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Die bedauernswerte Statue von Umberto Saba in Triest

Umberto Saba, der 1883 in Triest geboren wurde und 1957 in Görz verstarb, gehört vor allem wegen seiner beiden Gedichtbände „Il Canzoniere“ und „Das zerbrochene Glas“ zu den wichtigeren italienischen Schriftstellern des 20. Jahrhunderts und ist neben Italo Svevo sicherlich die bedeutendste Feder italienischer Sprache in Triest. Als unsere Stadtregierung vor mehr als 10 Jahren entschied, einige fast lebensgroße Statuen bedeutender Triester Schriftsteller in der Stadt aufzustellen, wurden drei auserkoren. Unser Saba, der schon genannte Italo Svevo und James Joyce. Letzterer, weil er mit kleinen Unterbrechungen von 1904 bis 1920 fast 16 Jahre in der Stadt lebte.
Doch kommen wir zurück zu Saba und dem leidvollen Schicksal seiner Statue. Saba war in seinen späteren Jahren bekannt dafür, dass er fast nie ohne Spazierstock und Pfeife die Stadt durchstreifte. Selbstverständlich durfte diese beiden Markenzeichen Sabas bei der Anfertigung der Statue nicht fehlen, doch leider haben Vandalen diese zur beliebten Zielscheibe genommen. Der Spazierstock wurde bislang viermal zerbrochen, die Pfeife dreimal gestohlen. Die Pfeife wurde daher 2015 mit einer speziellen Anti-Vandalen-Restaurierung an die Manteltasche geschweißt. Aber alles vergeblich. 2016 war die Pfeife wieder weg und im Juli dieses Jahres der Spazierstock. Er lag zertrümmert neben dem Träger.
Lesen wir jetzt lieber eins der schönsten Gedichte Sabas über Triest. Zumindest dieses bleibt hoffentlich für immer unzerstört.

Triest

Ich habe die ganze Stadt durchstreift,
dann stieg ich auf eine Anhöhe,
da war viel Volk zuerst, dann aber Stille.
Ein niedriges Gemäuer schließt mich
in einen Winkel, dort allein zu sein.
Und mir warʼs, als umschlössen diese Mauern
die ganze Stadt.
Triest ist von einem ruppigen
Charme. Je nach Gusto,
wie ein Gassenjunge derb und gierig,
mit himmelblauen Augen und Händen, zu groß,
eine Blume darzureichen,
wie eine Liebe
voller Eifersucht.
Von diesem Ausguck liegt vor mir jede Kirche,
jeder Weg, ob er zum überfüllten Strand geht
oder auf die Bergeskuppe, der sich, auf steinernem
Kamm, ein Haus, das letzte, anschmiegt.
Rings
umweht ein jedes Ding
eine fremde Luft, eine beklemmende Luft,
die Luft der Heimat.
Meine Stadt, in jeder Faser lebensprall,
hat eine Nische mir bereitet, meinem Leben,
grüblerisch und scheu.

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