

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Der fürsorgliche Kinokartenverkäufer

Wenn ich ins Kino gehe gehe – im Schnitt 1 bis 2 mal im Monat, fahre ich am liebsten von Triest 20 km ins slowenische Koper, denn in Slowenien werden alle Filme in der Originalsprache mit slowenischen Untertiteln gezeigt. Serbokroatische Untertitel wären mir lieber, denn die kann ich gut verstehen, während ich beim slowenischen gerade mal auf ein Drittel an Verständnis komme. Doch laufen die Filme auf Englisch, Serbokroatisch oder gar Deutsch (passiert freilich selten), verstehe ich in etwa weitere 2 Drittel, sodass ich einigermaßen klarkomme.

Eigentlich wollte ich mir den neuen Film “Django unchained” von Tarantino angucken, aber da ich gestern um 23 Uhr wieder zuhause sein wollte, um die Sportschau mit dem Derby Inter gegen AC Mailand anzusehen, kam der Film wegen Überlänge nicht in Frage. Also entschied ich mich für den Film “Film 43″.  Nach dem Anschauen des Trailers erwatete ich mir nicht viel, aber neben einer ganzen Reihe von Stars war Kate Winslett aufgeführt, und die schaue ich mir immer sehr gern an. Kurz vor Filmbeginn kam ich an die Kasse, wo zum Glück gähnende Leere herrschte. Auf meine Bitte für eine Karte für den Film 43, schaute mich der junge, sympathisch aussehende  Kartenverkäufer erstaunt an und sagte mir dann: ” Sind Sie sicher? Der Film ist sauschlecht, ich würde Ihnen eher Tarantino empfehlen.” Ich schaute echt verblüfft drein, sagte ihm aber, dass ich um 23 Uhr zuhause sein müsste und deswegen lieber Film 43 gewählt hatte. Darauf er nur kurz: “Nun wenn Sie unbedingt wollen,” und löste recht unwillig das Ticket. Als ich mich dann auf den Weg in den Saal machte, hatte ich fast ein schlechtes Gewissen.

Ach ja, und vermutlich wollt Ihr wissen, ob der Film denn wirklich so sauschlecht ist. Ein Meisterwerk ist es auf keinen Fall, aber die Szene, wo Kate Winslett mit einem gewissen Hugh Jackman in einem eleganten Restaurant zu Abend ißt – es ist ihr erstes Rendezvous –  und dem Jackmann die Hoden vom Hals herabhängen, ist zumindest recht lustig. Er gibt sich vollkommen unbekümmert, und sie ist anscheinend die einzige im ganzen Restaurant, die die Hoden bemerkt und sich keinen Vers darauf machen kann. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt.

Und das Lokalderby endete 1:1, und ging also friedlicher aus als erwartet. Auch Balotelli hatte sich trotz der Buhrufe der Interfans, die den Wechsel von Balotelli zum Lokalrivalen schlecht verdaut hatten, ganz gut im Griff, sodass der erwartete Eklat ausblieb. Jetzt fiebern wir dem Walhlergebnis der italienischen Palmentswahlen entgegen. Sollte sich meine Prognose bewahrheiten, haben wir zumindest einen weiteren Politeklat.

 

Autostrade

Parlamentswahlen in Italien – Chaos weitgehend vorprogrammiert

Am 24. und 25. Februar finden italienische Parlamentswahlen statt. Dabei können wir vier große Blöcke unterscheiden, die sich Hoffnungen auf einen Wahlsieg machen können.

Da gibt es einen Mitte-Links-Block, der von der Demokratischen Partei und deren Kanzlerkandidaten Pierluigi Bersani angeführt wird. Mit dabei sind noch Sinistra Ecologica e Liberta (Ökologische Linke und Freiheit) mit ihrem Führer Nichi Vendola und das Centro Democratico (Demokratisches Zentrum), das von Bruno Tabacchi und Massino Donati angeführt wird.

Sodann haben wir die Scelta Civica (zivile Wahl) unter der Führung des letzten Kanzlers Mario Monti, der auch als Kanzlerkandidat nominiert ist. Hier sind mit an Bord die UDC (Unione di Centro – Zentrumsunion) von Pier Ferdinando Casini und Futuro e Liberta (Zukunft und Freiheit) des letzten italienischen Parlamentspräsidenten Gianfranco Fini.

Als dritte Kraft tritt die Mitte-Rechts-Koalition unter Silvio Berlusconi zu den Wahlen an. Berlusconi ist zwar der erste Listenkandidat, hat sich aber nicht als Kanzlerkandidaten aufstellen lassen, sondern beansprucht für sich das Amt des Wirtschaftsministers. Bei diesem Bündnis soll der Kanzler erst nach den Wahlen ernannt werden, und ihm gehören neben Berlusconis Partei PdL (Partito della Liberta – Partei der Freiheit) noch die Lega Nord von Roberto Maroni, die Fratelli d´ Italia (Brüder Italiens) von Crosetto, Meloni und La Russa, die beiden sizilianischen Parteien Grande Sud und Mpa (Movimento per le Autonomie – Bewegung für die Unabhängigkieten) sowie La Destra (Die Rechte) von Storace an.

Die vierte Kraft, die auf eine recht hohe Stimmenzahl hoffen kann, ist das Movimento Cinque Stelle (Bewegung Fünf Sterne) des Komikers Beppo Grillo. Diese Bewegung ist cum grano salis in Hinsicht ihrer parteipolitischen Ausrichtung in der Nähe der deutschen Piratenpartei anzusiedeln. Sie ist mit keiner anderen Partei oder Bewegung verbündet.

Neben diesen vier Parteien bzw. Bewegungen können sich noch folgende zwei Formationen Hoffnungen auf einen Einzug in das Abgeordnetenhaus: „Rivoluzione Civile“ (Zivile Revolution) vom ehemaligen Richter Antonio Ingroia und „Fare per fermare il declino“ (Engagement für den Einhalt des Niedergangs).

Soweit eine Übersicht über die wichtigsten Kräfte, die sich in weniger als zwei Wochen dem Votum der Italiener stellen werden. Und soweit schön und gut, denn vor wenigen Wochen sah es auch noch danach aus, dass aus dem Urnengang ein eindeutiger Sieger hervorgehen wird, nämlich die Mitte-Links-Koalition unter Bersani. Doch in den letzten Wochen haben sich hier die Ereignisse übertroffen. So hat sich Bersani nach dem Sieg gegen den florentinischen Bürgermeister und jungen Erneuerer Matteo Renzi bei den Vorwahlen, die in seiner Partei PD (demokratische Partei) abgehalten wurden, auf seinen Lorbeeren ausgeruht. Ohne Charisma und dank seines recht blassen Auftretens, das außer seinen eigenen Parteileuten kaum einen Italiener überzeugt – insbesondere wohl auch nicht die unentschlossenen Wähler, deren Zahl kurz vor den Wahlen immer noch bei ca. 30 % liegt – hat er den großen Vorteil gegenüber seinen direkten Konkurrenten, darunter vor allem Silvio Berlusconi, weitgehend eingebüßt. Und seine Siegesbewusstsein, das noch vor wenigen Wochen ungebrochen war, verlieh ihm auch eine gewisse überhebliche Haltung, die leider bei der italienischen Linken in den letzten Jahren eh stark vertreten war. Man denke nur an die graue Eminenz in der Partei, also an Massimo D´Alma, dessen arrogantes Wesen gewissermaßen angeboren zu sein scheint,

Ganz anders dagegen Silvio Berlusconi, der von fast allen politischen Experten noch vor wenigen Monaten abgeschrieben war. Mit seiner extrem aggressiven und fast überall präsenten Wahlkampagne ist er wie ein Phönix aus der Asche auferstanden. Und man muss ihm dabei anrechnen, dass er auch die Konfrontation mit seinen stärksten Opponenten in den Medien nicht gescheut hat. Seiner charismatischen Ausstrahlung bewusst, ging er keiner Konfrontation in den öffentlichen Medien, von denen ihm eine ganze Reihe alles andere als wohlgesonnen sind, aus dem Weg und schlug sich mehr oder oder weniger tapfer, denn darüber gehen die Stimmen auseinander. Ohne Zweifel griff er dabei auf sein bewährtes Repertoire zurück, dass fast unbegrenzte Versprechungen für alle Wählerschichten bereithält. So sollen im Fall seines Wahlsieges zuerst die extrem unpopuläre Steuer für den Haus- oder Wohnungsbesitz, die unter dem Kanzler Monti verabschiedet wurde, zurückerstattet werden. (Dass diese Steuer von seiner Regierung vorbereitet wurde, um den Staatshaushalt zu sanieren, verschweigt Berlusconi freilich.) Weitere Versprechungen lauten auf die Schaffung von Millionen von neuen Arbeitsplätzen (auch dies ist nichts neues, sondern wurde von Berlusconi bei allen Wahlen als wichtigstes Ziel seiner neuen Regierung propagiert und dann am Ende…….nie eingelöst). Für das, was er sonst noch alles versprach, fehlt mir hier der Platz. Leider ist Tatsache, dass die Italiener lieber diese Versprechungen hören als die blassen und trockenen Verlautbarungen von Bersani oder Monti.

Zu einem dürfte der Wahlausgang also sehr knapp ausgehen, und es wird sich kaum eine starke Mehrheit im italienischen Parlament ausbilden. Und sollte dies überraschenderweise doch geschehen, bleibt vollkommen unklar, wie die Mitte-Rechts- und die Mitte-Links-Koalition ihren politischen Zusammenhalt aufrechterhalten können. In beiden Lagern sind extrem unterschiedliche Kräfte vereint, und man sieht eigentlich nicht, wie diese eine gemeinsame Regierung bilden können, geschweige denn ein starkes Regierungsprogramm, das der schweren finanziellen und wirtschaftlichen Krise in Italien gerecht wird.

Damit dürften wir mal wieder an einen Punkt angelangt sein, wo die Unregierbarkeit Italiens oder das Chaos nach den Wahlen vorprogrammiert sein dürfte. Hier nun auch meine Prognose zum Wahlausgang, wobei ich vorausschicken muss, dass sich die Zahlen betreffs Abgeordnetenhaus und Senat noch unterscheiden können, da das zurzeit gültige Wahlrecht nicht für beide Kammern einheitlich ist.

Meine Wahlprognose:

Mitte-Links-Block 25%

Monti und die Scelta Civica: 15 %

Berlusconi und die Mitte-Rechts-Koalition: 20 %

Grillo und seine Bewegung Cinque Stelle: 15 %

Ingroia und seine Rivoluzione Civica: 5 %

Oscar Giannino und Fare per fermare il declino: 4 %

Der Rest geht an kleinere Formationen oder betrifft ungültige Stimmen.

 

AUTOSTRADE

Neben der italienischen Bürokratie, wozu ich auch die unüberschaubare und riesige italienische Politikerclique rechne, gehören die “autostrade”, also die italienischen Autobahnen, zu meinen ganz besonderen Lieblingen. Soweit mir bekannt, gibt es in Europa kaum ein Land mit ähnlich hohen Mautgebühren wie hier. So kostet zum Beispiel die einfache Strecke Triest (Ausfahrt Duino) bis nach Venedig (Ausfahrt Est) Euro 10,70. Dabei handelt es sich gerade mal um 118 km. Da es in Italien keine Vignetten gibt, kann sich ein Jeder selbst ausrechnen, was bei Autobahnfahren an Kosten entstehen. Noch unglaublicher als diese Halsabschneiderei ist freilich der Umstand, dass lange Schlangen und Wartezeiten nichts ungewöhnliches sind. Daher spielen sich an den Mautstellen besonders in der Hauptreisezeiten der Sommermonate dramatische Szenen ab. Bei Temperaturen von 35 Grad und mehr erleiden ältere Personen und Kinder Schwächeanfälle – ja ich denke, es ist gar zu einzelnen Todesfällen gekommen. Und anstatt dass in solchen Extremsituationen die Autostrade die Mautstellen öffnen, passiert nichts. Hinundwieder geht ein kleiner Aufschrei durch die italienische Presse, aber nach einigen Tagen ist alles wieder vergessen.

Nun gut: soviel dazu. Zum Abschluss sei aber auch ein rühmlicher Umstand erwähnt. An den meisten italienischen Raststellen gibt es keine Toilettengebühr. Daher wird zumindest meiner Devise “Freies Pinkeln in einem freien Land” Rechnung gezollt.