Die Privilegien der italienischen Bürokratie

Die Privilegien der italienischen Bürokratie

Wenn man wie ich seit vielen Jahren einen Teil des Jahres in Italien verbringt, wundert man sich doch immer wieder, wie geduldig die Italiener die Privilegien ihrer Bürokratie ertragen. Diese Tatsache an sich ist schon fast unerträglich, noch unerträglicher wird es aber dadurch, dass diese Bürokratie in den meisten Fällen sehr ineffizient arbeitet. Nachstehend eine Studie der OECD mit dem Titel „Goverment at a glance“ aus dem Jahre 2013, die aufzeigt, dass die italienischen Staatsbeamten  die reichsten unter den 34 Nationen der OECD sind. Die italienischen Superbürokraten verdienen im Jahresdurchschnitt 650.000 Dollar, während die Briten bei 348.000, die Amerikaner bei 275.000 Dollar liegen. Noch weniger verdienen die französischen und deutschen.

Die Staatssekretäre, Kabinettsleiter und staatlichen Abteilungsleiter verdienen in der Regel das 2 ½ fache ihrer  deutschen Kollegen, das Doppelte ihrer französischen und ein Drittel mehr als ihre britischen.  Im Vergleich zum  durchschnittlichen italienischen Jahres-Pro-Kopf-Einkommen lagen die Bezüge dieser Bürokraten  12,6 Male darüber, während z.B. die deutschen Kollegen „nur“ 4,97 mal mehr verdienen.

Was den Kulturhaushalt angeht, liegt Italien mit 0,2% des jährlichen Bruttosozialprodukts an letzter Stelle in Europa. Dafür gibt es allein im Gesundheitswesen 33.000 Führungskräfte.

Sehr aufschlussreich sind auch die Daten zum staatlichen italienischen Fernsehen RAI. Bei der Tagesschau von RAI 1 arbeiten 113 Journalisten, davon sind 40 Direktoren bzw. genauer: ein Generaldirekor, fünf Stellvertreter und 34 Hauptredakteure. Also ein Direktor auf 2,8 Journalisten.

Zum ersten Mal wurde im Dezember 2014 dank einer parteiunabhängigen Kommission das Vorgehen der Landesregierung der Toskana öffentlich gemacht, wonach die Führungskräfte dieses Bundeslandes eine Jahresprämie von Euro 16.000 pro Kopf für besondere Produktivität erhalten sollten. Als Errungenschaft dieser besonderen Produktivität wurde u.a. die Reduzierung des Papierverbrauchs um 5 % zugunsten von Emails angerechnet.

Hier weitere Daten zur Ineffizienz der italienischen Bürokratie: Um einen Anschluss ans öffentliche Stromnetz zu bekommen, braucht man in Italien 124 Tage, in Deutschland 17. Für eine Baugenehmigung reichen in Finnland 66 Tage, in Deutschland 97, während Italien auf 234 Tage kommt. Um alle Unternehmenssteuern zu zahlen, muss man in Italien 269 Stunden Jährlich bzw. 33 Arbeitstage veranschlagen, während der europäische Durchschnitt bei 163 Stunden liegt.

Die italienische Steuerlast ist im europäischen Maßstab einmalig. So werden Unternehmensgewinne in Italien mit 65,8 % besteuert. Der Durchschnitt in der EU liegt bei 44,3 %.

Zum Abschluss noch eine Berufsempfehlung. Um 136.000 Dollar jährlich zu verdienen, muss man laut einem Artikel des englischen Economist vom August 2014 Direktor einer erfolgreichen, britischen  hightech Firma werden oder der Governor eines amerikanischen Bundesstaats oder …………………………

Italienischer Parlamentsdiener. Das einzige Risiko dabei ist, dass er in seiner reich dekorierten Livree Botschaften von einem Parlamentarier zum anderen bringend, bei Parlamentsschlägereien eventuell ein blaues Auge davonträgt.

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