Wahlkampf in Italien: Die Rückkehr des Kapitäns

DIE RÜCKKEHR DES KAPITÄNS

von Peter Weber

Es war ein trüber Januarmorgen, als die Hafenarbeiter an der Mole der Insel Giglio eine schemenhafte Gestalt erblickten, deren Umrisse ihnen merkwürdig vertraut vorkamen. Im ersten Schreck glaubten sie wohl, es handele sich um einen Geist, den Wiedergänger einer Person, die sie kaum ein Jahr zuvor mit Schimpf und Schande von der Insel gejagt hatten in der begründeten Hoffnung, ihr zumindest an diesem Ort nie mehr zu begegnen.
„Kapitän Schettino!“ murmelten die Männer wie versteinert, „Er ist zurück!“
„Ja, ich bin wieder da,“ gab der Kapitän streitlustig zurück, „und keine Minute zu spät, wie ich sehe!“
Bei diesen Worten ließ er seinen Blick zu dem traurigen Relikt schweifen, das an der Hafeneinfahrt um 160° geneigt auf der Seite lag. Manche Aufbauten verrieten immer noch den einstigen Glanz des Luxusliners, aber eine klaffende Wunde backbords unter der Wasserlinie verkündete unmissverständlich, was den stolzen Giganten zu Fall gebracht hatte. Kräne und Rampen im Wasser gaben Zeugnis von den komplizierten und sicher sehr kostspieligen Bergungsarbeiten.
„Was habt ihr nur mit meinem schönen Schiff gemacht?“ fragte Schettino mit theatralischer Geste.

Er hatte wieder seine Kapitänsuniform angelegt und trug die Mütze unter dem Arm. Seine schwarz gefärbten Locken waren sauber gescheitelt, und auch sonst war sein Auftritt in jeder Hinsicht so schneidig wie vor Jahr und Tag. Eingeschüchtert drängte sich die Hafenmannschaft um ihren Vorarbeiter, der vorsichtig den Mund öffnete, um eine Antwort zu wagen, doch Schettino kam ihm zuvor.
„Keine fünf Minuten kann man euch alleine lassen, und schon produziert ihr nichts als Unheil!“ rief er in vorwurfsvollem Ton. Die trotz der winterlichen Jahreszeit sonnenverbrannten Gesichtszüge formten ein tiefgefrorenes Lächeln, das blitzend seine Zähne entblößte.
„Aber Ihr habt das Schiff doch selber steuerlos treibend vor unserer Hafeneinfahrt auf Grund gesetzt,“ entgegnete der Vorarbeiter tapfer.
„Ja, im tiefen Wasser wäre es unweigerlich abgesoffen,“ ergänzte einer der Kranführer.

Schettino schnappte nach Luft. „Ich? Ich hätte mein Schiff auf Grund gesetzt? Das ist ja eine Ungeheuerlichkeit! Solange ich auf der Brücke das Kommando führte, hatten wir alles unter Kontrolle. Das bisschen Seitenlage war gewiss kein Grund zur Besorgnis. Nicht bei so einem beschlagenen Kapitän wie mir!“
„Warum habt ihr das Schiff dann verlassen?“ fragte der Vorarbeiter.
„Das war ein großzügiger Akt der Verantwortung. Ich habe mich geopfert, um den übrigen Offizieren ein leuchtendes Beispiel zu geben. Durch diese Opferbereitschaft habe ich mir höchste Anerkennung verdient.“
„Wieso war das denn notwendig, wenn es nach Ihren Worten doch gar keinen Grund zur Beunruhigung gab?“
„Weil auf der Brücke alles drunter und drüber ging.“ erklärte Schettino unbeirrt. „Jeder machte, was er wollte und tat so, als ob ich gar nicht da wäre.“
„Dann wäre es Ihre Aufgabe gewesen, die Offiziere anzuweisen und die Ordnung wiederherzustellen!“
„Das habe ich ja versucht, aber als Kommandant hat man leider gar keine Machtmittel,“ rechtfertigte sich Schettino. „Ihr könnt euch gar nicht vorstellen, wie lange es dauert, auch nur einen Befehl umzusetzen! Ich gebe glasklare Anweisungen, aber während meine Offiziere sie an die Mannschaft weiterleiten, wird alles solange zerredet, bis nichts mehr davon übrig ist.“
„Das verstehe ich nicht, wo doch alle nur Eurem Kommando unterstellt sind.“

Da sie merkten, dass der Kapitän ihnen keine weiteren Vorwürfe machte und stattdessen bereitwillig Rede und Antwort stand, legten die Arbeiter ihre Hemmungen ab und brachten reihum alle Zweifel vor, die sich während der langwierigen Bergungsarbeiten in ihren Hirnwindungen eingenistet hatten. „Die Offiziere und Matrosen habt Ihr doch auch größtenteils selber ausgesucht.“
„Ja, schon, aber dann hat sich mein erster Offizier gegen mich verschworen und jeden meiner Befehle durchkreuzt,“ kam die nächste Ausrede. „Während wir unser Bestes gaben, hat er immer dagegen gearbeitet.“
„Vielleicht habt Ihr bei der Auswahl doch keine so gute Hand gehabt?“
„Ganz ausgeschlossen! Aber es ist schon ziemlich unverständlich, was ihn dazu getrieben hat. Ja, wenn ich mehr Macht hätte, … aber so wie es jetzt steht, kann ich kaum den Kurs vorgeben, und dann arbeitet doch jeder wieder auf eigene Rechnung.“
„Seltsam, dass sich von den anderen Schiffsführern kein einziger auf derart jämmerliche Weise beklagt…“

DIE MEINUNGEN ÜBER SEIN TALENT SIND GETEILT

„Es ist doch völlig klar, dass ein Schiff unter solchen Umständen ganz unregierbar ist!“ resümierte Schettino von allen Einwänden unberührt.
„…oder dass sein Kommandant doch nicht so fähig ist, wie er immer vorgibt!“ warf der Kranführer ein, der von allen den frechsten Eindruck machte.
„Wo denkt ihr hin? Niemand hat größere Erfahrung als ich!“ rief der Kapitän entrüstet.
„Wenn Ihr Euch nach so langer Zeit immer noch beklagt, könnte man aber auch zu dem Schluss kommen, dass Ihr leider völlig ungeeignet für diesen Beruf seid.“
„Undenkbar! Es steht außer Zweifel, dass ich der Fähigste bin. Das beweist auch die Tatsache, dass ihr in den vergangenen zwölf Monaten keinen besseren gefunden habt, um das Schiff wieder flott zu kriegen. Darum bin ich zurückgekommen. Aber bevor ich wieder das Kommando übernehme, will ich als erstes eine grundlegende Reform zur Stärkung meiner Befehlsgewalt.“
„Ihr wollt wieder ein Schiff kommandieren?“ fragte der Vorarbeiter verblüfft.
„Natürlich. Ich habe gehört, dass die Stelle frei ist. Ich dränge mich aber nicht, und deshalb habe ich zuerst überall unter meinen Freunden nach einem qualifizierten Nachfolger gesucht. Wenn ich einen gefunden hätte, würde ich mich auch gerne mit der Rolle des Steuermanns zufrieden geben, denn davon verstehe ich ja mindestens genauso viel. Aber leider gibt es keinen mit auch nur annähernd ähnlicher Erfahrung. Da meine Qualitäten so einzigartig sind, muss ich die Bürde jetzt wohl oder übel wieder auf mich nehmen.“
„Wer hat Sie dazu beauftragt? Niemand hat Sie gerufen!“
„Man hat mir gesagt, ich soll meinen Platz an Bord wieder einnehmen, und da bin ich!“
„Mit zwölf Monaten Verspätung!“
„Besser spät als nie! Macht Platz auf der Brücke! Kapitän Schettino ist wieder da!“

Bei diesen Worten suchte er die vordersten Arbeiter zur Seite zu drängen, um sich den Weg zur Bordwand freizukämpfen, das heißt, genau genommen, zum Oberdeck, das hinter der Hafenmannschaft beinahe senkrecht in den Himmel ragte.
„Kapitän, die Brücke ist um 160° geneigt. Das Schiff liegt seitlings auf dem Meeresgrund. Habt ihr es nicht im Fernsehen gesehen?“
„Im Fernsehen erzählen sie nur Lügen, glaubt mir, da kenne ich mich aus! Aber ich merke schon: Hier bin ich wieder an die üblichen Bedenkenträger geraten. Bisher habt ihr mir immer nur die gleichen unfairen Fragen gestellt, die euch von befangenen Staatsanwälten und kritischen Journalisten eingeflüstert wurden. Ihr seid auch nicht besser als meine Offiziere: lauter Kommunisten, mit denen wir niemals auch nur den mindesten Fortschritt erzielen würden. Die meisten noch zu dumm, um sich über das Fallreep in Sicherheit zu bringen!“
„So geben Sie es zu, dass Sie sich in der Nacht der Katastrophe aus dem Staub gemacht haben?“
„Verleumdungen! Nichts davon ist wahr. Das ist nur die übliche Taktik der Kommunisten. Aber die Leute kennen mich und werden nichts davon glauben. Nach allem, was ich in meinem Leben geleistet habe, ist das völlig undenkbar!“ schrie Schettino mit hochrotem Kopf und machte Anstalten, auf die Reling zu klettern.

„Kapitän, es ist wirklich gefährlich an Bord!“ suchte ein herbeigeeilter Hafenpolizist zu beschwichtigen. „Ihr könnt auch gar nichts ausrichten, solange das Schiff nicht flott ist.“
„Dann trotze ich der Gefahr!“ entgegnete Schettino kühn.
„In der Katastrophennacht schienen Sie weit weniger mutig,“ erinnerte ihn der Kranführer.
„Ja, glaubt nur den Journalisten im Fernsehen!“ entgegnete Schettino. „Solange ich die Sache unter Kontrolle hatte, gab es nicht die geringste Gefahr! Nur ein winziges Leck!“
„Warum ist das Schiff dann gekentert, Kapitän?“
„Weil diejenigen, die nach mir gekommen sind, die falschen Entscheidungen getroffen haben! Ich habe sie gewarnt, aber sie wollten ja nicht auf mich hören.“

ER SELBST FINDET SICH GENIAL

„Ihr meint, dass Euch persönlich keine Schuld an dem Unglück trifft?“
„Nicht im geringsten. Solange ich am Ruder stand, lagen wir voll auf Kurs. Aber dann gab es diese internationale Verschwörung gegen Italien. Die deutschen Passagiere haben sich mit den Franzosen abgesprochen und das Schiff zum Kentern gebracht.“
„Warum hätten sie das tun sollen?“
„Weil sie nur auf eine Gelegenheit warteten, mich loszuwerden,“ kam die Antwort im Brustton der Überzeugung, „weil ich die italienischen Interessen so geschickt zu verteidigen wusste und alle anderen in Europa nur mich um Rat fragten.“
„Nach dem, was wir gehört haben, waren aber Sie es, der SOS funkte und den europäischen Rettungsdienst um Hilfe bat.“
„Unsinn, dazu gab es keinen Anlass.“
„Wieso waren dann alle zur Stelle, um dem Havaristen beizustehen? Wenn man nicht in Not ist, fordert man keine teure Rettungsaktion an.“
„Daran kann ich mich nicht erinnern.“

„Weil Ihr Euch zu der Zeit mit der Moldawierin vergnügtet! Um Euch zu brüsten, habt Ihr sogar verbreitet, sie stamme in Wirklichkeit aus Ägypten und sei die Nichte eines hochrangigen Politikers,“ tadelte der Vorarbeiter, der über diese Episode offenbar besonders gut informiert war. Auch die anderen Arbeiter schienen bei der Erwähnung aufzuhorchen.
„Wieso habt Ihr so einen Narren an dem Mädchen gefressen?“ wollten sie wissen.
„Ich musste doch glauben, was sie mir sagte. Und weil jedermann weiß, wes Geistes Kind diese Moslems sind, wollte ich ein Auge auf sie halten, damit sie sich nicht prostituiert, das heißt, wenigstens nicht mit andern! Nur aus diesem Grund, aus reiner Großherzigkeit, habe ich ihr Geld gegeben. Alles andere ist gelogen, denn so, wie ich aussehe, habe ich es kaum nötig, die Frauen für ihre Liebesdienste zu bezahlen. Ich versichere, dass ich nur einen eleganten Abend gefeiert habe. Das wird einem Mann in meinem Alter ja wohl noch vergönnt sein.“
„Dadurch waren Sie aber anscheinend so abgelenkt, dass Sie nicht gemerkt haben, wie das Schiff aus dem Ruder lief und kenterte.“
„Das ist jetzt ganz ausgeschlossen, weil ich seit einem Monat wieder eine feste Verlobte habe, ein sehr hübsches Mädchen, übrigens…“

Die Arbeiter hätten wohl gern noch mehr über die neue Verlobte des Kapitäns erfahren, und einer fragte, ob er ein Foto dabei habe, aber der Kranführer ließ sich nicht ablenken. „Eure Helfer fanden es besonders befremdlich, dass Ihr sie erst zum teuren Rettungseinsatz rieft und dann bis zuletzt jede Gefahr abgestritten habt.“
„Diese so genannten Helfer waren ja die eigentlichen Urheber des Komplotts.“ reagierte der Kapitän mit einer Geste der Verachtung. „Aber ich bin ihnen entgegengetreten und habe ihnen klargemacht, dass ein italienisches Schiff so schnell nicht untergeht.“
„Gelten da etwa andere Naturgesetze?“
„Das vielleicht nicht, aber bei uns wird anders gerechnet. So musste ich unseren europäischen Freunden erst einmal beibringen, dass ein großer Teil unseres Schiffes unsichtbar unter Wasser liegt. Auch wenn diese Decks von der Mafia kontrolliert und nur für illegalen Schmuggel genutzt werden, müssen sie doch genauso berücksichtigt werden wie der Bereich der zahlenden Fahrgäste.“
„Was nützt das, wenn das Schiff zu kentern droht?“
„Gütiger Gott, ist das immer noch nicht klar? Wenn wir das gesamte Volumen der irregulären Frachträume in unsere Rechnung einbeziehen, sinkt der durch den Wassereinbruch überflutete Teil von 130% auf 90%.“
„Das Schiff geht trotzdem unter.“
„Nicht eher als alle anderen. Das musste ich ihnen erst einmal klarmachen!“

ALLE ANDEREN FINDEN IHN UNBESCHREIBLICH

„Während es an allen Ecken und Enden brannte, habt Ihr unerbetene Lehrstunden erteilt?“
„Sicher, alles im Interesse der italienischen Schifffahrt. Das wollte den Deutschen und Franzosen so gar nicht schmecken. Selbst die Spanier hatten etwas auszusetzen. Dabei war es nur zu ihrem Besten gemeint.“
„Verständlich. Es war ja auch ein zweifelhaftes Vergnügen und konnte sie teuer zu stehen kommen. Die Uhr tickte, und das Wasser stand bereits bis zur Halskrause.“
„Na und? Schauen Sie sich doch um, meine Herren!“ entgegnete Schettino mit triumphaler Geste. „Vor Ihnen liegt der unumstößliche Beweis, dass ich recht hatte. Allen Unkenrufen zum Trotz ragt unsere schöne Concordia immer noch aus dem Wasser!“
„Ja, weil inzwischen alle geeigneten Maßnahmen ergriffen wurden, um ein weiteres Abrutschen zu verhindern.“
„Unsinn! Diese so genannten Rettungsmaßnahmen haben die Lage nur noch verschlimmert. Sobald ich wieder das Kommando habe, werden wir alles rückgängig machen.“
„Das wird die Gesellschaft vielleicht verhindern wollen. Immerhin hat Ihr Schiffbruch sie ein Heidengeld gekostet. Eine Schadensersatzklage…“ Der Vorarbeiter hätte wohl gerne eine lange Rechnung aufgestellt, um dem Kapitän die Summe seiner Verfehlungen vorzuhalten, aber Schettino ließ ihn gar nicht ausreden.

„Schon wieder diese Verleumdungen!“ fuhr er heftig dazwischen. „Es gibt gar keinen Grund, mich mit Prozessen zu überziehen, denn die Gesellschaft hat durch mich überhaupt keinen Schaden erlitten. Im Gegenteil: Dank meiner unermüdlichen Bemühungen steht sie heute besser da als je zuvor. Schauen Sie sich nur dieses Prachtschiff an!“
„Ein Wrack an einer Leeküste!“
„Ach was! Warum müssen Sie immer nur halbleere Gläser sehen? Ich denke, das haben Sie auch von diesen kommunistischen Schwarzmalern in Presse und Fernsehen gelernt.“
„Eine gewisse Schlagseite werden selbst Sie nicht leugnen können, Herr Kapitän.“
„Sicher, aber das sind doch Kleinigkeiten, die wir in den Griff bekommen können. Wozu sind wir Italiener? Ich sage: Alles Wesentliche ist noch da, und auf der Backbordseite ist es sogar trocken. Den Rest biegen wir schon wieder gerade.“
„Und das Leck?“
„Etwas Spachtel und frischer Lack, dann wird bald keiner mehr vermuten, dass da irgendwann mal etwas war!“
„Und Sie denken, so kriegen Sie das Schiff wieder flott?“
„Jedenfalls schneller als alle, die in den vergangenen Monaten hier herumgemurkst haben,“ rief der Kapitän mit funkelnden Augen. Sein unbeirrbarer Kampfeswille hatte zweifellos etwas Mitreißendes.

„Sollten Sie nicht besser den Ausgang Ihres Prozesses abwarten, bevor Sie sich erneut für so eine schwere Aufgabe bewerben?“ warf der Hafenpolizist ein. „Immerhin riskieren Sie eine definitive Verurteilung, die Ihnen eine Rückkehr auf die Kommandobrücke endgültig versperren würde.“
„Unsinn! Diese Richter sind ja nicht ganz richtig im Kopf. Sie haben ihr Urteil schon vorher ausgekungelt. In der Revision wird das keinen Bestand haben. Sonst müssen wir eben wieder die Gesetze ändern.“
„Nicht schon wieder! Erst müssen wir uns um das Schiff kümmern!“
„Ganz richtig! Dazu sage ich, das einzige, was hier fehlt, ist der Optimismus. Und darum bin ich auch der einzige, der euch aus dieser Bredouille wieder herausführen kann!“
„Und Sie meinen, dass wir das ganz allein ohne die fremden Abwracker wieder hinbekommen, Herr Kapitän?“ fragte einer der Hafenarbeiter, der bisher noch gar nicht gesprochen hatte.
„Ja, wir Italiener schaffen alles, wenn wir nur wollen. Ganz gewiss unter der genialen Führung eines ausgebufften Kommandanten wie mir!“

Schettino stellte sich breitbeinig vor der Hafenmannschaft auf und blickte jedem einzelnen herausfordernd in die Augen. Die Arbeiter schauten unentschlossen von einem zum andern.
„Nun, die Aussichten sind vielleicht nicht die besten,“ erwog zögernd der Kranführer, dessen Züge seine innere Zerrissenheit spiegelten, „aber viel schlimmer kann es eigentlich auch nicht mehr kommen.“
„So ist es. Vielleicht könnten wir ihm doch noch einmal eine Chance geben?“ fragte der Vorarbeiter in die Runde.
„Ja, tut das! Ihr seid echte Patrioten und werdet es nicht bereuen,“ versprach Schettino. „Und jetzt helft mir wieder auf die Planke, Männer!“
Während die Hafenarbeiter ihn auf die Seitenwand des Oberdecks hievten, kam ihnen der Kapitän merkwürdig leicht vor. Als sie seinen Fuß auf das Deck setzten, bemerkten sie, dass er versteckte Plateausohlen trug. Auch sein dichtes Haar war nur vorgetäuscht und bestand lediglich aus ein paar Strähnen, die mit schwarzer Pomade am Kopf festgeklebt waren.
„Danke, Männer!“ sagte der Kommandant und reckte seinen ledernen Schildkrötenkopf in den Wind. „Der alte Kurs liegt an. Kappt die Haltetrossen, und dann volle Kraft voraus!“



								
				

			

One Response to “Wahlkampf in Italien: Die Rückkehr des Kapitäns”

  1. pozyczka sagt:

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