Geschichten über meine Geliebte

Geschichten über meine Geliebte

Seit über zwei Jahren ist meine Geliebte mir treu. Für meine Verhältnisse ein recht langer Zeitraum, und auch ich habe sie in diesen zwei Jahren kein einziges Mal betrogen. Dass dürfte an ersten Linie wohl an ihrem phänomenalem Aussehen liegen, denn mit dem Reden hat sie es nicht so. Besonders ihre formschönen Rundungen haben es mir angetan. Dass diese auf dem Boden aufsetzen, war freilich etwas gewohnheitsbedürftig, aber es ging dann doch recht schnell. Dazwischen liegt ein quasi perfektes Dreieck, das mit seiner schwarzroten Farbgebung die schönsten Erwartungen in mir weckt. Der tiefrote Farbton verspricht Feuer, Leidenschaft und Draufgängertum, während das Schwarze Treue bis in den Tod, aber gleichzeitig auch Freiheit und ein Quäntchen Anarchie verheißt. Letzteres mag widersprüchlich klingen, aber es geht hier um meine Assoziationen, und die verlaufen ganz selten gradlinig.

Der Kopf ist recht edel gebogen, die Nase gerade, vielleicht ein ganz klein wenig zu lang, der Mund ist fast gar nicht vorhanden, aber dafür sind die Augen ein Kapitel für sich. Das linke leuchtet besonders am Abend mit intensiven weißen Strahlen, während das rechte eher zusammengekniffen bleibt und bisweilen komische Klingelgeräusche von sich gibt. Ja, Sie haben richtig gelesen, das Auge klingelt bisweilen, besonders wenn Gefahr oder Hindernisse im Verzug sind. Wer kann sich mit so einem Auge brüsten außer meiner Geliebtin Erna?

Am schönsten ist es natürlich, wenn ich auf ihr reiten darf. Das tue ich fast täglich und oft stundenlang, denn sie sagt nie Nein und lässt alles mit sich geschehen. Der einzige Nachteil: Es muss unbedingt im Freien geschehen, aber sonst ist sie nicht weiter wählerisch. Ob auf offener Straße, im tiefsten Wald oder auf dem belebten Hauptplatz unseres kleinen Städtchens, überall darf ich sie besteigen. An diesem Punkt dürften meine meisten männlichen Leser vor Neid erblasst sein und würden mir meine Geliebte liebend gern ausspannen wollen. Da gab es übrigens schon einen Versuch, aber davon erzähle ich ein anderes Mal. Jetzt muss ich aber erstmal in den Keller zu meiner Erna. Sie will wieder ausgeführt und bestiegen werden. Liebste Erna, süßes Mountainbike, ich komme!  

Leave a Reply