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Die bedauernswerte Statue von Umberto Saba in Triest

Umberto Saba, der 1883 in Triest geboren wurde und 1957 in Görz verstarb, gehört vor allem wegen seiner beiden Gedichtbände „Il Canzoniere“ und „Das zerbrochene Glas“ zu den wichtigeren italienischen Schriftstellern des 20. Jahrhunderts und ist neben Italo Svevo sicherlich die bedeutendste Feder italienischer Sprache in Triest. Als unsere Stadtregierung vor mehr als 10 Jahren entschied, einige fast lebensgroße Statuen bedeutender Triester Schriftsteller in der Stadt aufzustellen, wurden drei auserkoren. Unser Saba, der schon genannte Italo Svevo und James Joyce. Letzterer, weil er mit kleinen Unterbrechungen von 1904 bis 1920 fast 16 Jahre in der Stadt lebte.
Doch kommen wir zurück zu Saba und dem leidvollen Schicksal seiner Statue. Saba war in seinen späteren Jahren bekannt dafür, dass er fast nie ohne Spazierstock und Pfeife die Stadt durchstreifte. Selbstverständlich durfte diese beiden Markenzeichen Sabas bei der Anfertigung der Statue nicht fehlen, doch leider haben Vandalen diese zur beliebten Zielscheibe genommen. Der Spazierstock wurde bislang viermal zerbrochen, die Pfeife dreimal gestohlen. Die Pfeife wurde daher 2015 mit einer speziellen Anti-Vandalen-Restaurierung an die Manteltasche geschweißt. Aber alles vergeblich. 2016 war die Pfeife wieder weg und im Juli dieses Jahres der Spazierstock. Er lag zertrümmert neben dem Träger.
Lesen wir jetzt lieber eins der schönsten Gedichte Sabas über Triest. Zumindest dieses bleibt hoffentlich für immer unzerstört.

Triest

Ich habe die ganze Stadt durchstreift,
dann stieg ich auf eine Anhöhe,
da war viel Volk zuerst, dann aber Stille.
Ein niedriges Gemäuer schließt mich
in einen Winkel, dort allein zu sein.
Und mir warʼs, als umschlössen diese Mauern
die ganze Stadt.
Triest ist von einem ruppigen
Charme. Je nach Gusto,
wie ein Gassenjunge derb und gierig,
mit himmelblauen Augen und Händen, zu groß,
eine Blume darzureichen,
wie eine Liebe
voller Eifersucht.
Von diesem Ausguck liegt vor mir jede Kirche,
jeder Weg, ob er zum überfüllten Strand geht
oder auf die Bergeskuppe, der sich, auf steinernem
Kamm, ein Haus, das letzte, anschmiegt.
Rings
umweht ein jedes Ding
eine fremde Luft, eine beklemmende Luft,
die Luft der Heimat.
Meine Stadt, in jeder Faser lebensprall,
hat eine Nische mir bereitet, meinem Leben,
grüblerisch und scheu.

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Anschlag in Dortmund und italienische Verschwörungstheorie

Der Anschlag in Dortmund ist weitgehend ein Rätsel. Kein vernünftiger Mensch kann sich bislang einen Reim darauf machen. Anders in Italien, das freilich zumeist nur sehr oberflächlich über die innerdeutschen Zustände informiert ist. Hier erhält die folgende Verschwörungstheorie raschen Zulauf.
Der Anschlag sei erst der Auftakt für eine ganze Reihe weiterer. Auch die Opfer stehen schon fest, nämlich die Mannschaftsbusse von der RB Leipzig, TSG Hoffenheim, Hertha BSC und HSV. Drahtzieher des Anschlags keine anderen als Franz Beckenbauer und Ulli Hoeness. Ziel des Terrors: Alle potentiellen Konkurrenten von Bayern München präventiv auszuschalten. Also ein Projekt, das schon auf die fernste Zukunft projiziert ist.
Sollten Geheimdienste wegen der Reizwörter Anschlag, Terror, Drahtzieher oder Beckenbauer auf diesen Text aufmerksam werden, bitte ich sie, diese Spur ernsthaft zu verfolgen. Es könnte etwas Wahres daran sein. Warum freilich der HSV auf der Liste steht, überfragt auch mich. Doch ich sprach ja eingangs schon davon, dass man in Italien nur sehr oberflächlich über die Lage in Deutschland Bescheid weiß.

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Deutsch in russisch und serbisch

Eine Reihe von deutschen Wörtern haben Eingang in andere Sprachen gefunden. Wir picken uns heute drei heraus, zwei im russischen und eins im serbischen.

– buterbrod. Dies ist noch recht einfach verständlich, hat freilich seine Bedeutung gewechselt, denn es ist im russischen kein nur mit Butter bestrichenes Brot sondern ein belegtes Brot.

– parikmaher. Auch hier versteht man rasch, dass es sich um einen Perückenmacher handeln sollte. Im russischen bezeichnet dieses Wort heute freilich alle Haarschneider.

– schnupftihel. Dieses Wort ist im Serbischen nur noch den älteren Generationen geläufig und bezeichnet das Taschentuch. Es wird allerdings heute zumeist durch maramica ersetzt.

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Ein folgenreiches Versehen

Ein Tourist mit seinen Trolley, der auf der Suche nach dem Bahnhof in einer großen Stadt zufällig in eine große Demonstration gerät. Hilflos läuft er auf die Polizeiabsperrung zu. Als die Polizisten den aufgeregt heranstürmenden Mann mit seinem Trolley sehen, denken sie, er habe eine Bombe dabei und fliehen alle hals über kopf. Damit wird der Tourist auf einmal zum Held der Demonstranten, die ebenfalls denken, dass er ihre Sache vertritt. Der Fremde – eigentlich ganz konservativ und gewaltlos – versteht die Sprache der Einheimischen nicht und auch nicht, was wirklich vorgefallen ist. Er winkt hilflos ab. Dass hält die Demonstranten nicht davon ab, den Fremden auf ihre Schultern zu heben und in einem Jubelzug durch die Menge zu tragen Darüber eine Geschichte schreiben, wobei sich das Missverständnis am Ende auf überraschende Weise lösen müsste.

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Rauchen auf Raten

Mein Kampf mit den Zigaretten oder besser mit denselben aufzuhören, nimmt immer skurrilere Züge an. Schon vor einem Jahr kaufte ich eine E-Zigarette mit dem festen Vorsatz, das Rauchen von nun an auf die E-Zigarette zu beschränken. Dies gelang mir am Anfang für 1-2 Wochen, doch dann wurde ich sofort wieder rückfällig. Den nächsten ernsthaften Versuch unternahm ich im letzten Herbst, und es sollte mir dann wirklich gelingen, fast zwei Monate nur auf der E-Zigarette herumzunuckeln. Dieser Erfolg war vor allem dem Umstand zu verdanken, dass ich keine Zigaretten mehr kaufte. Und wie jeder weiß, sind keine Zigaretten im Haus, wird es mit dem Rauchen auch nichts. Dies hinderte mich freilich nicht daran, bei jeder erstbesten Gelegenheit nach Zigaretten zu schnorren, also immer wenn ich meinen vier Wänden den Rücken kehrte. Freunde und Bekannte zeigten sich recht kooperativ, und die Bitte um einen Glimmstengel wurde mir nie verweigert. Bei wildfremden Menschen war dies schon etwas schwieriger. Doch eingedenk des eigentlich weltweiten verbrieften Gebots, auch dem zum Tode Verurteilten den Wunsch nach seiner letzten Zigarette zu erfüllen, ließen mich nur sehr wenige abblitzen. Freilich ist das Schnorren allein schon recht peinlich, und wird man dann wie ein Penner abgewiesen, kommt auch wenig Freude auf.

Wie gesagt, mir dessen wohl bewußt, dass es für eingefleischte Raucher eigentlich nur diese eine Lösung gibt, nämlich den Nichtkauf der Zigeretten, habe ich folgende Kompromisslösung ausgeklügelt. Ich ging heute ins Tabakladen, kaufte eine Schachtel, entnahm zwei Zigaretten und deponierte die Schachtel, versehen mit meinem Namen, im Laden. Will ich also mehr als zwei Sargnägel rauchen, muss ich den fast 1 km langen Weg zum Laden zurücklegen. Da die kleinen Läden in Italien auch noch recht rigorose Öffnungszeiten haben und in der Regel von 13-16 Uhr geschlossen sind, ist mein Handlungsspielraum begrenzt. Was sich zum Beispiel jetzt um 21 Uhr, wo ich diesen Text gerade schreibe, deutlich bemerkbar macht. Zum Glück steht aber eine Flasche Wein neben mir. Doch da fällt mir ein, dass ich mit dem Wein wohl genauso vorgehen sollte. Freilich muss ich in dem Fall noch das Transportproblem lösen.

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Only nature

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The man is a trump

Man muss den Mann psychotherapeutisch betrachten. Man denke an seine Schulzeit. Mit diesem Namen: Donald Trump. Bei Donald denkt man automatisch an Donald Duck. Entsprechend watschelt er und pustet sich auf. Und dann erst Trump. „Trump come here“. Oder riefen sie bump oder vielleicht auch tramp. Und das 10 Jahre lang. Der Mann hat Minderwertigkeitskomplexe und leider noch heute darunter. Man sollte versuchen, ihm dies vorsichtig beizubringen. Doch ob es helfen wird, ich habe große Zweifel….

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Fast eine Liebesgeschichte

Es war einmal eine noch einigermaßen junge russische Frau, die nach Montegro fährt und dort einen nicht mehr einigermaßen jungen deutschen Mann trifft. Sie verliebte sich nicht. Das ist die ganze Geschichte.

Für Daniil Charms.

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Ein revolutionärer Vorschlag zum Austragungsort der Olympischen Spiele

Die neue Stadtregierung von Rom, geführt von der zur 5-Sterne-Bewegung gehörenden Vorginia Raggi, hat gestern Ihr endgültiges Nein zu Rom als Austragungsort der Olympischen Sommerspiele 2024 gesagt. Heute hörte ich in einer bekannten italienische Radiosendung folgenden revolutionären Vorschlag für einen neuen Austragungsort: der Vatikan.

Auch die Begründung erscheint logisch: Der Staat hat Null-Schulden und der Austragungsort für alle Langstreckenrennen stünde auch schon fest: Die ca. 300 qm große Dachgeschosswohnung des  römischen Kardinals Tarcisio Bertone mit einem Superausblick auf den Petersplatz!

Übrigens: Der neapolitanische Bürgermeister hat als Austragungsort nun auch Neapel ins Spiel gebracht. Dafür haben findige Köpfe schon neue olympische Sportarten für Neapel vorgeschlagen:

– Ein Rennen zur Einkassierung von Bestechungsgeldern

– Wettkampf im Fälschen

– Pizzawerfen.

Kurzum: Hier sind der Phantasie sind keine Grenzen gesetzt!

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Bin ich moralisch oder bin ich unmoralisch?

Kurz zu dem Hintergrund. Ich habe für den Neffen eines Geschäftspartners vor einiger Zeit eine Modeschau organisiert. Der Geschäftspartner schuldet mir noch aus vorhergehenden Verpflichtungen einen Betrag von Euro 794. Für diese Modeschau wurde u.a. ein Fotograf, geradezu ein Künstler, der wunderschöne Fotos macht, engagiert, mit dem Auftrag, eine DVD über die Schau zu erstellen. Dies ist auch geschehen, und der Neffe, freilich auch der Juniorchef der in den Konkurs gegangen Firma, hat die Kosten dafür bezahlt. Trotzdem weigere ich mich bislang diese DVD herauszurücken. Dazu nun unser Schriftwechsel.

Der Sohn: Was den Endbetrag von EUR 794 betrifft kann ich Dir nur mitteilen das sich die Firma meines Onkels  im Konkurs befindet. Die Forderung müsste dann über den Masseverwalter angemeldet werden, ich habe aber keinerlei Erfahrung damit (Gott sei Dank). Wie auch immer wird es die Firma X. in dieser Art und Weise nicht mehr geben in Zukunft. Ich muss mir einen neuen Job suchen den ich hoffentlich alsbald finde.

Ich: Du bist jung, und Du wirst sicherlich Deinen Weg machen. Meiner Meinung machst Du Dir es freilich etwas zu einfach in dieser Sache. Du warst der Juniorchef und hast damit auch einen Teil der Verantwortung zu tragen. Dabei muss ich das Interesse meiner Firma vor Augen haben, und ich habe immer klar gemacht, dass wir Deine Hochzeit vor dem Hintergrund der Zusammenarbeit mit der Firma X. organisiert haben und hier einen engen Zusammenhang sehen. Da uns die Firma X. noch Euro 794 schuldet, werden wir von dieser Forderung nicht Abstand nehmen. Wir wollen diese auch nicht irgendeinem Masseverwalter in die Hände geben, weil wir dann aller Voraussicht nach leer ausgehen werden. Das einzige Druckmittel, das wir jetzt noch in der Hand haben – ich darf daran erinnern, dass uns vor der Hochzeit tausendmal versichert wurde, dass unsere Forderung beglichen wird – ist die DVD mit den Fotos zur Modeschau. Wir werden diese erst in dem Augenblick herausrücken, wenn unsere obige Forderung beglichen ist. 

In der Hoffnung, dass Du auch unsere Position verstehen kannst, wünsche ich Dir alles Gute für einen Neuanfang, sodass wir weiter zusammenarbeiten können, und sende freundliche Grüße

Und nun käme der Leser. Wenn er denn da wäre!

 

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Beitrag zu einem einvernehmlichen Projekt

Neuigkeiten von der drittgrößten italienischen Gewerkschaft, der UIL  (Unione italiana del Lavoro = italienische Union der Arbeit). Die Präsidenten dieser Gewerkschaft sowie eine Reihe von Führungskräften haben sich für Luxuskreuzfahrten Zuschüsse aus der Gewerkschaft von jeweils Euro 16.000 zahlen lassen. Obendrauf wurden Euro 7.000 für Schmuckeinkauf bei Swarowski aus der Kasse finanziert. Bei dem Schmuck warten wir noch auf eine schlüssige Begründung, aber für die Kreuzfahrten haben wir diese. Finanzierungsgrund: Beitrag für ein einvernehmliches Projekt (contributo per un progetto condiviso). Das einvernehmliche Projekt sah wichtige gewerkschaftliche Aktivitäten für die Weiterbildung vor. So etwas kann wohl nur den italienischen Gewerkschaftsspitzen einfallen, die von eventuellen Rücktritten natürlich nichts wissen wollen.

 

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Kleine Züge im Genialen

So sollte eigentlich mein neuer Text heißen. Und sicherlich sollte darin nicht von der Eisenbahn die Rede sein. Sondern von mir. Dummerweise habe ich aber vergessen, worum es dabei ging. Fazit: Mit meiner Genialität wird es nicht weit her sein.

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Das Megaprojekt

„Eine Geschichte über eine Frau, die übers Heiraten die Nachnamen berühmter Künstler sammelt: So hieße sie z.B. H. Grass-Regener-Lindenberg-Ganz-Schimmelreiter usw. Alma Mahler-Gropius-Werfel-Kokoschka könnte als Vorbild dienen. Gegebenenfalls könnte man auch einen Mann nehmen, der via Heiraten dasselbe Ziel anstrebt.“

Dies schrieb ich schon 2011, woran mich heute Facebook erinnerte. Die Idee ist weiterhin gut, aber irgendwie peinlich, dass ich noch kein Stück vorwärtsgekommen bin.

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Geschichten über meine Geliebte

Seit über zwei Jahren ist meine Geliebte mir treu. Für meine Verhältnisse ein recht langer Zeitraum, und auch ich habe sie in diesen zwei Jahren kein einziges Mal betrogen. Dass dürfte an ersten Linie wohl an ihrem phänomenalem Aussehen liegen, denn mit dem Reden hat sie es nicht so. Besonders ihre formschönen Rundungen haben es mir angetan. Dass diese auf dem Boden aufsetzen, war freilich etwas gewohnheitsbedürftig, aber es ging dann doch recht schnell. Dazwischen liegt ein quasi perfektes Dreieck, das mit seiner schwarzroten Farbgebung die schönsten Erwartungen in mir weckt. Der tiefrote Farbton verspricht Feuer, Leidenschaft und Draufgängertum, während das Schwarze Treue bis in den Tod, aber gleichzeitig auch Freiheit und ein Quäntchen Anarchie verheißt. Letzteres mag widersprüchlich klingen, aber es geht hier um meine Assoziationen, und die verlaufen ganz selten gradlinig.

Der Kopf ist recht edel gebogen, die Nase gerade, vielleicht ein ganz klein wenig zu lang, der Mund ist fast gar nicht vorhanden, aber dafür sind die Augen ein Kapitel für sich. Das linke leuchtet besonders am Abend mit intensiven weißen Strahlen, während das rechte eher zusammengekniffen bleibt und bisweilen komische Klingelgeräusche von sich gibt. Ja, Sie haben richtig gelesen, das Auge klingelt bisweilen, besonders wenn Gefahr oder Hindernisse im Verzug sind. Wer kann sich mit so einem Auge brüsten außer meiner Geliebtin Erna?

Am schönsten ist es natürlich, wenn ich auf ihr reiten darf. Das tue ich fast täglich und oft stundenlang, denn sie sagt nie Nein und lässt alles mit sich geschehen. Der einzige Nachteil: Es muss unbedingt im Freien geschehen, aber sonst ist sie nicht weiter wählerisch. Ob auf offener Straße, im tiefsten Wald oder auf dem belebten Hauptplatz unseres kleinen Städtchens, überall darf ich sie besteigen. An diesem Punkt dürften meine meisten männlichen Leser vor Neid erblasst sein und würden mir meine Geliebte liebend gern ausspannen wollen. Da gab es übrigens schon einen Versuch, aber davon erzähle ich ein anderes Mal. Jetzt muss ich aber erstmal in den Keller zu meiner Erna. Sie will wieder ausgeführt und bestiegen werden. Liebste Erna, süßes Mountainbike, ich komme!  

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Gedächnisparade

Ich habe erst kürzlich gehört, dass seit 2012 in Russland Gedächtnisparaden stattfinden. Bei diesen Umzügen gedenken die Kinder und Enkelkinder ihrer Väter und Vorväter und Soldaten, die zur Verteidigung des Vaterlands im 2. Weltkrieg gefallen und am Ende den Sieg davon getragen haben. Im Grunde hätte ich nichts dagegen, wenn gleichzeitig auch eine Parade stattfände, wo die nachfolgenden Generationen den Opfern des stalinistischen Gulags gedächten. Erst dann würde der Geschichte wohl Gerechtigkeit widerfahren.

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Der gute Faschist

Ich hatte heute am späten Nachmittag eine Radpanne mit meinem Auto. Eigentlich kein großes Ding würde man sagen, aber bei meinen zwei linken Händen schon. Zum Glück war mein 24 jähriger Sohn mit im Auto, aber eine Radpanne war  für ihn Neuland. Und leider dunkelte  es auch schon. Doch ein zweiter glücklicher Umstand: Die Panne passierte gleich in einer kleinen Ortschaft an der italienischen Grenze, bei der wir auf unserer Rückfahrt aus Rijeka Richtung Triest gelandet waren.

Ich stieg aus dem Wagen aus und ging in den ersten Laden, um nach Hilfe Ausschau zu halten. Pech: In der kleinen Ortschaft gab es keinen Automechaniker oder Vulkanisator, wie wir hier sagen. Auf der Straße kam mir aber ein Passant entgegen – untersetzt, mit Schiebermütze und Bauch und einem  recht freundlichen Gesichtsausdruck -, der einen praktischen Eindruck auf mich machte. Also frug ich ihn nach Hilfe, die er auch sofort anbot, Er kam zum Auto, besah sich die Panne und ging sogleich tatkräftig zur Sache. Wir entdeckten das Reserverad, nicht im Kofferraum, wie ich vermutet hatte, sondern unter dem Auto. Er kroch hinunter, auch mein Sohn, aber es war gar nicht einfach, das Rad freizubekommen. Wir studierten das Beiheft fürs Auto, er entdeckte dort die Schraube im Kofferraum, die es zu lösen galt, um das Reserverad zu lösen. Es gelang,

Schwieriger gestaltete sich freilich die Aufgabe, die Schrauben des kaputten Reifens aufzubekommen. Vor allem auch, weil mein großer Schraubschlüssel dafür defekt war. Kein Wunder, denn mein treues Auto hatte mir in 15 Jahren keine einzige Radpanne beschert. Was nun tun?

Es stellte sich heraus, dass es in dem kleinen Ort zumindest eine Eisenwarenhandlung gab, die kurz vor 19 Uhr noch offen war und einen neuen Schraubschlüssel im Sortiment hatte. Mit dem neuen Schlüssel und der Kraft des Passanten war nun in kürzester Zeit das Rad gewechselt. Mein hilfreicher Engel wollte von einer materiellen Dankbarkeitserweis meinserseits absolut nichts wissen. Er bat nur darum, dass ich ihn zum 2 km entfernten Monument für die italienischen Opfer, die zum Ende des 2. Weltkriegs von den jugoslawischen „Befreiern Triests“ als Rache getötet worden waren, brächte. Denn zum 71. Jahrestag (!) veranstalteten dort die italienischen Faschisten einen Fackelzug.

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Exklusive Kreuzfahrten mit der Blue Moon

Brandneu, frisch vom Stapel gelaufen, in ihrem unvergleichlichen Azurlook:

Unsere Blue Moon.

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God doesn´t answer

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Die Privilegien der italienischen Bürokratie

Wenn man wie ich seit vielen Jahren einen Teil des Jahres in Italien verbringt, wundert man sich doch immer wieder, wie geduldig die Italiener die Privilegien ihrer Bürokratie ertragen. Diese Tatsache an sich ist schon fast unerträglich, noch unerträglicher wird es aber dadurch, dass diese Bürokratie in den meisten Fällen sehr ineffizient arbeitet. Nachstehend eine Studie der OECD mit dem Titel „Goverment at a glance“ aus dem Jahre 2013, die aufzeigt, dass die italienischen Staatsbeamten  die reichsten unter den 34 Nationen der OECD sind. Die italienischen Superbürokraten verdienen im Jahresdurchschnitt 650.000 Dollar, während die Briten bei 348.000, die Amerikaner bei 275.000 Dollar liegen. Noch weniger verdienen die französischen und deutschen.

Die Staatssekretäre, Kabinettsleiter und staatlichen Abteilungsleiter verdienen in der Regel das 2 ½ fache ihrer  deutschen Kollegen, das Doppelte ihrer französischen und ein Drittel mehr als ihre britischen.  Im Vergleich zum  durchschnittlichen italienischen Jahres-Pro-Kopf-Einkommen lagen die Bezüge dieser Bürokraten  12,6 Male darüber, während z.B. die deutschen Kollegen „nur“ 4,97 mal mehr verdienen.

Was den Kulturhaushalt angeht, liegt Italien mit 0,2% des jährlichen Bruttosozialprodukts an letzter Stelle in Europa. Dafür gibt es allein im Gesundheitswesen 33.000 Führungskräfte.

Sehr aufschlussreich sind auch die Daten zum staatlichen italienischen Fernsehen RAI. Bei der Tagesschau von RAI 1 arbeiten 113 Journalisten, davon sind 40 Direktoren bzw. genauer: ein Generaldirekor, fünf Stellvertreter und 34 Hauptredakteure. Also ein Direktor auf 2,8 Journalisten.

Zum ersten Mal wurde im Dezember 2014 dank einer parteiunabhängigen Kommission das Vorgehen der Landesregierung der Toskana öffentlich gemacht, wonach die Führungskräfte dieses Bundeslandes eine Jahresprämie von Euro 16.000 pro Kopf für besondere Produktivität erhalten sollten. Als Errungenschaft dieser besonderen Produktivität wurde u.a. die Reduzierung des Papierverbrauchs um 5 % zugunsten von Emails angerechnet.

Hier weitere Daten zur Ineffizienz der italienischen Bürokratie: Um einen Anschluss ans öffentliche Stromnetz zu bekommen, braucht man in Italien 124 Tage, in Deutschland 17. Für eine Baugenehmigung reichen in Finnland 66 Tage, in Deutschland 97, während Italien auf 234 Tage kommt. Um alle Unternehmenssteuern zu zahlen, muss man in Italien 269 Stunden Jährlich bzw. 33 Arbeitstage veranschlagen, während der europäische Durchschnitt bei 163 Stunden liegt.

Die italienische Steuerlast ist im europäischen Maßstab einmalig. So werden Unternehmensgewinne in Italien mit 65,8 % besteuert. Der Durchschnitt in der EU liegt bei 44,3 %.

Zum Abschluss noch eine Berufsempfehlung. Um 136.000 Dollar jährlich zu verdienen, muss man laut einem Artikel des englischen Economist vom August 2014 Direktor einer erfolgreichen, britischen  hightech Firma werden oder der Governor eines amerikanischen Bundesstaats oder …………………………

Italienischer Parlamentsdiener. Das einzige Risiko dabei ist, dass er in seiner reich dekorierten Livree Botschaften von einem Parlamentarier zum anderen bringend, bei Parlamentsschlägereien eventuell ein blaues Auge davonträgt.

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Strickrad in Ljubljana

Foto von Mateja Kregar Gliha

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Weltmeisterschaft im Zimmerfussball

Meine Mannschaft stand im Finale, Gegen eine Frauenmannschaft. Der Schiedsrichter hatte uns im Wohnzimmer einen Freistoß zugesprochen. Geschickt zirkelte ein Mitspieler den Ball durch die Schlafzimmertür, ich nahm ihn an, umspielte zwei Verteidigerinnen und schoß ihn aufs Kopfkissen. Tor, da ich aber nicht 100% sicher war, hechtete ich noch hinterher und köpfte den Ball gegen das obere Bettgestell. Doch nun wurde das Spiel unterbrochen.

Nach einer längeren Pause wurde ich zur Fifa-Präsidentin gerufen, einer älteren gepflegten Dame. Sie eröffnete mir, dass das Tor ungültig sei, da ich mich nicht an die Spielregeln gehalten hätte. Sie erklärte dies nicht weiter, ließ aber durchblicken, dass es sich um einen Fall von Stalking handeln könne. Unglaubig guckte ich sie an. Und dann fiel mir ein, dass ich zumindest einen Zeugen hatte: mein Mitspieler, der den Freistoß ausgeführt hatte. Ich bat sie, ihn als Zeugen zu hören. Sie lehnte dies ab. Da riß mir der Geduldsfaden und ich schimpfte auf englisch: Dies sei offensichtlich ein abgekartetes Spiel, wo im Vorhinein entschieden worden sei, dass die Frauenmannschaft gewinnen müsse.

Dann wachte ich auf. Was mir zu dem Traum noch einfiel: Eine der beiden Verteidigerinnen war eine alte Schulfreundin von mir, die kein Jahr älter geworden war.

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Die Hinterlassenschaften eines Hundes

Bei den Hinterlassenschaften eines Hundes würde ich an seinen Napf, an einen Gummiknochen, vielleicht auch an sein Deckchen, an die Leine oder eventuell auch an seinen Lieblingsball denken. Und ich könnte mir vorstellen, diese nach seinem Leben in warmer Erinnerung zu halten.

Ganz anders denken hingegen die Stadtväter des kleinen italienischen Städtchens Muggia: Dort werden alle Hundebesitzer unter Androhung von Strafen aufgefordert, die „Hinterlassenschaften zu entfernen“. Dies ist doch wohl ein gefundenes Fressen für  alle Tierliebhaber und –schützer.

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Mein Guru hat wieder ins Volle getroffen

Mein Guru Ranko Bon, also der mit dem weltältesten Blog von 39 Jahren (!), hat wieder mal ins Volle getroffen.
Mit zwei Einträgen, die es in sich haben. Am 14. Januar 2015 erklärt er in genau 18 (achtzehn) Zeilen die Funktionsweise des Kapitalismus. Kürzer geht es nicht.

TIP OF THE ICEBERG (January 14, 2015)

The chief problem with Marx and his followers is that capitalists who employ others are but the tip of the proverbial iceberg. Everyone else in the capitalist system strives for that tip. The classes are but strata of society established by competition for wealth in all of its forms among all members of society, some of whom end up at the bottom of the iceberg. Although the competition is far from treating everyone equally, for there are wide differences both in ability and endowment among members of society, the tip is open to all. The competition continues even between the capitalists themselves, a few of whom end up at the very top of the tip while some of them sink below it, whereupon they become employees in turn. The only exceptions are monks and hermits of many different faiths, who keep out of the competition for a variety of reasons. They represent only a tiny portion of humanity, though. Everyone else is a capitalist at heart, but fortune favors only a few. As the capitalist system develops, the inequality between members of society increases. The iceberg becomes ever more pointed, which makes the competition among all members of society ever fiercer. The only way out of capitalism is by evolution of the human species past striving for wealth. Otherwise, revolutions will always end up by returning to the capitalist system in one of its guises. Capitalism explained at long last.

Und am 16. Januar kommentiert er einen Zeitungsartikel, wonach das menschliche Wirken mit der technischen „Revolution“ in der Landwirtschaft, in den letzten 60 Jahren die Umwelt stärker beeinflusst und belastet hat als 10000 Jahre zuvor.
Die Folgen: Unfruchtbarkeit der Felder, Verschmutzung der Umwelt und aller Gewässer und der offenbar schon nicht mehr aufhaltbare Klimawechsel, der unvorstellbare Katastrophen zur Folge haben wird. Und aus heiterem Himmel fühlt er sich schuldig, denn es ist eben seine Generation, die all dies verursacht hat. „My fucking generation“. Und leider auch meine, wie ich schuldbewusst hinzufügen muss.

MY FUCKING GENERATION (January 16, 2015)

I just glanced through a newspaper article about recent research concerning global environmental degradation that is now putting life on earth at risk. In addition to climate change, there is a loss of biosphere integrity, soil degradation due to pesticides and herbicides, and dangerously high levels of fertilizers in the oceans. What struck me most in the article was that the researchers had found that changes of the last sixty years were unprecedented in the previous ten-thousand years. The article does not mention it, but the so-called agricultural revolution had started around that time with quite an impact on the environment. At any rate, I was struck by the fact that the degradation the research addressed had taken place during my own lifetime. Out of the blue, I started feeling guilty. The babyboomers are behind the horror without any doubt. My fucking generation. We are all witnesses to our collective stupidity regarding our environment. And putting life on earth at risk is the size of that stupidity.

Zitate aus:http://www.residua.org/book-xl-2015/tip-of-the-iceberg/ und
http://www.residua.org/book-xl-2015/my-fucking-generation/

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Modern Church

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Zwei Mann im Boot

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Road Sp 14

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Beten kann tödlich sein

Zumindest in Triest und dann besonders, wenn man in unser Stadtkrankenhaus Cattinara zur Rekonvaleszenz eingewiesen wird. Das aus zwei hohen Türmen bestehende Krankenhaus machte das erste Mal große Schlagzeilen zur Zeiten der Atomkatastrophe von Tschernobyl. Einige pfiffige Italiener filmten die beiden Türme im Nebel und verkauften den Film dann an eine große amerikanischen Fernsehsender als „Originalaufnahmen“ vom defekten Atommeiler in der Ukraine. Fast genauso bizarr klingt folgende Geschichte, diesmal leider wirklich mit tödlichem Ausgang.
Eine 84 jährige Patientin beschloss zum Abendgebet in die Kapelle des Krankenhauses zu gehen und war nur mit einem leichten Morgenmantel bekleidet. Sie verließ nach dem Gebet die Kapelle durch eine unbeschriftete Tür und erwischte dabei den Notausgang bei Brandgefahr. Sie endete in einem kleinen Außenhof, von dem die Tür nicht mehr zu öffnen war. Über Nacht sank die Temperatur auf wenige Grad über Null, sodass die alte, recht zierliche Dame den Morgen nicht mehr lebend erlebte. Die Krankenhausdirektion hat Nachforschungen eingeleitet.

Auch Motorradfahren kann tödlich sein

Dass Motorradfahren vermutlich noch tödlicher als Beten sein kann, dürfte auch einem Nichtmotorradfahrer wie mir immer mehr bewußt werden. Ich brauche nur an meine letzten Stürze vom Fahrrad zu denken, die sich im Vergleich zu der Geschwindigkeit eines Motorades ja geradezu als harmlos darstellen. Was kann einem nicht alles auf der Straße an Gefahren begegnen, beginnend von Schlaglöchern über heruntergefallen Äste bis zu allen möglichen Gegenständen, die irgendwann und irgendwie einmal auf einer Straße landen können.
Eine gute Bekanntschaft von mir – begeisterte Motorradfahrerin und auch eine hervorragende Schachspielerin (man sollte es kaum glauben, aber es gibt auch solche Frauen) hatte sich mit einem Freund im September 3 Wochen lang auf eine große Motorradreise begeben. Von München durch die Tschechhei, Slowakei, Ukraine, Rumänien, Serbien, Albanien sollte es dann über Montenegro, Kroatien und Slowenien zurück in die Heimat gehen. Doch in Albanien passierte es. Dazu lesen wir nun den Originaltext meiner Bekannten.

„Die ganze Sache hat fantastisch begonnen und ist dann allerdings im hintersten Eck von Albanien fürchterlich eskaliert. Mein Reisepartner hatte einen Motorradunfall der spektakulären Sorte. Das führte dazu, dass er letztlich über Tirana mit dem Learjet nach D gebracht und operiert wurde. Im Augenblick liegt er in der Klinik in Würzburg…ein bisschen die Knochen gebrochen und noch ein paar andere Geschichten. Zum Glück ist mir nix passiert. Er hat nämlich bei seinem Abgang auch noch meine Maschine gestreift. Ich konnte noch fahren, musste aber den Urlaub abbrechen Anfang September 🙁 Zu allem Übel bin ich in genau dieser Nacht auch noch richtig krank geworden. Ein unglaublicher Brech-Durchfall mit Fieber und Schüttelfrost und dann wieder Schweißausbrüchen. Ich war völlig am Ende, bin in dem Zustand aber im Dauerregen die 2000km noch alleine nach Hause gefahren. War so heftig, dass ich mich IN den Helm übergeben habe….keine Chance, noch anzuhalten in der Akutphase. Ich habe gedacht, ich gehe drauf, war total dehydriert – wurde immer schlimmer – habe gezittert, nix drin behalten, kam alles wieder hoch. Nur Wasser ging…So heftig hatte ich das noch nie. War richtig benebelt hier angekommen…Infusionen bekommen….Naja….Also richtig Abenteuer! :-/“

Fazit: Am besten beides sein lassen.

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Das Jahr des fallenden Radlers

Dieses Jahr wird sich nicht nur wegen seines relativen schlechten Wetters bei mir im Gedächtnis einprägen, sondern auch wegen meiner Versuche, das Rauchen aufzugeben. Versuche, die vor einem Monat wieder jämmerlich gescheitert sind. Vor allem aber wegen 3 spektakulärer Stürze vom Rad, von denen einer tödlich und zwei mit schweren Verletzungen hätten enden können. Der erste passierte noch im Frühjahr mit meinem Rennrad, wo mein Rennrad auf gerader Strecke auf einmal bockte und ich im Kantstein landete. Von seinen Folgen war dies der schwerste, denn ich war 14 Tagen vom Rücken über den Arsch bis zu den Oberschenkeln von gewaltigen Blutergüssen gezeichnet. Die ersten 3 Nächte war es sehr schwierig, eine möglichst schmerzfreie Schlaflage zu finden.

Dieser erste Sturz verleitete mich zum Kauf eines Mountainbikes. Mit dem Erwerb hatte ich schon lange geliebäugelt, aber ihn immer wieder hinausgeschoben. Nun schritt ich auch aus Sicherheitsgründen zum Kauf und stürzte mich mit der Ausgabe von Euro 800 richtig in Unkosten. Richtig stolz auf mein neues Eigentum, das auf den lieblichen Namen Black Forest hörte, sah ich mich nun endlich in der Lage, den für mein altes Rennrad unerlässlichen Asphaltbelg zu verlassen und hinein in die Natur zu radeln. Überraschenderweise erwies sich dieses Rad trotz seiner sehr dicken Bereifung als recht schnell, so dass ich halsbrecherisch und von allen guten Geistern verlassen einmal mit ca. 25 km in eine scharfe S-Kurve hineinraste, wo ein Mopedfahrer mir im selben Moment entgegenkam. Meine Vollbremsung warf mich im hohem Bogen über das Bike und hätte ziemlich furchtbar enden können. Doch ein Schutzengel hatte schonend seine Hand über mich gehalten. Außer einigen Abschürfungen und einem kleinem Bluterguss war weiter nichts gewesen.

Der dritte Sturz ereignete sich heute, wo ich bei nassem Wetter schräg auf einen Kantstein hinauffahren wollte. Trotz der dicken Reifen bockte meine Black Forest (meine Räder können nur weiblich sein) und wieder flog ich in hohem Bogen auf die Nase. Erstaunlich, dass ich bei meinem Gewicht von ca. 100 kg wiederum nur mit einigen Schrammen davon gekommen bin. Einige Passanten in der Nähe hatten sich schon angeboten, den Rettungswagen zu rufen.
Fazit: Alle guten Stürze sind drei, und ich hoffe inständig, dass es dabei bleibt.

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The origin of theater

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Grand Hotel Parco Giardini – Venezia

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Mein (Ex)-Wirt des Vertrauens und der alte, kahlköpfige Jazzsänger

Vor 14 Tagen habe ich bei meinem Wirt des Vertrauens angerufen, um einen Tisch für 3 Personen vorzubestellen. Ich sagte ihm, er solle einen schönen Tisch aussuchen, denn es kämen zwei hübsche junge Frauen und ein fast ebenso hübscher, aber nicht mehr ganz so junger Mann. Seine trockene Antwort, die mein Vertrauen in ihn in starke Mitleidenschaft zog, lautete.“Aha, Du kommst also nicht mit!“. Da er zu gut kocht, werde ich aber dennoch keinen Vertrauensabbruch in Erwägung ziehen.

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Am letzten Wochenende fand wiederum das Big Band Jazz Festival in Marezige statt, einem kleinen Weindorf oberhalb von Koper mit etwa 2.500 Seelen. Man sollte nicht glauben, dass ein so kleiner Fleck seit Jahren das größte Big Band Festival in Slowenien organisiert. Und ich dürfte einer der wenigen italienischen Gäste sein, der hier nun schon seit 4 Jahren kontinuierlich das Festival besucht. Nach einigen slowenischen Big Bands trat eine Big Band aus der tschischen Republik auf, die mit 4 Lead-Sängerinnen angereist war, darunter zwei blonden sehr attraktiven Frauen. Das Repertoire bestand aus fetzigen und rockigen Stücken und die Sängerinnen taten das ihrige, um dem Publikum einzuheizen. Dies gelang ihnen auch ausgezeichnet und als sie abtraten, brodelte es unter den Besuchern. Ich warf einen Blick aufs Programmheft und sah, dass nun eine italienische Gruppe mit Jazz der 20-30er Jahre angesagt war. „Die armen“, dachte ich, „sie werden es nach den Tschechinnen schwer haben“. Doch der italienische Bandleader kam auf die Bühne, trat ans Mikrofon und sagte:“Statt junger blonder Sängerinnen haben wir einen alten und kahlköpfigen!“ Die Menge lachte und jodelte und das Konzert war gerettet. Sicherlich aber auch deswegen, weil der alte und kahlköpfige Jazzsänger im schwarzen Smoking auftrat und über eine Stimme verfügte, die den Jazzsängern auch vor 70-80 Jahren zur Ehre gereicht hätte.

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Rolling auf dem Roller

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Der beste Witz der Welt laut Internet

Der beste Witz der Welt soll laut Umfragen diverser Zeitungen und Zeitschriften (darunter z. B. Reader´s Digest) aus Schweden stammen.

„Ein Einwohner aus Stockholm fährt zur Entenjagd aufs Land. Als er eine Ente sieht, zielt er und schießt. Doch der Vogel fällt auf den Hof eines Bauern, und der rückt die Beute nicht heraus. „Das ist mein Vogel“, besteht der Städter auf seinem Recht. Der Bauer schlägt vor, den Streit, wie auf dem Land üblich, mit einem Tritt in den Unterleib beizulegen. „Wer weniger schreit, kriegt den Vogel.“ Der Städter ist einverstanden. Der Bauer holt aus und landet einen gewaltigen Tritt in den Weichteilen des Mannes. Der bricht zusammen und bleibt 20 Minuten am Boden liegen. Als er wieder aufstehen kann, keucht er: „Okay, jetzt bin ich dran.“ „Nee“, sagt der Bauer im Weggehen. „Hier, nehmen Sie die Ente.“

Er habe einen Humor, der weltweit verstanden werde, heißt es zur Begründung. „Je nachdem, in welchem Land man ist, kann man die Charaktere etwas verändern“, sagte er dem Magazin Reader’s Digest . „Der Witz ist nicht zu schlüpfrig. Männer und Frauen können gleichermaßen darüber lachen.“ Der Einsender heißt Jörgen Jonsson. Ich persönlich finde aber den Namen und auch das Foto des glücklich lächelnden  Weltsiegers witziger…

 Siehe: Jörgen Jönsson

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Lebensmüde oder einfach nur Pech

Wie ich vor einigen Tagen mal grob ausgerechnet habe, dürfte ich in meinem bisherigen, nicht allzu kurzen Leben etwa 250.000 km auf dem Sattel eines Fahrrads verbracht haben. Soweit nichts Besonderes. Bemerkenswert hingegen, dass ich in all diesen Jahren nie den kleinsten Unfall hatte. Bis vor 2 Monaten, da hat sich das Rad eindeutig  gewendet.

Am 17. April, dem Donnerstag vor Ostern, radelte ich auf meinem Rennrad auf ebener Strecke, die völlig gefahrlos war, und befand mich nur knappe 3 Km von zuhause entfernt. Aus heiterem Himmel bockte auf einmal mein Lenker und ehe ich wußte, wie mir geschah, flog ich in hohem Bogen auf den Kantstein am Sraßenrand. Wobei hoher Bogen ist bei meinem Gewicht wohl übertrieben, aber der Aufprall war trotzdem gewaltig. Ich blieb 2-3 Minuten liegen, befühlte Körper und Glieder, kam langsam wieder zu Atem und dachte, dass ich das Schlimmste überstanden hätte. Folglich setzte ich mich wieder auf mein Rad, das vollkommen heil geblieben war, und radelte die wenigen Kilometer nachhause. Dort musste ich dann aber mit Schrecken feststellen, wie ein Bluterguss sich vom Knie über Oberschenkel bis hinauf in die Rückengegend ausdehnte, immer dunkler und stärker lila wurde, ja an bestimmten Stellen sogar tennisballgroße Ausbuchtungen annahm. Auch begannen mir verschiedene Rippen sehr zu schmerzen. Alles sprach dafür, einen Notarzt zu rufen, aber meine Erfahrungen mit dem italienischen Krankensystem waren ziemlich niederschmetternd, und der Gedanke, 5-6 Stunden in einer Notaufnahme zu warten, bevor irgendein Arzt einen kurzen Blick auf die Ergüsse werfen und mir dann Salben verschreiben würde, hielt mich davon ab. Ich blieb im Bett liegen, versuchte irgendwie einzuschlafen und den nächsten Morgen abzuwarten.

Um es nun kurz zu machen, am nächsten Morgen war ca. 1/5 meines Körpers mit Blutergüßen bedeckt. Ich schleppte mich in eine Apotheke, ließ mir dort Salben geben und heilte das ganze in ca. 4-5 Wochen aus. Die Blutergüsse verschwanden, nur einige Rippen taten noch recht weh. Doch man hatte mir dazu gesagt, dass der Schmerz bei diesen Prellungen  einige Monate anhalten kann. Und das Beste am Ganzen: nach 5 Tagen saß ich wieder auf dem Fahrrad.

Dieser starke Sturz hatte mich nun freilich endlich dazubewegt, den schon vor einigen Jahren erwogenen Kauf eines Mountainbikes voranzutreiben.  Nach einem Besuch bei meinem Fahrradhändler des Vertrauens im slowenischen Koper und den Versuch von 3-4 Rädern, war ich rasch stolzer Besitzer eines Black Forrest Focus Rades. Die extrem breiten Reifen, das angenehme aufrechte Sitzen im Gegensatz zum  Rennrad und das gemächliche Cruisen verschaften mir einen ganz neuen Radelspaß, und hier fühlte ich mich nun auch extrem sicher. So sicher, dass ich am letzten Sonntag  meinen Sturzhelm zuhause ließ und von Muggia aus auf der als Radweg umgebauten alten Eisenbahnstrecke Parenzana Richtung Koper radelte. Unterwegs überholte mich ein Mountainbiker mit relativ kleinen Rädern. Wie bisweilen in solchen Fällen, erwachte bei mir der Ehrgeiz. Ich raunte mir zu, dass der da mit seinen kleinen Rädern mir unmöglich davon fahren könne, und begann also „Gas zu geben“. Recht rasch flitzten wir  auf der Parenzana mit 35 km dahin, doch nach ca. 4 Kilometern wurde ich einsichtiger und sagte mir, der da ist sicherlich 25 Jahre jünger als du, lass ihn also davonradeln, auch wenn du viel größere Räder hast. Dummerweise fuhr  ich aber immer noch mit einem  recht raschen Tempo von ca. 25 Km in die nächste Kurve hinein, als unmittelbar vor mir ein Mopedfahrer aus der Gegenrichtung auftauchte.  Mit meiner Vollbremsung verhinderte ich zwar den Zusammenprall, doch flog dafür wieder – diesmal wirklich in hohem Bogen – vorn über mein Rad. Nach allen Regeln der Wahrscheinlichkeit hätte dies mein Ende bedeuten können mit  mehrfachen Knochenbrüchen und vermatschtem Schädel. Doch diesmal musste ein Schutzengel über mir die Hände ausgebreitet haben, denn ich kam mit einigen Hautabschürfungen und der Erneuerung der Rippenprellung (bin fast auf dieselbe Stelle gelandet) extrem gimpflich davon. Dafür ist das Vorderrad von meinem Black Forrest völlig zu Schrott geworden.

Moral der Geschichte: Von nun an sollte ich wohl besser zu Fuss gehen. Doch ich bin leider unverbesserlich: Morgen dürfte mein Rad repariert sein. Dann wird es hoffentlich gleich munter weitergehen, denn es gibt ja noch soviel zu entdecken, wo ich jetzt sogar Hügel hinaufradeln kann (mein Rennrad war recht alt und hatte keine allzu gute Übersetzung).

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Der geschäftstüchtige Makler

Ich habe gestern ein Maklerbüro in Muggia aufgesucht, da im Fenster desselben eine für mich interessante Wohnung angeboten wurde. Als ich in den kleinen  Büroraum trat, saß an einem kleinen Schreibtisch ein großer übergewichtiger Mann vermutlich in seinen 50zigern, der mir schon öfter im Städtchen über den Weg gelaufen war. Ich hatte bisher eher  vermutet, dass es sich bei ihm um einen Obdachlosen handele, doch Eindrücke können bekanntlich täuschen. Auf mein Anliegen, dass ich im Schaufenster den Aushang gesehen und mir die Wohnung gern angucken würde, bekam ich die verblüffende Antwort.

„ Va bene, aber ich weiß nicht, ob Ihnen die Wohnung gefallen wird!“. Das sofortige Infragestellen des Kundeninteresses veranlasst den Kunden, also mich, mein Interesse an dieser Wohnung sogleich nochmals nachhaltig zu unterstreichen. Daher könnte man diesem Makler womöglich eine besondere Geschäftstüchtigkeit nachsagen, da er mir auch seinerseits sogleich kundtat, er werde mich wegen eines Termins raschestens anrufen.

P.S. Nachtrag am 17. Juni: Ich befürchte,  der „geschäftstüchtige Makler“ hat eine ähnliche Meinung über mein Aussehen, wie ich über das seine hatte, denn er hat mich bis zum heutigen Tage noch immer nicht …….. angerufen!

P.P.S. Wir schreiben zwischenzeitlich schon den 18.1.2015, und ich habe immer noch nichts von diesem Makler gehört.

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Badesaison

Am 24. Mai habe ich die Badesaison für mich eingeleitet. Relativ spät, wenn man bedenkt, dass das Wasser schon 20,3 C aufweist. Bleibt zu hoffen, dass die Saison wie zumeist bis Ende Oktober andauert. Und ich weiß: der allgemeine Informationswert dieser Tatsache ist quasi 0, doch leider habe ich zurzeit kaum wichtigeres zu berichten.

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Bankraub-Lady mit 70 Jahren

In der toskanischen Stadt Prato hat eine ca. 70-jährige Dame mit vorgehaltener Pistole und Teppichmesser eine Bank überfallen und 4.000 Euro erbeutet. Darauf hat sie zufuß die Flucht ergriffen. Die Bankangestellten erklärten gegenüber der Polizei, dass sie die ältere Frau trotz ihres unsicheren Schrittes nicht verfolgt hätten, weil „wir befürchteten, dass sie sich auf der Flucht von selber verletzen könnte“.

Hut ab vor der Menschlichkeit dieser Angestellten.

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Full moon

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The Cat

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Strandidylle im Dezember

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Ein Freund, ein guter Freund

Ein Freund, ein guter Freund,
das ist das Beste, was es gibt auf der Welt.
Ein Freund bleibt immer Freund,
auch wenn auch die ganze Welt zusammen fällt.

Das Lied ging mir desöfteren durch den Kopf, wenn ich auf meiner Hausstrecke von Muggia am Meer entlang ins slowenische Koper radelte (16 km), um dann im Binnenland auf dem Radweg D8 durch ein schönes Waldstück zurück nach Muggia zu radeln. Ca. 8 km vor Muggia komme ich immer an einem unbebauten Gartengrundstück  vorbei, das von einem großen Hund  – ich vermute ein Mischling aus Rottweiler und noch was – bewacht wird. Hier geht die Radstrecke leicht bergab und immer wenn ich an seinem Garten vorbei flitzte, begann er, zornig  zu bellen. Zumndest in den ersten zwei Jahren, doch danach wurde er zunehmend ruhiger, und ich nahm mehr und mehr Interesse an ihm.

Schon lange hatte ich mir vorgenommen, Leckerle für ihn zu kaufen. Doch erst vor einer Woche schritt ich endlich zur Tat.  Da ich fast täglich bei ihm vorbeikomme und ihm brav zwei  Leckerle gebe, sind wir nun schon beste Freunde geworden. Etwa 100 Meter vor seinem Garten tätige ich meine Fahrradklingel, und mein Freund – übrigens hört er auf den schönen Namen Astor, wie ich zwischenzeitlich in Erfahrung bringen konnte – erwartet mich ungeduldig an der hohen Gartenpforte.  Jetzt frage ich mich nur: Was passiert mit unserer Freundschaft, wenn mir eines Tages die Leckerle ausgehen sollten.

Ein guter Freund

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The sun bastard

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Window with socks (and not window which sucks)

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Die Schatzsuche

Im Sommer dieses Jahres war für zwei Nächte ein Couchsurfer bei mir zu Gast. Ein polyglotter Franzose (!), ehmaliger Archäologe (eine starke Rückenkrankheit hatte ihn vom Dienst entfernt), Mitte 40, der mit dem Fahrrad, das er sich weitgehend selbst zusammengebaut hatte, von Budapest zurück nach Paris radelte (seinem Rücken ging es offensichtlich besser). Sein Weg führte über Kroatien, Slowenien und Italien, zurück nach Frankreich, also gute 5000 Kilometer, aber er hatte dafür auch drei Monate Zeit.

Ein netter Kerl, mit dem es viel zu erzählen gab, denn er hatte auf seinen Radtouren viele interessante Bekanntschaften gemacht. Doch besonders spitzten sich meine Ohren zu, als er mir erzählte, er hätte auf seiner Tour unterwegs verschiedene Schätze vergraben. Schätze sozusagen, denn er präzisierte, dass es sich dabei in der Regel um nützliche Utensilien für Radler handele. Also Schläuche, Radlichter, Klingen usw. Er gäbe nützliche Hinweise auf seiner Webseite zu den Fundorten und habe man erstmal einen Schatz gefunden, hätte man dann auch Anweisungen, um den nächsten aufzustöbern. Dass man/frau dabei gut 100 km mit dem Rad zurücklegen und genau dieselbe Tour wie mein Franzose zurücklegen müssen, versteht sich nebenbei.

Anfangs war ich ziemlich baff und konnte ein leichtes Lächeln kaum unterdrücken. Ich dachte bei mir: Was Dümmeres kann man sich wohl kaum ausdenken. Doch mit der Zeit änderte sich mein Urteil: Schatzsuchen haben seit schon immer die Menschen in den Bann gezogen, doch hier handelt es sich – wenn überhaupt – nur um sehr kleine Schätze.

Egal: In unserer heutigen Gesellschaft wo alles Tun nur auf Profitabiltät, auf Nutzen und Effizienz abgestellt ist, bekommt eine derart unnütze Handlung einen besonderen Reiz. Ich werde es den Schatzsuchern auch etwas leichter machen. Außer den hier veröffentlichten Bildern von den abgebildeten Schätze werden auch die Fundorte – vorerst in einem Radius von max. 50 km Radius von Triest entfernt sein, denn weiter schaffe ich es auf meine Rad bei einer Tagestour kaum (ich muss ja auch wieder zurück) – auf Fotos dargestelt. Dazu gibt es noch eine kleine Beschreibung.
Und auch wenn es sich bei diesem Anfang noch um keine großen Schätze handeln wird, bin ich noch für die eine oder andere Überraschung gut. Hoffe ich zumindest. Also worauf wartet Ihr noch?
Die ersten beiden Schätze sind zu finden!

Fast vergaß ich: das verlassene Haus befindet sich am Ortseingang von Ankaran (von welcher Seite verrate ich nicht, aber das Haus ist kaum zu übersehen). Und seid Ihr dort, müsst Ihr unter den großen Steinen gucken.

Das Loch in der Mauer ist in diesem Fall in Portroroz auf dem Radweg D8, dort, wo er zum alten Eisenbahntunnel führt.

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Wohin steuert Italien?

Fragen an unseren Italienexperten Peter Weber

Seit April 2013 wird Italien von einer großen Koalition regiert, einer Regierung der breiten Übereinkünfte („governo delle larghe intese“, wie es auf Italienisch heißt). Der Kanzler Enrico Letta gehört der Demokratischen Partei (PD) an, während der Vizekanzler Angelino Alfano von Berlusconis Partei (PDL) gestellt wird. Wie beurteilst Du die Arbeit dieser Regierung und wird sie sich auch im nächsten Jahr trotz der großen internen Spannungen halten können?

Die Bildung der Regierung Letta war ein einzigartiger Vorgang und keineswegs vergleichbar mit der Großen Koalition in Deutschland. Nachdem die Parlamentswahlen keine klare Mehrheit ergeben hatten, wurde das Zusammengehen der verfeindeten Lager möglich, weil alle beteiligten Parteien aus einer Position selbstverschuldeter Schwäche agierten: Berlusconis Partei, weil sie es nicht verstanden hat, ihren untragbaren Übervater in Rente zu schicken, und die Demokratische Partei, weil sie ihren Kandidaten Romano Prodi bei der Wahl zum Staatspräsidenten durchfallen ließ. Das Votum, bei dem mindestens 101 Parlamentarier der Demokraten gegen ihren Parteigründer stimmten, war eine perfide Intrige, mit der sich die gesamte Partei bis auf die Knochen blamierte.
Nach der Selbstentmannung der PD übernahm deshalb Altpräsident Giorgio Napolitano (88) erneut das Ruder und zwang seine früheren Parteifreunde zur Zusammenarbeit mit Berlusconi. Den geeigneten Ministerpräsidenten, um die abgewählte Rechte erneut ins Regierungsboot zu holen, fand Napolitano in Enrico Letta, einem Politiker ohne eigene Hausmacht bei den Demokraten, der aber über beste Kontakte zu Berlusconis Partei verfügt.
Letta ist ein Bewunderer des früheren Finanzministers Giulio Tremonti, der unter Berlusconi für die Wirtschaftspolitik zuständig war. So bereiteten die programmatischen Gegensätze der Parteien in diesem Bereich keine Probleme, und tatsächlich stand die Wirtschaftspolitik der neuen Regierung bisher ganz im Zeichen der Kontinuität. Insbesondere konnten Berlusconis Minister, auch dank einer massiven Medienkampagne, durchsetzten, dass die vor knapp zwei Jahren von der Technikerregierung Monti beschlossene Erhöhung der Immobiliensteuer wieder zurückgenommen wurde. Das Ergebnis ist bislang ein weiterer Absturz der Wirtschaftsleistung, die in diesem Jahr vermutlich um 1,8% schrumpfen wird.
Bemerkenswerterweise gingen die Risiken für die Regierung Letta bisher aber nicht von ihrem Versagen in der Wirtschafts- und Finanzpolitik aus, sondern von den Problemen Silvio Berlusconis mit der Justiz. Nachdem er im Sommer wegen Steuerbetrugs rechtskräftig verurteilt wurde, droht ihm nun der Ausschluss aus dem Senat,. den er mit allen Mitteln zu verhindern sucht. Dazu fordert er von Staatspräsident Napolitano mit kaum verhohlenen Drohungen eine Begnadigung, ist aber nicht bereit, das dafür erforderliche Gnadengesuch zu stellen, weil dies einem Schuldeingeständnis gleichkäme.
Weil er mit dieser Taktik bisher nicht zu Erfolg kam, unternahm der Tycoon Ende September einen Versuch zum Regierungssturz, scheiterte aber an seinen eigenen Ministern, darunter Alfano, die ihm die Gefolgschaft verweigerten. Das Ergebnis der weiteren Auseinandersetzungen war nach sechs Wochen die endgültige Spaltung der PDL. Während Berlusconi seine frühere Bewegung Forza Italia wieder belebte, um sie mit seinen Getreuen in die Opposition zu führen, verblieb die Ministerriege um Alfano im Regierungslager, dessen Mehrheit nun im Senat nur noch knapp über den Durst reicht.
So erscheinen die Regierungspartner heute noch kraftloser als zuvor. Auf diese Schwäche aber setzt Letta die Hoffnung, dass er mit seinem Kabinett weitermachen darf. Im Parlament mag dieses Kalkül aufgehen, aber unterdessen bräuchte das Land eine handlungsfähige Regierung, wenn es nicht ganz vor die Hunde gehen soll.
Genau diese Handlungsfähigkeit ist die Regierung Letta bisher jedoch schuldig geblieben, auch wenn der Ministerpräsident sich nach dem Sieg über Berlusconi brüstete, er besitze „Eier aus Stahl“. Tatsächlich aber präsentiert er sich in Europa regelmäßig als Klassenletzter, der seine Hausaufgaben nicht gemacht hat, dafür aber augenzwinkernd versichert, sein Land sei ja schon auf dem besten Wege.

Welche Maßnahmen wären nötig, um den nun schon fast 20jährigen Niedergang der italienischen Wirtschaft zu stoppen?

Zunächst einmal müsste sich irgendjemand die Mühe machen zu fragen, woran dieser Niedergang liegt. Was die Entwicklung des Bruttosozialprodukts betrifft, liegt Italien im internationalen Vergleich auf dem drittletzten Platz, knapp vor Zimbabwe und Somalia. Noch schlechter sieht es mit der Produktivität aus, die seit dem Regierungsantritt Berlusconis 2001 praktisch stagniert, zuletzt sogar rückläufig schien. Ein Bundeskanzler mit einer solchen Bilanz würde keine zwei Stunden überleben, aber in Italien fragt kein Mensch nach den Urhebern der Katastrophe.
Es ist tatsächlich ein einzigartiger Vorgang, dass die Verantwortlichen eines solchen Niedergangs nach einem kurzen Intermezzo der Technikerregierung gleich wieder berufen werden, um den Notstand zu beheben, und zwar mit den gleichen Maßnahmen, mit denen sie ihn verursacht haben.
In den letzten zehn Jahren hat Italien eine regelrechte Deindustrialisierung erlebt, in weiten Teilen direkt von der Politik verursacht. Die Folgen sind beinahe täglich in den Nachrichten zu besichtigen, wenn eine Firma nach der anderen ihre Tore schließt. Berlusconis Minister und Fraktionsvorsitzende aber ficht dies überhaupt nicht an, wenn sie sich vor den Fernsehkameras aufplustern, niemand verstehe so viel von Wirtschaft wie sie. Das Volk scheint ihnen recht zu geben, darunter selbst Teile der von der gegnerischen Propaganda eingelullten Linken.
Ein Beispiel dafür ist die von der Demokratischen Partei mitgetragene Rücknahme der Immobiliensteuer, eine Maßnahme, die von EU-Wirtschaftskommissar Olli Rehn massiv kritisiert wurde, weil sie genau in die falsche Richtung weise. Tatsächlich bräuchte Italien eine kräftige Absenkung der Arbeitsabgaben und massive Investitionen in Bildung, Forschung und Kultur, lauter Bereiche, in denen der Anteil der Staatsausgaben weit unter den von der EU angestrebten Richtwerten liegt.
Die erforderlichen Ressourcen aber können nur dort locker gemacht werden, wo bisher niemand hinsah: bei den Vermögensabgaben, insbesondere der Immobiliensteuer, die wenigstens auf ein europäisches Mittelmaß angehoben werden müsste, und im Kampf gegen die Steuerhinterziehung. Weil die meisten Steuerbetrüger ihr hinterzogenes Geld in Hausbesitz investierten, wäre dies auch ein Beitrag zur sozialen Gerechtigkeit.
Noch wichtiger aber wäre, dass durch eine solche Wende in der Steuerpolitik endlich wieder mehr Geld in den Industriesektor fließen würde, der durch die aktuellen Steuertarife im Inland wie gegenüber dem Ausland massiv benachteiligt ist. Dass dies geschieht, erscheint aber höchst unwahrscheinlich, weil die Hausbesitzer die weitaus größte Lobby im Lande stellen, über die Berlusconi auch weiterhin seine schützende Hand halten wird.
Die italienische Politik hat seit jeher ein großes Herz für Lobbyisten, die ihre Pfründe absichern wollen. Das Leitmotiv der Sozialen Marktwirtschaft, wie es Ludwig Erhard formulierte und längst in Brüssel zu eigen gemacht wurde, ist die sukzessive Öffnung der Märkte für neue Marktteilnehmer. Berlusconi, der sich und seine Parteifreunde gern als Liberale bezeichnet, hätte der erste sein müssen, seine Politik in diese Richtung zu lenken, aber in Wahrheit ist das genaue Gegenteil passiert. So trieb der Protektionismus in Gewerbe und Industrie unter seiner Regierung immer neue Blüten, Liberalisierungen unterblieben, und neue Chancen für die nachfolgende Generation blieben Mangelware.
In vielen Berufen ist es in Italien heute völlig unmöglich, Fuß zu fassen, wenn man nicht mindestens einen Vater oder Schwiegervater hat, der den Weg ebnet. Staatliche Monopole und restriktive Lizenzen tun ein Weiteres, etwa beim Tabakmonopol, beim Zeitungsverkauf und bei den Tankstellen. Wo in Deutschland jede Tankstelle sämtliche Produkte im Angebot hat, gibt es in Italien weiterhin eine streng reglementierte Trennung, die alle Beteiligten in den Ruin treibt.
Während sich die Regierung Romano Prodis 2006 immerhin mit den Taxifahrern und Apothekern anlegte, taten Berlusconis „Liberale“ nichts dergleichen und sorgten lieber dafür, den Notaren und Zahnärzten lästige Konkurrenz vom Halse zu halten. Auf diese Weise wurden dem talentierten und arbeitswilligen Nachwuchs im Land sämtliche Möglichkeiten verbaut.
Tatsächlich ziehen immer mehr qualifizierte Italiener ins europäische Ausland, vor allem nach London, Frankfurt und Berlin, und weil es gerade die hellsten und flexibelsten Talente sind, droht das Land auszubluten. Bei der so genannten „Flucht der Gehirne“ handelt es sich um einen Exodus, der durchaus mit der Absatzbewegung aus der DDR vergleichbar ist, wenn er auch noch nicht das gleiche Ausmaß angenommen hat..
Für manche wünschenswerte Gegenmaßnahme könnte deshalb schon zu spät sein, weil die Substanz zerstört ist. Dies gilt etwa für viele Bildungseinrichtungen, die nach jahrzehntelanger Vernachlässigung auf dem letzten Loch pfeifen, wozu die unzulängliche Lehrerausbildung ebenso beiträgt wie die mangelhafte Sachausstattung. Bei internationalen Vergleichen wie dem Pisa-Test lag Italien vor 12 Jahren noch fast gleichauf mit Deutschland im Mittelfeld, ist aber seither auf die hintersten Plätze zurückgefallen, während die deutschen Schüler Boden auf die Spitze gut machten. Einen miserablen Namen haben auch die Universitäten mit ihrer Vetternwirtschaft, die in diesem Ausmaß in Europa ganz einzigartig ist. Das ist mit ein Grund, warum der Ruf nach mehr Bildungsinvestitionen kaum Wirkung entfaltet..

Wie beurteilst Du die „Bewegung der fünf Sterne“ mit ihrem Parteiführer Beppe Grillo, die bei den letzten Parlamentswahlen mit  25 % der Wählerstimmen fast denselben Stimmenanteil wie PD und PDL (beide bei 29 % der Wählerstimmen) erreichen konnte?

Wenn man bei PD und PDL die Koalitionspartner abzieht, war die „Fünf-Sterne-Bewegung“ bei den letzten Wahlen sogar die stärkste Partei. Für die italienische Politik, in der Wählerbewegungen sonst im Bereich von 0,5% stattfinden, war dies ein nie zuvor gesehener Erdrutsch. Leider kämpft Grillo aber mit den gleichen Schwierigkeiten aller anderen Parteien: der Profilierungssucht, dem Hang zur Korruption, der notorischen Untreue und Raffgier der Parlamentarier, ihrer Manipulation durch die Medien.
Bei Grillos Leuten zeigte sich darüber hinaus auch deutlich ihre Unerfahrenheit im parlamentarischen Betrieb. So kam es in den ersten Monaten zu zahlreichen unerfreulichen Vorgängen, die dem Ansehen der Partei geschadet haben, während sie im Wahlvolk die Meinung verstärkten., dass die Politiker doch alle gleich sind. Tatsächlich hat bisher noch jede neue Partei nach anfänglichen Erfolgen einen moralischen Niedergang erlebt.. Die allgemeine Politikverdrossenheit geht deshalb so weit, dass das Vertrauen der Italiener in ihre Parteien auf einen kaum mehr messbaren Wert von 4 % gesunken ist. Bei den meisten herrscht nur noch Abscheu und Verachtung.
Als eines der größten Probleme überhaupt gilt dabei das undemokratische Wahlsystem, das selbst von Politikern ganz offen als „Schweinesystem“ bezeichnet wird. Von Berlusconi vor acht Jahren im Alleingang verabschiedet, hat es dazu geführt, dass die Parlamentskandidaten nur von einer Handvoll Parteivorsitzender ausgesucht werden, praktisch im Alleingang und ohne jegliche demokratische Kontrolle. Das Ergebnis ist heute, dass diese Entscheidungsträger von den karrieregeilen Hinterbänklern hofiert werden wie die Lehnsherren im Mittelalter, während die Anliegen der Wähler im Wahlkreis kaum Beachtung finden.
Wenn man die Absichtserklärungen für bare Münze nimmt, scheinen heute alle Parteien einig, dass dieses System abgeschafft gehört, aber weil sich die Vorsitzenden auf keine Reform einigen können, bleibt vorerst alles beim alten. Dies hat zumindest den Vorteil stabiler Preise, weil jedermann problemlos ausrechnen kann, was es braucht, einen Senator oder Abgeordneten zu kaufen.
Der moralische Verfall in den Parteien hat aber auch noch andere Ursachen. Weil die freie Wirtschaft jungen Menschen kaum Aufstiegschancen bietet, stürzen sich alle auf die Politik, als den letzten Industriezweig, in dem man in kurzer Zeit noch fabelhafte Rentenansprüche erwerben kann. Von solchen Karrieristen ist auch Grillos 5-Sterne-Bewegung durchsetzt, der es darum nicht leicht fällt, darzustellen, worin sie sich denn von den anderen Parteien unterscheidet.

Anfang Dezember wird der neue Parteichef der PD gewählt. Die Prognosen gehen dahin, dass der Bürgermeister von Florenz, Matteo Renzi, trotz seiner geringen Popularität im Parteiapparat den Sieg davontragen wird. In diesem Fall würde er dann mit großer Wahrscheinlichkeit auch zum Kanzlerkandidaten der PD nominiert. Hätte die PD mit Renzi das erste Mal einen charismatischen Führer, der auch große Teile der nach Mitte-Rechts tendierenden italienischen Wählerschaft an sich binden könnte?

Die PD ist heute in Italien die einzige Partei, die ein Mindestmaß an innerparteilicher Demokratie bewahrt hat. Die Urwahl des Parteivorsitzenden ist dafür ein wichtiges Indiz. Diese Konsultationen haben in den letzten Jahren immer mindestens drei Millionen Menschen in die Sektionen gelockt und durch den Finanzierungsbeitrag von 2 Euro auch nicht unerhebliche Summen in die Parteikassen gespült.
Tatsächlich ist die PD aber eine zutiefst gespaltene Partei, in der Sozialisten und Christdemokraten miteinander auskommen müssen, und was noch schlimmer ist: unerbittliche Gegner Berlusconis mit solchen, die sein Gedankengut über die geschickte Propaganda seiner Sender unbemerkt aufgenommen und zutiefst verinnerlicht haben. Dies ist der Hauptgrund, warum die Partei heute ein Bild innerlicher Zerrissenheit liefert.
Der ehemalige Parteichef Pierluigi Bersani hat versucht, die PD durch Rückbesinnung auf sozialdemokratische Werte von der Fixierung auf Berlusconi zu befreien und ist damit kläglich gescheitert. Seither sind die Yuppies am Ruder und versuchen als Parteisprecher oder Minister dem Wahlvolk ihre Strategie der Anpassung an den übermächtigen Gegner nahe zu bringen.
Weit vor Enrico Letta ist Matteo Renzi sicherlich die herausragende Figur dieser Gruppe, ein begnadeter Populist, der das Handwerk der politischen Kommunikation in den Sendern Berlusconis gelernt hat. Viele ältere Parteifunktionäre spüren instinktiv, dass ihm der sozialistische Stallgeruch völlig abgeht, weshalb er in diesen Kreisen nicht sehr beliebt ist. Gerade aus diesem Grunde aber scheint der Bürgermeister von Florenz heute der einzige, der in der Lage sein könnte, neue Wähler in der Mitte zu gewinnen.
Einen ersten unbestreitbaren Erfolg hat Renzi mit der Verjüngung der Parteispitze erzielt, die er letztes Jahr vehement einforderte und schließlich gegen die alten Kader durchsetzte. Darüber hinaus scheinen ihm die Ideen aber bereits ausgegangen zu sein, und ein überzeugendes Konzept gegen die Wirtschaftskrise ist seine Truppe bisher schuldig geblieben.
Dennoch wird Renzi die Urwahl höchstwahrscheinlich mit großem Vorsprung gewinnen. Danach sollte er sich aber keinen Illusionen hingeben, denn seine Partei hat noch nie etwas dabei gefunden, einen soeben installierten Parteichef nach kurzer Zeit wieder abzusägen. Bevor er sich im Tagesgeschäft verschleißt, muss Renzi deshalb möglichst rasch Neuwahlen anstreben, vermutlich im nächsten Frühjahr. Sollte er dann tatsächlich Ministerpräsident werden, wäre es an den Italienern, ihre Erwartungen herunterzuschrauben, denn im Amt des Bürgermeisters hat sich Matteo Renzi bisher vor allem als unermüdlicher Dampfplauderer profiliert, ist aber kaum durch zählbare Resultate aufgefallen.

Wir leben beide seit über 20 Jahren in Italien und sind mit den unglaublichen Auswüchsen der Bürokratie, der Raffgier aller Parteien und dem Organisationschaos in diesem Land bestens vertraut. Daher zum Schluss die 100.000 Dollar-Frage: Ist Italien auf „normalem“ demokratischen Wege überhaupt noch zu retten?

Das erscheint immer unwahrscheinlicher. Anfang der 90er Jahre war Italien ein Land mit einer ganzen Reihe von Problemen, die jedoch nach dem erfolgten Austausch der politischen Führung durchaus in den Griff zu bekommen waren. Leider wurde die Erneuerung jedoch nach gut einem Jahr durch die Kandidatur Silvio Berlusconis unterbrochen, der seine persönlichen Interessen über alles andere stellte, um seine Firmen vor der Konkurrenz zu schützen und sich selbst vor dem Gefängnis zu bewahren.
Dass er damit durchkam, war auch dem Versagen der Altparteien zu verdanken. Statt die Notstände zu lösen, waren sie die meiste Zeit mehr um deren Verwaltung bemüht, gerade so als handle es sich nicht um eine Belastung für das Land, sondern um eine lieb gewonnene Ressource, die es nebenbei ermöglichte, die Bürger in die vorherige Unmündigkeit zurückzuführen.
Dazu besetzte man eifrig die Leitungspositionen in den Verwaltungsbehörden mit Parteifreunden und Verwandten, die ihre mangelnde Qualifikation allein durch ausgewiesene Treue zu kompensieren wussten und heute im Schnitt das dreifache Gehalt eines deutschen Amtsleiters beziehen. Auch die Volksvertreter wussten sich über ihre anhaltende Popularitätsmisere hinwegzutrösten, indem sie sich die höchsten Politikergehälter Europas genehmigten. Die Eskapaden Berlusconis waren da mitunter sogar eine willkommene Ablenkung, weil sie den Blick auf die kleinen Schweinereien verdeckten, mit denen die Oppositionspolitiker ihre Schäfchen unbemerkt ins Trockene zu bringen suchten.
Die wenigen redlichen Reformer wurden unterdessen regelmäßig abgesägt. Besonders deutlich wird dies wiederum bei den Linksdemokraten, wo der zweifache Sturz Romano Prodis nur die Spitze des Eisbergs war. Tatsächlich haben ernsthafte Kandidaten der Linksdemokraten in den Regionen und Städten immer wieder völlig überraschende Wahlerfolge erzielt, oft in Hochburgen der Rechten, die zuvor als uneinnehmbar galten. Kein einziger dieser Lokalmatadore aber wurde jemals in die nationale Parteispitze übernommen, wo die grauen Eminenzen es vorzogen, unter sich zu bleiben. Auch deshalb ist die Kandidatur Renzis nun ein Tabubruch, der die Altkader zittern lässt.
Nachdem auf die beschriebene Weise mindestens fünfzehn Jahre vertan wurden (in denen beispielsweise Belgien seine Staatsverschuldung halbierte), hat sich der Problemstau in Italien nunmehr zu einem riesigen Knäuel verworren, dem mit herkömmlichen Mitteln kaum noch beizukommen ist.
Die Technikerregierung Mario Montis war ein erster deutlicher Hinweis, dass die demokratisch gewählten Parteien der Lage nicht mehr Herr werden. Die von Staatspräsident Napolitano erzwungene Koalition der breiten Übereinkünfte unter Ministerpräsident Letta war dann die endgültige Bestätigung. Weil das Ergebnis der Koalitionsverhandlungen dem zum Ausdruck gebrachten Wählerwillen diametral zuwiderlief, war es in der Tat eine Bankrotterklärung des demokratischen Systems.
Seither herrscht in Italien demokratischer Notstand, auch wenn diese Tatsache manchen Demokraten erst ganz allmählich zu dämmern scheint. Bei der Tiefe des Grabens zwischen Politik und Volk kann man angesichts der akuten Wirtschaftskrise nur von einer hochexplosiven Gemengelage sprechen. Die Bürger haben ihre politische Klasse jedenfalls gründlich satt. Das Vertrauen in die Parteien, seit Jahrzehnten das niedrigste in Europa, ist inzwischen auf einen kaum noch messbaren Wert gesunken.
Manchmal könnte man allerdings meinen, dass diese Abneigung auch auf Gegenseitigkeit beruht, denn die Politiker, insbesondere der Demokratischen Partei, scheinen des kritischen Volks nicht minder überdrüssig. So gibt es Abgeordnete der Partei, die es für altmodisch halten, die Interessen der arbeitenden Bevölkerung zu vertreten. Wenn die abhängig Beschäftigten sich weiter gegen die anvisierte Beschneidung ihrer Rechte und Einkünfte stemmten, so ihre unverhohlene Drohung, werde man eben Immigranten einstellen. Die ehemalige Linkspartei scheint damit auf dem besten Weg, ihre eigene Existenzberechtigung zu verleugnen, und was dies für das demokratische System bedeuten könnte, mag man sich gar nicht vorstellen.
Was das Land zum Schutz gegen die Gefahr am dringendsten bräuchte, wären umfassende Verfassungsreformen und eine vernünftige Reform des Wahlrechts. Nach seiner Wiederwahl hat Staatspräsident Napolitano es geschickt verstanden, diese Erwartungen für seine Zwecke einzuspannen, indem er die genannten Reformen zum eigentlichen Zweck der neuen Regierung erklärte. Tatsächlich fanden sich viele Linksdemokraten zu der ungeliebten Koalition mit Berlusconi bereit, weil sie glaubten, dass die Regierung nur das Wahlgesetz ändern und die dringlichsten Maßnahmen zur Sanierung der Staatsfinanzen ergreifen würde, um dann sofort Neuwahlen anzustreben.
Tatsächlich aber präsentierte Premierminister Letta ein umfangreiches Programm, dem überraschten Volk den kompletten Umbau des Staates versprechend, wobei er offenbar eine komplette Legislaturperiode anpeilte. Für derart umfangreiche Zielsetzungen hatten die beteiligten Parteien zwar kein Mandat der Wähler erhalten, doch mit Hilfe einer Reihe von Verfahrenstricks hofften Letta und Napolitano, ihre ehrgeizigen Reformen dennoch auf unterschwelligen Wegen über die parlamentarischen Klippen zu bugsieren.
Trotz der breiten Mehrheit in beiden Kammern und der Berufung mehrerer außerordentlicher Reformkommissionen wurde bisher jedoch keine einzige Verfassungsänderung entscheidend vorangebracht, und insbesondere bei der dringlichsten Angelegenheit, dem Wahlgesetz, gibt es noch überhaupt keine Bewegung. Seit der Spaltung der PDL ist eine Einigung noch viel unwahrscheinlicher geworden, und so scheint auch dieser anmaßende Reformansatz nur dazu bestimmt, die Unregierbarkeit und Unreformierbarkeit des Landes einmal mehr unter Beweis zu stellen.
So ist Italien weiterhin gespalten und zur Immobilität verdammt. Statt bisher zwei gibt es nunmehr drei oder vielleicht sogar vier verfeindete Lager. Resolute Reformen erscheinen deshalb heute noch unwahrscheinlicher, es sei denn, dass der Volkszorn derart Überhand nimmt, dass er Grillos 5-Sterne-Bewegung zur absoluten Mehrheit trägt. Nicht ganz unwahrscheinlich erscheint dies insbesondere bei der nächsten Europawahl, wo es darum gehen wird, den Etablierten einen Denkzettel zu verpassen. Dass Grillos Amateurmannschaft es wirklich besser machen könnte, wollen indes nur die wenigsten glauben.

So gibt es überhaupt keinen Ausweg?

In den 90er Jahren habe ich einmal provokativ gefordert, Italien möge den Weg Japans wählen, dessen demokratische Verfassung nach dem Zweiten Weltkrieg vom amerikanischen Oberbefehlshaber General Douglas MacArthur neu geschrieben wurde. Unter der Führung Berlusconis haben die Italiener mehr als eine Schlacht im Globalisierungskrieg verloren, aber statt mit der nötigen Einsicht die für eine Trendwende unabdingbaren Einschnitte vorzubereiten, sucht die politische Klasse weiter nach Ausreden, um ihre Verantwortung abzuwälzen. Das war auch in Japan zunächst nicht anders, dessen Führungseliten sich uneinsichtig zeigten, bis das Land an allen Gliedern gefesselt am Boden lag.
Die italienische Bevölkerung scheint da schon etwas weiter. Wie kürzlich eine Umfrage ergab, fände ein Drittel der Italiener es gar nicht so schlecht, wenn die Haushaltspolitik nicht von den eigenen Politikern beschlossen, sondern ähnlich wie in Griechenland von einer Troika aus EU, EZB und IWF vorgegeben würde. Die gleiche Umfrage brachte noch eine weitere Überraschung: Obwohl die italienischen Politiker nie müde werden, die deutsche Bundeskanzlerin als Hauptverantwortliche für die Misere des Landes zu schmähen, würden 68 % der Bürger Angela Merkel als Ministerpräsidentin Italiens dem eigenen Personal vorziehen.(1)

—————-
Vgl. (1) Legge di stabilità: Parte il fuoco incrociato su Letta. Un italiano su 3 vuole la Troika, in: Affari Italiani vom 18. Oktober 2013. http://www.affaritaliani.it/economia/cgil-morelli-letta-legge-stabilita18102013.html

Fragen von Jens Reuschel

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Unknown beauty

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Auszüge aus einem Interview, das Antonella Barina mit Eugenio Scalfaro, dem Gründer der italienischen Tageszeitung La Repubblica  und einem der letzten großen Intellektuellen Italiens, führte und in der Freitagsbeilage von La Repubblica, „il venerdì“, veröffentlich wurde.

Barina: Warum betrachten Sie Ihr letztes Buch (L´amore, la sfida, il destino – Die Liebe, die Herausforderung, das Schicksal) als den letzten Schritt Ihrer Studien?

Scalfari: Weil ich denke, dass ich endgültig verstanden habe, was für mich der Sinn des Lebens bedeutet. Als Atheist glaube ich nicht an das Jenseits. Da ich mich daher nur für das Diesseits interessiere, habe ich mich davon überzeugt, dass der Sinn des Lebens ein Nicht-Sinn ist: Das Leben hat einen Anfang und ein Ende, man wird zufällig geboren und ebenso stirbt man zufällig. Ein jeder von uns könnte auch nicht geboren werden, ohne dass dies Auswirkungen auf das Universum zeitigen würde. Tatsächlich ist das Leben nur durch kurzweilige Perioden mit Sinn erfüllt, die von Mal zu Mal durch das Aufeinandertreffen unser inneren Welt mit der äußeren Realität bestimmt werden.

…..

Barina: Ok, also kein ewiges Leben. Bleibt das gegenwärtige, das Sie sich als ein Kartenspiel vorstellen, in das ein Jeder sich ganz einbringt. Der Spieleinsatz: der Versuch, der eigenen Existenz einen Sinn zu verleihen. Die Spieler: unser Instinkt, der durch eine Reihe von Ikonen repräsentiert wird, vor allem durch Eros.

Scalfari: Er wird in der Regel mit dem Gott der Liebe idendifiziert, aber es wäre besser, ihn als den Herrn unserer Begierden zu bezeichnen. Für jeden Typ von Begierde: auf eine Frau oder einen Mann, auf Macht, auf  Erfolg, auf Reichtum oder auf Glück. Eros ist derjenige, der die Karten verteilt und die Spielregeln definiert, denn unsere Begierden sind der Antrieb für alles. Ihre Qualität und ihr Ausmaß  bedingen die stärkere oder schwächere Vitalität eines Jeden von uns.

…..

Barina: Narziss, die Eigenliebe ist der zweite Spieler am grünen Tisch.

Scalfari: Narziß wird mit uns geboren und lebt mit uns. Die einzigen, die den verhexten Kreis der Eigenliebe verlassen zu suchen, sind die Heiligen, die Verliebten und die Helden. Das Herz der Heiligen schlägt für die anderen, das von Tristan schlägt für Isolde. Die Helden sublimieren ihren Narzismus. Ihre typischen Eigenschaften sind der Wert, die Herausforderung, das Komando und der Sieg. Und sie verweigern sich nicht der Macht, aber vermeiden es, dass die Macht sie beherrscht. Wie Heinrich V. aus Shakespeare, der  –  als junger Mann   zügellos und vergüngungssüchtig – zu einem ruhmvollen Eroberer von Ländern und  Menschen wird, zu einem weisen Herrscher.  Dem es sogar gelingt sich von Falstaff zu lösen, seinem haltlosen Freund, der ihn mit Festen und Ausschweifungen in Versuchung führen wollte.

…..

Barina: Und der Tod als dritter Spieler?

Scalfari: Wir leben unser Leben damit, ihn zu ignorieren, zu hintergehen oder ihn zu exorzieren. Ohne Erfolg, aber es ist besser so: die Unsterblichkeit wäre etwas Wiederholendes, Langweiliges. Den Tod kann man nur überwinden, wenn man eine Spur von sich, auch die kleinste, zurückläßt. Und man entfernt ihn, wenn man Projekte macht, wie zum Beispiel ich. Ich habe jetzt den Plan zu einem noch nie geschrieben Tagebuch.

Quelle: Il venerdì, Nr. 1337 vom 1. November 2013,

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Piran by night

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Zugvögel

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Reißaus vor dem Sturm

Während am 4. Oktober das Schicksal der italienischen Regierung und vermutlich auch des Landes entschieden wird – denn sollte die Regierung aufgrund der Sabotage seitens der PDL, der Partei der Freiheit, der es einzig und allein um die Freiheit ihres großen Bosses Silvio Berlusconi geht, stürzen, ist der Niedergang Italiens kaum noch aufzuhalten, also während all dies am 4. Oktober hier in Italien über die Bühe geht, macht sich der kleine Boss – sprich meine Wenigkeit – aus dem Staube und wird in Dubrovnik weilen, um eine Reisegruppe zu begleiten, für die er den Aufenthalt und verschiedene Ausflüge nach Montenegro, Mostar und auf die Halbinsel Peljesac – bekannt für ihre guten Rotweine – organisiert hat. Er ist gespannt, was derweilen in seiner Wahlheimat passieren wird, auch wenn ihm die Regierungskrisen, das andauernde und nur noch lächerliche Spektakel der italienischen Parteipolitiker, die immer nur ihr eigenes Süppchen kochen, schon längst zum Halse heraushängt. Dass seine Abwesenheit von keinem einzigen der Akteure auf der italienschen Politbühne vermisst wird, versteht sich von selbst. Es beruhigt ihn dabei, dass auch die anderen 59 Millionen und 998 Tausend Italiener hier nur als passive Zuschauer agieren, die freilich am Ende für die gewaltigen Kosten dieses Trauerspiels zahlen werden. Doch womit: denn ihre Taschen sind eh schon gähnend leer.

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Rhapsodie in Blue

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Die Taube

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Anekdoten von Herrn Leo –

Ultimatives über den Abhörskandal NSA

Herr Leo hörte in Berlin aus vertraulicher Quelle (aus höchsten amtlichen Stellen) ganz Vertrauliches und Ultimatives zum Abhörskandal der NSA.

Barack Obama habe den kleinen SchuljungenPaul Smith  (7 Jahre alt)  getroffen.

Paul Smith habe danach zu Obama gesagt: „Mein Vater meint, dass Du uns alle ausspionierst.“

Darauf Obama: „Das ist  gar nicht Dein Vater !“

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Felicità

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Der blaue Planet 1

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Der blaue Planet

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Anekdoten von Herrn Leo – Über bissige Hunde und die Polizei

Aus beruflichen Gründen – aber auch privat – kommt Herr Leo viel herum. Er sieht dies und das, einiges findet er sehr schön, anderes wiederum sehr häßlich. Wäre er ausgebildeter Kunsthistoriker, könnte er vermutlich bestimmte Bauwerke, Monumente und Museen mehr goutieren. Doch es ist nun einmal, wie es ist, und daher handelt es sich oft um sehr Skurilles, das die Aufmerksamkeit des Herrn Leo fesselt.
Wie zum Beispiel das unten abgebildete Schild, das er an dem Eingangstor eines Hauses in einer istrischen Kleinstadt vorfand.

Laut seiner deutschen Übersetzung verstand Herr Leo folgendes.

Der Eintritt auf mein Grundstück und in mein Haus ist ohne meine ausdrückliche Einwilligung untersagt.
Dies gilt besonders für bewaffnete Kräfte (Polizei) des kroatischen Staates, solange sie keinen Gerichtsbescheid oder Untersuchungsbefehl besitzen. Die Nichtbeachtung dieses Verbots wird wegen widerrechtlicher Handlung zur Anzeige gebracht.
Mein Hund ist abgerichtet und wird jeden, der die Grenzen meines Besitzes überschreitet, auflauern. Für Bisswunden innerhalb meines Besitzes zeichne ich nicht verantwortlich.

Dr. J.L.N.

Seitdem Herr Leo sich dies übersetzt hatte, bereiten ihm besonders der Hund und das L. im der Namensgebung einige Kopfzerbrechen, ganz zu schweigen von der kroatischen Polizei.

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Fahrrad in Chioggia

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Abendidylle vor dem Sturm oder auch nicht

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Sentenzen von Christian Friedrich Hebbel

Der Kuss ist der Vulkan des Herzens.

Ein in den Lüften umhergetriebenes Blatt: Bild des Menschen.

In jedem Verhältnis darf ich nur so viel verlangen, als ich selbst geben will und kann. Goldene Regel.

Wenn kleine Geister einen guten Gedanken haben, so können sie nicht wieder von ihm loskommen. Der Gedanke hält sie fest wie ein Magnet, denn er ist größer als sie.

Aus Hebbels Tagebüchern im Jahr 1839.

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Anekdoten von Herrn Leo – Vergeblicher Versuch für einen Schönwetterzuschlag

Herr Leo arbeitet im Tourismus, und als bei einer von ihm organisierten Gruppenreise blendendes Wetter herrschte,
versuchte er, bei seinem Partner einen Schönwetterzuschlag abzukassieren.

Hier die Antwort seiner Geschäftspartnerin:

Kunde war sehr zufrieden 🙂
Großes Lob an dich – auch wegen dem vielen Hin und Her 🙂
Er wird mich auf einen Kaffee einladen 🙂
Das ist der ganze Aufschlag 🙂

Zumindest den Kaffe hätte er auch gern getrunken.

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Eis am Stiel oder besser Waffeleis

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Anekdoten von Herrn Leo – Die Killerkarte

Herr Leo fährt in aller Regel einmal im Jahr per Fahrrad von Triest nach Porec an der kroatischen Küste, um dort das fantastische Festival Valamar-Jazz zu besuchen. Die Strecke kennt er schon recht gut, ja es gibt eigentlich nur zwei Routen: Eine führt mehr am Meer entlang und ist mit ca. 90 km etwas länger als die Route durch das Landesinnere. Dafür ist sie weniger hügelig.

In diesem Jahr war er besonders gut ausgerüstet, denn er hatte sich eine Bikekarte zu Istrien zugelegt. Nachdem er den nervenden Anstieg zum malerischen Städtchen Buje (222 m) im Landesinneren bewältigt hatte, zog er seine Karte zurate, denn er wollte mal einen neuen Weg ausprobieren. Und die Karte hielt Rat bereit mit dem Radweg V-5, der ca. 10 km hinter Buje und dann beim Abzweig nach Baredine beginnen sollte. In Baredine fand er dann auch ein Schild, das den Weg V-5 anzeigte. Doch recht plötzlich war es mit dem Asfalt aus und ein steiler, ca. 4 km langer Weg führte von der für ihn schwindelerregenden Höhe von 222 m hinab ins Tal. Ein Weg voll Geröll und großen Steinen, der zum Teil schon zugewachsen war. Mit seinem Renndrad – er hatte freilich Reifen mit einem breiteren Profil montiert – war dort absolut kein Vorwärtskommen mehr. Doch er war schon zuweit nach unten vorgedrungen, um nun noch umzukehren. Schiebend und schnaufend bewegte er sich im Schneckentempo vorwärts. Wo der Weg etwas weniger steil wurde, schwang er sich wieder in den Sattel, freilich mit dem niederschmetternden Ergebnis, dass er dreimal heftig auf die Schnauze fiel.

Einmal im Tal angekommen, wurde es freilich nicht besser, denn der famose Radweg wurde anscheinend vor allem von Traktoren benutzt, die tiefe Furchen ausgegraben hatten. Auch extrem geübte Mountainbikefahrern würde hier das Lachen wohl vergehen, versuchte er, sich Trost zuzusprechen. Und die Begegenung mit einer wohl mehr als 1 Meter langen Schlange, die ihm im letzten Augenblick den Weg freimachte, hatte ihm gerade noch gefehlt.

Endlich zeichnete sich am Horizont ein gerader Streifen ab, auf dem Autos entlang huschten. Rettung war also in Sicht. In der letzten Furche, in die er dann hineinklatschte, dürfte sein Tachometer begraben sein. Doch ihm war eh schon alles egal.

Fazit: Mit der neuen Karte hatte er gut 2 Stunden verloren, seinen Tachometer eingebüßt und sich jede Menge Schrammen eingehandelt. Doch zumindest hatte er überlebt. Und sein Lieblingsjazztrio mit Marcin Wasilewski am Piano hat er auch nicht verpasst. Also noch ein Happyend am Schluss, und dies zum Glück für den Killerkartenherausgeber, denn Herr Leo wird keine rechtlichen Schritte einleiten. Freilich hat sein bislang recht stabiles Vertrauen in Radkarten großen Schaden erlitten.

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1945 – Da war doch was?

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Saturday night fever

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Anekdoten von Herrn Leo – Über das weibliche Wesen

Unlängst behauptete Herr Leo, dass schöne Frauen einen besseren Charakter hätten. Er untermauerte seine These mit folgender Argumentation:  Schöne Frauen hätten es leichter im Leben, ihnen fliege vieles ohne Anstregungen zu. Sie hätten dadurch eine größere Selbstachtung, seien milder in ihrem Wesen, ja sie seien einfach viel harmonischer und lebten im Einklang mit sich selber.

Freilich bis vor kurzem hörte man ihn noch das Gegenteil sagen. Hässliche Frauen seien doch viel besser als schöne. Sie gäben sich in allem viel mehr Mühe, müssten einen eigenen besonderen Charme entwickeln und seien auch viel anspruchsloser als ihre angehimmelten, schönen Geschlechtsgenossinen.

Fazit: Herr Leo scheint leider keinen blassen Schimmer vom weiblichen Wesen zu haben.

Doch schauen wir mal, wie sein Guru Friedrich Hebbel das Problem vor bald mehr als 200 Jahren anpackte.

Das Mädchen im Kampf mit sich selbst

1

Schweigend sinkt die Nacht hernieder,
Und in tiefster Dunkelheit
Löst das Mädchen ihre Glieder
Aus dem engen Sonntagskleid.
Aber die Hände irren
Bei den Locken dann und wann,
Und um diese zu entwirren,
Zündet sie ihr Lämpchen an.

Schüchtern nun bei seinem Strahle
Schaut sie in des Spiegels Rund,
Und ihr tut zum ersten Male
Ihrer Schönheit Macht sich kund.
Tief errötend, dennoch zaudernd,
Blickt sie fort und fort hinein;
Dann, wie vor sich selbst erschaudernd,
löscht sie schnell der Lampe Schein.

Leise in sich selbst versinkend
Und aus eignen Zaubers Glanz
Inniges Genügen trinkend,
Ist sie still und selig ganz.
Doch sie will die Lust bezwingen,
weil sie aus ihr selber quillt,
Da verklärt ihr holdes Ringen
Mailich süß ihr frommes Bild.

Und sie sieht´s mit halbem Bangen,
Dass, je mehr sie sich verdammt,
Ihr´s von Stirn und Mund und Wangen
Immer sternhafter flammt.
Gottes eigner Finger leuchtet
Golden durch ihr Angesicht,
Und so wie ihr Blick sich feuchtet,
Löscht ihr Hauch zugleich das Licht.

2

Doch zu nie erschöpftem Segen
Wird dies heilige Empfinden
Auch ihr Innerstes erregen
Und im Maß der Schönheit binden;

Aug´ in Aug´ mit sich im Spiegel
Feite sie sich selbst auf immer;
Unzerbrechlich ist das Siegel,
Wie auch lockt der Erde Schimmer.

Diese wunderbaren Formen,
Die des Leibes Bau ihr schmücken,
Werden die verwandten Normen
Auch in ihre Seele drücken;

Und so wird ihr innres Leben
All die Harmonie erwidern,
Die sie mit geheimen Beben
Angeschaut in Leib und Gliedern.

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Arztpraxis in Ocosingo im Chiappas

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Anekdoten von Herrn Leo

Herr Leo fährt in der Regel wenigstens zweimal im Monat von Triest nach Zagreb. Die Autobahn führt vorbei an dem Atommeiler Krsko, der in seiner unschuldigen Pilzform nur wenige Hundert Meter von der Autobahn entfernt die Vorbeifahrenden in aller Regel unbeteiligt zur Kenntnis nimmt. Anders geht es dabei Herrn Leo, der beim Anblick desselben immer von einem leichten Schauder überzogen wird. Besonders seitdem er vor Kurzem gelesen hat, dass der Meiler in einer stark erdbebenanfälligen Zone errichtet wurde. Nun quält ihn die Frage: Wie groß ist die Wahrscheinlichkeit, dass er gerade in dem Augenblick an dem Meiler vorbeifährt, wo ein Erdbeben ausbricht und der Meiler daraufhin explodiert. Herr J. ist freilich mathematisch vollkommen untergebildet, daher kann er nur vermuten, dass diese Wahrscheinlichkeit größer ist als ein Lottogewinn. Er sollte sich deswegen wohl  erkundigen, ob man darauf Wetten bei englischen Bookmakers abschließen kann.

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Anekdoten von Herrn Leo

Herr H. stellte Herrn Leo folgende schwere Frage: „Was ist der Unterschied zwischen amerikanischem Bier und Beischlafen in einem Kanu?“

Herr Leo zuckte die Schulter und guckte verblüfft in die Gegend.

Darauf Herr H. mit strahlender Miene: “ Es gibt keinen. Beide sind verdammt nahe am Wasser!“

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Hopp Hopp Hopp in Lipica

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Anekdoten von Herrn  Leo

Als Herr Leo von einer Femministin nach dem Namen für eine neue Frauenbewegung gefragt wurde, antwortete er wie aus der Pistole geschossen: „You cunt do it.“

Da von einer Frauenbewegung dieses Namens bislang freilich nichts bekannt wurde, dürfen wir annehmen, dass sich die Frauenrechtlerin nicht hat überzeugen lassen.

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Flowers in the sky

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Bildung und Menschlichkeit

Eine der großen Fragen aller Zeiten, nämlich die: inwieweit bestimmen Bildung und Herkunft menschliche Einfühlsamkeit bzw. die Liebe zum Menschengeschlecht schlechthin. Das, was Fedor Dostojewski dazu vor gut 150 Jahren sagte, ist meiner Ansicht heute aktueller denn je.

„Die Seele und ihre Empfindsamkeit lässt sich nicht nach irgendeinem geistigen Niveau beurteilen. Selbst die Bildung ist in diesem Fall kein Maßstab. Ich bin als erster zu bezeugen bereit, dass ich in den allerungebildesten und niedergedrücktesten Menschen, gerade unter diesen Leidenden, Züge von zartester seelischer Entwicklung wahrgenommen habe. Im Ostrogg (Gefängnislager in Siberien  – Anm. von mir) kannte man bisweilen einen Menschen jahrelang und glaubte von ihm, er sei ein Tier und kein Mensch, und man verachtete ihn. Und plötzlich kommt dann ein zufälliger Augenblick, in dem sich sein Inneres in einem ungewollten Ausbruch aufdeckt – und dann sieht man in ihm einen solchen Reichtum, soviel Gefühl und Herz, ein so scharfes Verständnis und ein persönliches Leiden, dass man erst jetzt sehend zu werden meinst, nachdem man im ersten Augenblick seinen eigenen Ohren und Augen nicht getraut hat. Und andrerseits, wie oft findet man das Umgekehrte: da sieht man Bildung mit einer Barberei vereint, mit einem Zynismus, dass einem übel wird, und wie nachsichtig man auch sein wollte, man findet dafür doch keine Entschuldigung, doch keine Rechtfertigung im Herzen.“

Aus Aufzeichnungen aus einem Totenhaus. Piper. München, Zürich. 11. Auflage, 1999.

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Das Leben ist kein Ponyhof

„Das Leben ist kein Ponyhof!“ – Wem immer dieser Spruch eingefallen ist, ich kann mich vorerst leider noch immer nicht entscheiden, ob  dieser/diese den Nobelpreis verdient hat oder ob man ihn/sie nicht direkt in die Klapsmühle einweisen sollte.

Fast dasselbe gilt übrigens auch für die Sentenz: „Alles im grünen Bereich“.

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Coffee and cigarettes

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Magisches Fenster

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Kommt Zeit, kommt Rat

Kommt Zeit, kommt Rat. Wohl wahr. Der einzige Haken dabei: Man weiß eigentlich nie, ob dann auch der „richtige“ Rat kommt.

 

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Einer ist Staatsbeamter (Kurz EIS)

Nach reiflichen und jahrzehntelangen Überlegungen zum Thema Weltverbessern und aufgrund meines aktuellen Disputs mit der schweizerischen Justiz (siehe ausführlich unten) habe ich mich zur Gründung folgender Bewegung entschlossen „EINER IST STAATSBEAMTER“ (kurz EIS), die das Leben auf unserem Planeten für alle Bürger grundlegend und lebenslang verbessern dürfte. Die Bewegung hat sich nämlich ein einziges Ziel gesetzt: Ein jeder Bürger wird bei Geburt automatisch Staatsbeamter mit entsprechenden Arbeitszeiten, Rechten, Pflichten und natürlich entsprechenden Einkünften und Pensionsansprüchen. Dabei werden die Staatsbeamten in 10 verschiedene Arbeits- und Gehaltsklassen unterteilt. Die Gehälter in den Klassen unterscheiden sich jeweils um 10 %, sodass die Staatsbeamten der Klasse I – also der höchsten Klasse – gerademal doppelt soviel verdienen wie die Beamten der niedrigsten Klasse X.
Ohne große wirtschaftliche Vorstudien bin ich davon überzeugt, dass bei der Verstaatlichung aller Privatvermögen auf der Welt diese Reform problemlos in die Praxis umzusetzen wäre. Also worauf wartet ihr noch: Werdet aktive Mitglieder der Bewegung EIS und schreibt euch heute noch hier unten ein. Unser Kampfruf: Staatsbeamte aller Welt vereinigt euch!

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Der Gerechtigkeit wird Schuldigkeit getan

Dank einer Geschwindigkeitsübertretung von 2 km bin ich von der Schweizer Justiz – von einer Staatsanwältin, die sich als Nachnamen mit dem militärischen Namen „Eigenheer“ schmückt – zu einer Geldbusse von CHF 248,00 verurteilt worden. Schon aus prinzipiellen Gründen muss ich gegen diese Strafe Einspruch erheben, denn wenn mich 2 km Geschwindigkeitsüberschreitung grundsätzlich CHF 248,00 kosten sollen, kann ich in kürzester Zeit meinen Bankrott anmelden.

Doch die Schweizer Justiz weiß Abhilfe. So zitiere ich aus dem Informationsblatt zum Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Basel-Stadt:

Unbedingte Geldstrafe, Busse und Verfahrenskosten (was Autobusse hier zu suchen haben, ist mir ein Rätsel – A.d.V.)

2. Wird die unbedingte Geldstrafe oder die Busse (!) nicht bezahlt und ist sie auf dem Betreibungsweg uneinbringlich, tritt an ihre Stelle eine Ersatzfreiheitsstrafe. Die Ersatzfreiheitsstrafe entfällt, soweit die unbedingte Geldstrafe oder die Busse nachträglich bezahlt wird. 

Gemeinnützige Arbeit

4. Beschuldigte Personen, die mit dem Strafbefehl grundsätzlich einverstanden sind, an Stelle der ausgesprochenen unbedingten Freiheitsstrafe, der unbedingten Geldstrafe oder der Busse jedoch gemeinnützige Arbeit verrichten möchten, haben gegen den Strafbefehl fristgerecht Einsprache zu erheben und einen entsprechenden Antrag an die Staatsanwaltschaft zu stellen. Ein Tag (Ersatz-) Freiheitsstrafe oder ein Tagessatz Geldstrafe entspricht vier Stunden gemeinnütziger Arbeit. Verfahrenskosten können nicht in gemeinnützige Arbeit umgewandelt werden.

Soweit aus dem Informationsblatt. Nach einiger Überlegung habe ich darafhin folgendes Antwortschreiben verfasst.

Staatsanwaltschaft Basel-Stadt
Strafbefehlsdezernat
Binningerstraße 21
CH-4001 Basel

Sehr geehrte Staatsanwältin Eigenheer,
in Bezug auf Ihre Verurteilung darf ich wie folgt Stellung nehmen.

1) Leider ist es mir aus prinzipiellen und finanziellen Gründen vollkommen unmöglich, Ihrer Aufforderung zu einer Strafzahlung von CFR 248 wegen 2 km Geschwindigkeitsüberschreitung Folge zu leisten.

2) Wenn ich Ihr Informationsblatt richtig verstehe, kann ich die Strafzahlung durch eine Gefängnishaft ersetzen.

3) Gern erkläre ich mich daher bereit, eine Gefängnisstrafe anzutreten. Herzkrank und stark infarktgefährdet kann ich dabei auf eine positive Endlösung hoffen.

Gern erwarte ich Ihre weiteren Instruktionen in dieser Sache. Gleichzeitig würde es mir eine große Freude bereiten, wenn Sie der von mir ins Leben gerufenen Bewegung „Einer ist Staatsbürger“ (kurz EIS) beitreten würden. Ausführlichere Informationen zu dieser Bewegung entnehmen Sie bitte der Webseite: www.lobimini.com
Ich bedanke mich für Ihre Aufmerksamkeit und freue mich auf Ihre Rückantwort

Mit freundlichen Grüssen

Jens Reuschel

P.S. Ich darf Sie bitten auf Ihrem Informationsblatt das Wort Busse in Buße auszubessern. Herzlichen Dank.

Nachtrag: Fortsetzung folgt.

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Zisterzensier Kreuzgang in der Abtei von Follina

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Handymanie im öffentlichen Zagreber Nahverkehr

Steigt man in die gemütlichen Zagreber Straßenbahnen, bietet sich einem ein ungewohntes Bild: Fast alle Fahrgäste halten ihr Handy in der Hand. Doch kaum einer telefoniert. Sie schauen zumeist auch kaum auf das Handy, sondern betrachten eher mit Interesse – oder sollte ich besser sagen mit ängstlichem Interesse – die anderen Fahrgäste. Lange Zeit konnte ich mir einfach keinen Reim darauf bilden. Und fragte mich häufig: Was treibt den Zagreber dazu, in den Bussen oder Straßenbahnen das Handy in der Hand zu halten. Ist es hier vielleicht ein so großes Statussymbol, dass sich einfach alle damit wichtig tun müssen? Oder ist der Empfang dort besonders gut? Ja warten vielleicht alle gerade in der Straßenbahn auf den Anruf ihres Lebens?

Nun, irgendwann wurde ich dann aufgeklärt. Der Grund ist natürlich viel prosaischer, wie fast alles im Leben. Vor cirka 15 Monaten hat der Zagreber Verkehrsverband sich elektronisch revolutioniert und die Variante eingeführt, dass man die Fahrkarte per Sms kaufen kann. Finde ich irgendwie Klasse diese Revolution. Doch jetzt frage ich mich nur, wie der Verband da auf seine Kosten kommt, denn zumindest die kroatischen Handybesitzer – und das sind auch dort über 90 % der Bevölkerung – dürften seitdem keine Fahrkarten mehr kaufen,  sondern stattdessen lieber ihr Handy in der Hand halten. Für den Fall der Fälle.

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Dringliche Anfrage

Wer hat ein Alibi für mich?
Ich brauche eins für morgen,
da soll ich es um 12 Uhr 10
der Königin besorgen.

Die Königin ist klein und rund,
der König groß und eckig.
Dem, den sein Misstraun auch nur streift,
geht es entsetzlich dreckig.
Um 12 Uhr 10 bin ich bestellt.
Ich trau mich gar nicht, hinzugehn.
Es sei, ich hätt‘ ein Alibi.
Wer sah mich morgen, 12 Uhr 10?

Aus „Wörtersee“ von Robert Gernhardt.

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Gut behütet in Trapani

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Napoleon Bonaparte über seinen Kerkermeister auf der Insel Sankt Helena

 

„Ich habe Preußen, Kosaken, Tataren und viele andere gesehen! Aber in meinem ganzen Leben sah ich noch keine so unheilbringende, abstoßende, widerliche Fratze. Ihm ist das Verbrechen auf das Gesicht gepägt.“

Und:

„Der Gouveneur ist ein zu seinem Posten gänzlich unfähiger Mensch. Er besitzt viel List, aber weder Talent noch Charakter. Er ist ein argwöhnischer, arglistiger, verlogener, ränkevoller Mensch und ist voll Falschheit. Gerade wie die Italiener des 15. und 16. Jahrhunderts. Er würde sich vortrefflich zum Spion der Inquisition eignen! Man sollte ihn nach Goa schicken.“

Aus: „Napoleon auf Sankt Helena. Memoiren des Sir Hudson Lowe, Gouveneurs von St. Helena.“ Stuttgart, 1910.

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50 % zu und 100 % zu

50 %: Zuerst habe ich Lust, zumindest immerzu per Zug zu dir zu kommen statt zuhause zu bleiben.

100 %: Mia san zua  – Im Süden

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Monogamist

Ein Monogamist ist jemand, der monogam für Mist hält.

                                                                   

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Sonnenbrillenmonogamist

Im Prinzip bin ich recht monogam veranlagt. Dies gilt besonders auch, was meine Beziehung zu Sonnenbrillen angeht. Das Verhältnis mit meiner letzten Sonnenbrille dauert sicherlich länger als ein Jahrzehnt. Es handelte sich um eine namenslose Polaroidbrille, die jede Menge Reize in sich trug. Sie war leicht, alles aus Plastik und daher in großem Maße biegbar. Sie schützte mich vor intensiven Sonnenstrahlen und spiegelte die Außenwelt recht farbgetreu wider. Die Fassung hatte sich zwar im Laufe der Jahre etwas gelockert, sodass die Gläser herausfielen, doch taten sie dies eigentlich nie, ohne mich davon in Kenntnis zu setzen. Und sie zeigte sich nachsichtig, denn man konnte die Gläser ohne Probleme leicht wieder in die Fassung drücken. Es sprach für sie auch, dass sich die Anschaffungskosten in Grenzen hielten (damals wohl noch ca. 20 DM) und sie mir absolut keine Unterhaltskosten verursachte. Diese Idylle hätte vermutlich noch über Jahre weitergehen können, wenn sie nicht im letzten Jahr vollkommen überraschend auf einem Zagreber Parkplatz verschwunden wäre. Wie zumeist in einer langjährigen Beziehung ist die Schuldfrage nicht eindeutig zu klären. Ging sie auf dem Dach eines anderen Autos fremd, hat sie sich nur einfach aus meiner Tasche fallen lassen, gefiel ihr der Kellner im Restaurant, wo ich mit meiner neuen Freundin zu Mittag gegessen hatte, zu gut oder ist sie einfach aus Eifersucht auf dem Restauranttisch liegen geblieben, wer wird es wissen. Alle meine Nachforschungen blieben jedenfalls ergebnislos.

Seit diesem tragischen Zeitpunkt ist mein Verhältnis zur Sonnenbrillen äußerst problematisch geworden. Da ich mir schon allein wegen der hohen Anschaffungs- und Unterhaltskosten aus Markennamen nichts mache – ich zweifle zudem stark an ihrer Treue -, versuchte ich bislang mein Glück mit chinesischen Sonnenbrillen, die sich für oft lächerlich niedrige Preise um 1-3 Euro hergaben. Zwei oder drei Modelle hatten mich auch durch ihre wohlgestaltetes Äußeres stark beeindruckt, ja ich würde fast von Liebe auf den  ersten Blick sprechen wollen. Lässt man sich dann freilich länger auf sie ein, zeigen sie ihre Tücken und Fehler. So nehme ich mit ihnen die Außenwelt in komischen Farben war, und oft verschaffen sie mir nach kurzer Zeit ein ziemliches Kopfweh.

Doch  vielleicht zeichnet sich am Horizont nun ein Happy End ab, denn vor ca. 7 Tage begegnete ich bei Lidl Auriol. Zuerst einmal trägt sie im Gegensatz zu ihren anonymen chinesischen Vorgängerinnen diesen schönen Namen Auriol. Doch nicht nur dies, denn dank weiterer Angaben wie Cat.3 und U62.447/8 gehe ich auch von einer guten familiären Abstammung aus. Etwas stutzig machte mich freilich der Umstand, dass auch sie in China das Licht der Welt erblickt hat. Doch dies ist wohl heute üblich. Und sie ist nicht wirklich eine Schönheit, nicht proportional gebaut, denn mit ihren verhältnismässig großen Gläsern verdeckt sie gut 50 % meiner Gesichtsfläche. Dies mag sich für mich aber durchaus als vorteilhaft herausstellen, wobei ich da nicht in die Einzelheiten gehen möchte. Jedenfalls vorteilhaft in mehrfacher Hinsicht, denn so dürfte es ihr schwerfallen, mir untreu zu werden. Aber warten wir es ab, denn unsere Beziehung steckt ja noch in den Kinderschuhen.

Liebe Auriol, ich wünsche uns zusammen nur das Allerbeste!

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Wüstenroter Zeitbegriff

Vor mir der Antrag auf Wohungsbauprämie 2012 von Wüstenrot. Darauf links oben kleingeschrieben: „Bitte umgehend (spätestens bis 31.12.2014) zurückschicken an: Wüstenrot Bausparkasse AG…“

Das nenne ich fristgerecht!

 

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Der gerettete Unterrock

„Ich glaubte, eine Unschuld zu retten und rettete – einen Unterrock.“ Zumeist wird allein dieser Satz Friedrich Hebbels zitiert, den er am 16. Juli 1835 in sein Tagebuch eintrug. Doch das Verständis dieser Sentenz erschließt sich wohl erst aus dem Zusammenhang und der lautet so: „Jenes Mädchen, das ich schreien hörte, das ich aus den aufgedrungenen Umarmungen eines Mannes errettete, das mir nachher selbst um den Hals fiel und mir sagte, es ist ja nicht um das bißchen Arbeit, sondern um mein Kleid, welches so schmutzig wird.“  Wie man es auch sieht, Hebbel hat sich jedenfalls recht heldenmässig aufgeführt.

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Vergebliches Duell auf der Giudecca Insel in Venedig

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Mexikanische Pattstellung in ……….Italien

Um die aktuelle politische Situation in Italien zu beschreiben, bietet sich ein Begriff an, der vermutlich von den italienischen Spaghettiwestern ins Leben gerufen wurde und nun in lebensechter Gestalt nach Italien zurückkehrt.  Die typische Situation der mexikanischen Pattstellung besteht  darin, dass sich mehrere Kontrahenten (zumeist 3 Protagonisten) mit  auf den Gegner gezielten Pistolen (eine oder manchmal auch zwei) in Schach halten.  Die bekannteste Filmszene für das mexikanische Patt dürfte aus dem Western Sergio Leones „Zwei glorreiche Halunken“ (im Original: The good, the bad and the ugly) stammen. Hier die Beschreibung dieser Szene aus der Wikipedia:

Als Tuco und der Blonde schließlich den gesuchten Friedhof finden und kurze Zeit später auch Sentenza dort eintrifft, kommt es zwischen den drei Meisterschützen zu einem nervenaufreibenden Showdown – der Sieger und einzige Überlebende soll den Stein erhalten, auf den der Blonde, wie er vorgibt, den gesuchten Namen des Grabs (wo der Goldschatz verborgen ist – Anm. von mir)  geschrieben hat. Während die beiden anderen jeweils zwei Gegner belauern müssen, hat der Blonde jedoch in der Nacht zuvor Tucos Waffe entladen und kann sich daher nun ganz auf Sentenza konzentrieren. Er erschießt ihn und lässt Tuco anschließend das Gold ausgraben. Dann zwingt er ihn, sich mit einem Galgenstrick um Hals und Ast auf ein wackeliges Grabkreuz zu stellen, und reitet mit der Hälfte des Geldes davon. Von weitem legt er sein Gewehr auf den um Hilfe jammernden Tuco an und zerschießt den Strick wie in alten Zeiten. Tuco bekommt einen Wutanfall, während der Blonde ruhig dem Horizont entgegen reitet.

In dieser Situation ist der Blonde eindeutig in einer bevorzugten Stellung, da er sich gut auf das Treffen vorbereitet hatte. Die italienische Wirklichkeit hat den Film nun eingeholt und die 3 politischen Kontrahenten Bersani (PD), Berlusconi (PL) und Grillo (Bewegung 5 Sterne) handeln fast genauso wie unsere Westernhelden.  Nur sind sie nach dem Wahlausgang von Ende Februar vollkommen unvorbereitet in dieses Showdown gegangen. Und auch was die Besetzung der Rollen angeht, dürfte nicht nur bei mir noch große Unklarheit bestehen, wer hier den Guten, den Bösen und den Hässlichen abgibt. Hässlich sind sie jedenfalls alle drei. Ziemlich sicher ist auch, dass die drei Kontrahenten aus diesem Patt mit dem Leben davonkommen werden. Anders sieht es freilich für die Zuschauer, sprich die italienischen Wähler, aus.  Es vergeht kaum ein Tag, an dem jemand nicht Selbstmord verübt, weil er aufgrund der galoppierenden Wirtschaftskrise seine Arbeit oder sein Unternehmen einbüsst  und nun vor dem Nichts steht.  Doch damit haben wir endgültig das Westernszenario hinter uns gelassen. 

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 Klaviatur des Geistes

„Gewiß ist die Sinnlichkeit die Klaviatur des Geistes.“ Aus Hebbels Tagebüchern: Erstes Tagebuch 1838. Der Spruch wirkt allein schon so glänzend. Verständlicher wird er freilich mit dem Vorsatz, den Hebbel dazuschrieb: „Oft ist es, als ob im Menschen ein hohes geistiges Bedürfnis erwachte, indem er ein körperliches befriedigt.“ So schrieb Hebbel. Doch ist dem wirklich so?

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Hunde als Drogenkuriere – Alles schon mal dagewesen

„Gemetzel von Hunden, die als Drogenkuriere dienten. 75 Verhaftungen in Mailand.“  So die Überschrift in der italienischen Tageszeitung vom 19. März 2013. Sodann der Artikel: „Mit großwüchsigen Hunden wurde ein lebhafter Kokainschmuggel in Italien betrieben. Dank chirurgischer Eingriffe wurden das Kokain in den Hunden versteckt, die bei der Ankunft an ihr Ziel getötet wurden, um an die Drogen zu kommen. In Mailand wurden 78 Haftbefehle an 57 Voll- und 18 Minderjährige erlassen, die fast ausschießlich aus Lateinamerika kommen… Für die Kurierdienste wurden vor allem San Bernardiner, deutsche Dogge, Bordeauxdogge, Mastino Napolitano und Labrador gebraucht. Einmal eingetroffen, wurden die Hunde aufgeschnitten und aus ihren Därmen 1,250 kg reines Kokain geholt. Bevor das Kokain in die Därme der Hunde getan wurde, wurde es in eine Zellophanhülle verpackt, danach mit Kohlepapier umwickelt,um es gegen Röntgenstrahlen zu schützen. Dann wiederum in Zellophan und noch mit schwarzen Klebestreifen umklebt als weitere Schutzmaßnahme gegen Röntgenstrahlen. Die Polizei schätzt, dass circa 48 Reisen auf diese Art durchgeführt wurden und ein einziger Hund  mit dem Leben davongekommen sei.“

Vor etwa 180 Jahren wurde diese Schmuggelei auch schon praktiziert, wie wir aus den Tagebuchnotizen von Friedrich Hebbel vom 15. Dezember  1836 entnehmen können. Freilich in wesentlich größerem Stil, aber nicht ganz so grausam.

Französische Smuggelei

Der Smuggelhandel an der Nordgrenze wird hauptsächlich durch Hunde betrieben, welche nach Belgien gebracht und dann mit Waren bepackt zurückgeschickt werden. Um dies zu beschränken, hat der Finanzminister auf die Hunde von starker Rasse für die Landgrenze zwischen Dünkirchen und Les Rousses einen Ausfuhrzoll von fünf Franken für den Kopf gelegt. Die Zahl der zu solchen Zwecken benutzten Hunde beläuft sich auf 5-600 000, und die Dounaniers vermögen unter 100 kaum eines sich zu bemächtigen. Jeder trägt 5 bis 6 Pfund. 400000 mit Tabak beladene Hunde machen dem Staatsschatz einen Verlust von fünf bis sechs Millionen Franken. Die Dressur besteht darin, daß die Hunde in Frankreich gut behandelt, in Belgien gemißhandelt und, um sie gegen die Dounaniers scheu zu machen, von Zeit zu Zeit ebenfalls in Belgien durch einen in deren Uniform gekleideten Mann durchgepeitscht werden. Sind sie in Belgien ausgehungert, so befrachtet man sie und läßt sie nachts los, wo sie dann in größter Eil‘ nach Frankreich zurückkehren. Von Frankreich nach Belgien wurden sie bisher angebunden bei Tage durch die Herren geführt.

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Fast schon ein Bekannter

Als ich heute nachmittag meinen Tabakladen in Muggia verließ, wurde ich von einem Mann im Alter von 35 Jahren angesprochen  (5 Jahre plus oder 5 minus liegen auf jeden Fall drin, denn ich verschätze mich beim Alter leicht): „Hallo, altes Haus, du erkennst mich doch sicher?“ Ich guckte ihn genauer an, irgendwie kam er mir schon bekannt vor, aber mein Personengedächtnis war aufgrund meiner Kurzsichtigkeit noch nie meine Stärke. Also murmelte ich:“ Ja, warte mal, du bist doch….“. Aufmunternd nickte er mir zu und sagte:“ Genau der Sohn von …“

Ich vermutete, er wollte mir damit eine Eselsbrücke bauen, aber ich tappte noch immer vollkommen im Dunkeln und zuckte nur hilflos mit den Schultern. Darauf er: “ Der Sohn von Maurizio…!“ Maurizio? Ich kannte sicherlich 4 oder 5 Maurizio, aber konnte ihn immer noch nicht einordnen. Also zuckte ich wieder. „Na, der Sohn von Maurizio Figl, aber du kennst ihn vermutlich besser unter dem Namen Vodopiva?“ Beide Nachnamen sagten mir erst einmal gar nichts, aber das will nicht viel bedeuten, denn auch mein Namensgedächtnis ist nicht immer das beste. Also blieb mir nichts anderes übrig, als wieder mit den Schultern zu zucken. Darauf er weiter im vertraulichen Ton: „Stell dir vor, mein Vater hat mich vor die Tür gesetzt. Seit einer Woche lebe ich auf der Straße. Und davor hat er mich auch noch grün und blau gehauen. Mit einem großen Stock. Schau hier, mein Kratzer im Gesicht. Oder willst du auch meinen Rücken sehen? Übrigens kannst du mir ein wenig aushelfen?“

So langsam dämmerte es mir, und ich sah langsam Land in Sicht. Einen Maurizio mit einem Stock, der seinen Sohn verdrescht und vor die Tür setzt, dürfte wohl kaum zu meinem Bekanntenkreis zählen. Also war mein Gedächtnis doch nicht so jämmerlich schlecht, wie ich es schon ohne weiteres hätte einräumen wollen. Richtig gut habe ich mich aber trotzdem nicht aus dieser Begegnung davongestohlen, denn ich verabschiedete mich daraufhin nur kurzangebunden. Doch einige Euros war dieser Auftritt wohl sicherlich wert. Ich sollte es mir zu Herzen nehmen, wenn mein Bekannter das nächste Mal meinen Weg kreuzt.

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Beppe Grillo – der neue Mussolini? Zumindest laut Spiegel

Italiens Wahlsieger Grillo: Der gefährlichste Mann Europas

Eine Kolumne von Jan Fleischhauer

Auch in Deutschland gilt Beppe Grillo als Hoffnung. Dabei ist sein radikaler Antiparlamentarismus im Kern antidemokratisch. Der britische Journalist Nicholas Farrell sieht sogar Parallelen zu Benito Mussolini.

Siehe ausführlich: http://www.spiegel.de/politik/ausland/italiens-wahlsieger-grillo-der-gefaehrlichste-mann-europas-a-888851.html

So laut der Kolumne von Jan Fleischhauer aus dem Spiegel online vom 14.3.2013. Für mich sind diese Ängste zurzeit unbegründet, denn die politische Ethik und Moral ist in Italien in den letzten 20 Jahren vollkommen auf den Hund gekommen. Nicht dass sie früher Glanzzeiten erlebt hätte, ja sogar schon Machiavelli dozierte, dass die Politik alle Mittel rechtfertige. Doch er hatte zumindest hehre Ziele im Auge, nämlich die Einigung des in zahllosen Kleinsstaaten zersplitterten Italiens. Während die Politikkaste der letzten zwei Dekaden nur eins vor Augen hatte: Sich selbst zu bereichern. Schlimmer konnte es eigentlich nicht mehr kommen.

Daher ist eine Erscheinung wie Grillo  erstmal eine unglaubliche Bereicherung für die italienische Politik und Gesellschaft. Die in Scharen ins Parlament eingezogenen Grillini unterscheiden sich von den alten Politkern wie der Weizen von der Spreu. Ihr Programm ist in den meisten Punkten zu unterschreiben und wurde bislang auch demokratisch diskutiert und abgestimmt. Daher sollte man ihnen jetzt den notwendigen Kredit einräumen. Und gegenwärtig kann ich mir kaum vorstellen, dass sie eine wie auch immer geartete diktatorische Ausrichtung unterstützen könnten.

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Kampf ums Überleben oder Ladendiebstahl auf andere Art

In letzter Zeit häufen sich die Fälle, wo mich die Kassenangestellte in den Supermarkts versuchten übers Ohr zu hauen. Zwei Mal versuchten sie bei der Herausgabe des Restgelds zu betrügen: Das erste Mal wollten sie statt auf meinen 20-Euro-Schein nur auf Euro 10 herausgeben. Das zweite Mal dann ganz frech, denn auf meine Euro 50 sollte ich nur auf Euro 20 Restgeld bekommen. Der letzte Fall passierte nun gestern, wo mir eine Konfektion Rosenkohl zu Euro 1,98 zweimal in Rechnung  gestellt wurde. Bei meinen Beanstandungen wurden diese „Irrtümer“ sofort zugegeben, und ich hatte zumindest in der Sache keine weiteren Probleme.

So weit, so gut oder so schlecht. Doch ich zerbreche mir jetzt über die Gründe für dieses Verhalten den Kopf. Bislang sind mir drei eingefallen, doch vermutlich dürfte es noch eine ganze Menge weiterer geben.

– Aufgrund der wirtschaftlichen Krise, die auch vor den italienischen Supermärkten nicht halt gemacht hat und deren Umsätze im letzten Jahr um ca. 10 % hat zurückgehen lassen, versuchen die Märkte auf anderem Wege ihre Bilanz aufzubessern.

– Ich sehe so naiv oder trottlig oder einkaufsunerfahren oder gut ernährt (vielleicht auch von allem ein bisschen) aus, sodass bei den Kassenangestellten der Eindruck entsteht, bei dem versuchen wir es, der merkt eh nichts.

– Ich bin ein ausgeprägt misstrauischer Charakter.  Diese Fälle sind harmlos, und die Angestellten haben sich einfach nur geirrt. Schluss & Aus.

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24 Eskimowörter für Schnee und mein Wort für die Sonne – Ein Liebesgedicht für R.

1)       qanik: fallender Schnee

2)      qanittaq: vor kurzem gefallener Schnee

3)      aputi: Schnee auf dem Boden

4)      maujaq: weicher Schnee auf dem Boden

5)      masak: nasser fallender Schnee

6)      matsaaq: halbgeschmolzener Schnee auf dem Boden

7)      aqilluqaaq: Treiben von weichem Schnee

8)      sitilluqaq: Treiben von hartem Schnee

9)      kaviʁisiʁlaq: durch Regen und Frost rauh gewordener Schnee

10)   pukak: kristallener Schnee auf dem Boden

11)   miŋuliq: feiner Mantel von pudrigem Schnee

12)   natiʁuvaaq: feiner von Wind getragener Schnee

13)   piiʁtuʁiniq: dünner Mantel von weichem Schnee auf einem Objekt

14)   qiqumaaq: Schnee, dessen Oberfläche gefroren ist

15)   katakaʁtanaq: harte Kruste von Schnee, die unter Fußstapfen nachgibt

16)   aumannaq: Schnee im Begriff zu schmelzen, auf dem Boden

17)   aniu: Schnee zum Herstellen von Wasser

18)   siʁmiq: schmelzender Schnee als Baumaterial für ein Schneehaus

19)   illusaq: Schnee benutzbar zum Bauen eines Schneehauses

20)   isiʁiaʁtaq: gelber oder rötlich fallender Schnee

21)   kiniʁtaq: kompakter Schnee

22)   maŋŋuq: schmelzender Schnee

23)   qannialaq: leicht fallender Schnee

24)   qanniapaluk: sehr leicht fallender Schnee, noch in der Luft

Doch es gibt für mich nur ein Wort für die Sonne, und das heißt Du.

 

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Jetzt haben wir den Salat und dazu einen diplomatischen Eklat

Wie nicht schwer vorauszusehen war, war das Chaos bei den italienischen Wahlen vorprogrammiert. Ich hatte mich zwar bei meiner Wahlprognose vor ca. 14 Tagen bei den Zahlen leicht verschätzt, aber beim Endresultat, nämlich der Unregierbarkeit Italiens, die aus den Urnen hervorgegangen ist, lag ich genau richtig. Es stehen sich nun im Parlament drei Blöcke mit einem recht ähnlichen Stimmenanteil gegenüber: Mitte-Limks-Koalition 29,5 % der Wählerstimmen, Mitte-Rechts-Koalition 29,1 % und die „Grillini“ bzw. die Bewegung der 5 Sterne 25,5 %.  Die letzteren, die keine Koalition bildeten, sind damit sogar als stärkste Partei aus den Wahlen hervorgegangen.  Da keine der drei Blöcke mit den anderen zwecks Regierungsbildung zusammengehen will,  stehen wir nun vor der Quadratur des Kreises. Es ist gegenwärtig zwar nicht vollkommen auszuschließen, dass sich zumindest eine temporäre Lösung finden wird, die einige grundlegende Reformen wie eine Wahlrechtsreform, eine Reform der unzähligen wirtschaftlichen Privilegien der politischen Kaste Italiens und eventuell auch eine Reform zum Interesenkonflikt auf dem italienischen Mediensektor (Berlusconi hält etwa 50 % der öffentlichen Medien in seinen Händen) durchführen wird. Doch für eine längerfristige politische Lösung sind zurzeit keinen Anzeichen sichtbar.

Diplomatischer Eklat

Der Kanzlerkandidat der SPD Steinbrück ist gestern mit seinen Äußerungen zum Ergebnis der italienischen Wahlen voll ins Fettnäpchen getreten. Er mag aus deutscher Sicht nicht vollkommen unrecht haben mit seiner Behauptung, dass bei  den italienischen zwei Clowns gewonnen hätten. Einer der Clowns, erklärte Steinbrück weiter, sei der Komiker Beppo Grillo, „ein beruflich tätiger Clown, der auch nichts dagegen hat, wenn man ihn so nennt“. Berlusconi sei „definitiv ein Clown mit einem besonderen Testosteron-Schub“.  Nur so etwas darf man nicht laut auf einer Wahlveranstaltung verkünden, schon gar nicht, wenn  man am darauffolgenden Tag vom italienischen Staatspräsidenten empfangen werden will.  Dieser hat das Treffen nach Steinbrücks Erklärung denn auch prompt abgesagt.

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Der fürsorgliche Kinokartenverkäufer

Wenn ich ins Kino gehe gehe – im Schnitt 1 bis 2 mal im Monat, fahre ich am liebsten von Triest 20 km ins slowenische Koper, denn in Slowenien werden alle Filme in der Originalsprache mit slowenischen Untertiteln gezeigt. Serbokroatische Untertitel wären mir lieber, denn die kann ich gut verstehen, während ich beim slowenischen gerade mal auf ein Drittel an Verständnis komme. Doch laufen die Filme auf Englisch, Serbokroatisch oder gar Deutsch (passiert freilich selten), verstehe ich in etwa weitere 2 Drittel, sodass ich einigermaßen klarkomme.

Eigentlich wollte ich mir den neuen Film „Django unchained“ von Tarantino angucken, aber da ich gestern um 23 Uhr wieder zuhause sein wollte, um die Sportschau mit dem Derby Inter gegen AC Mailand anzusehen, kam der Film wegen Überlänge nicht in Frage. Also entschied ich mich für den Film „Film 43″.  Nach dem Anschauen des Trailers erwatete ich mir nicht viel, aber neben einer ganzen Reihe von Stars war Kate Winslett aufgeführt, und die schaue ich mir immer sehr gern an. Kurz vor Filmbeginn kam ich an die Kasse, wo zum Glück gähnende Leere herrschte. Auf meine Bitte für eine Karte für den Film 43, schaute mich der junge, sympathisch aussehende  Kartenverkäufer erstaunt an und sagte mir dann: “ Sind Sie sicher? Der Film ist sauschlecht, ich würde Ihnen eher Tarantino empfehlen.“ Ich schaute echt verblüfft drein, sagte ihm aber, dass ich um 23 Uhr zuhause sein müsste und deswegen lieber Film 43 gewählt hatte. Darauf er nur kurz: „Nun wenn Sie unbedingt wollen,“ und löste recht unwillig das Ticket. Als ich mich dann auf den Weg in den Saal machte, hatte ich fast ein schlechtes Gewissen.

Ach ja, und vermutlich wollt Ihr wissen, ob der Film denn wirklich so sauschlecht ist. Ein Meisterwerk ist es auf keinen Fall, aber die Szene, wo Kate Winslett mit einem gewissen Hugh Jackman in einem eleganten Restaurant zu Abend ißt – es ist ihr erstes Rendezvous –  und dem Jackmann die Hoden vom Hals herabhängen, ist zumindest recht lustig. Er gibt sich vollkommen unbekümmert, und sie ist anscheinend die einzige im ganzen Restaurant, die die Hoden bemerkt und sich keinen Vers darauf machen kann. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt.

Und das Lokalderby endete 1:1, und ging also friedlicher aus als erwartet. Auch Balotelli hatte sich trotz der Buhrufe der Interfans, die den Wechsel von Balotelli zum Lokalrivalen schlecht verdaut hatten, ganz gut im Griff, sodass der erwartete Eklat ausblieb. Jetzt fiebern wir dem Walhlergebnis der italienischen Palmentswahlen entgegen. Sollte sich meine Prognose bewahrheiten, haben wir zumindest einen weiteren Politeklat.

 

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Wahlkampf in Italien: Die Rückkehr des Kapitäns

DIE RÜCKKEHR DES KAPITÄNS

von Peter Weber

Es war ein trüber Januarmorgen, als die Hafenarbeiter an der Mole der Insel Giglio eine schemenhafte Gestalt erblickten, deren Umrisse ihnen merkwürdig vertraut vorkamen. Im ersten Schreck glaubten sie wohl, es handele sich um einen Geist, den Wiedergänger einer Person, die sie kaum ein Jahr zuvor mit Schimpf und Schande von der Insel gejagt hatten in der begründeten Hoffnung, ihr zumindest an diesem Ort nie mehr zu begegnen.
„Kapitän Schettino!“ murmelten die Männer wie versteinert, „Er ist zurück!“
„Ja, ich bin wieder da,“ gab der Kapitän streitlustig zurück, „und keine Minute zu spät, wie ich sehe!“
Bei diesen Worten ließ er seinen Blick zu dem traurigen Relikt schweifen, das an der Hafeneinfahrt um 160° geneigt auf der Seite lag. Manche Aufbauten verrieten immer noch den einstigen Glanz des Luxusliners, aber eine klaffende Wunde backbords unter der Wasserlinie verkündete unmissverständlich, was den stolzen Giganten zu Fall gebracht hatte. Kräne und Rampen im Wasser gaben Zeugnis von den komplizierten und sicher sehr kostspieligen Bergungsarbeiten.
„Was habt ihr nur mit meinem schönen Schiff gemacht?“ fragte Schettino mit theatralischer Geste.

Er hatte wieder seine Kapitänsuniform angelegt und trug die Mütze unter dem Arm. Seine schwarz gefärbten Locken waren sauber gescheitelt, und auch sonst war sein Auftritt in jeder Hinsicht so schneidig wie vor Jahr und Tag. Eingeschüchtert drängte sich die Hafenmannschaft um ihren Vorarbeiter, der vorsichtig den Mund öffnete, um eine Antwort zu wagen, doch Schettino kam ihm zuvor.
„Keine fünf Minuten kann man euch alleine lassen, und schon produziert ihr nichts als Unheil!“ rief er in vorwurfsvollem Ton. Die trotz der winterlichen Jahreszeit sonnenverbrannten Gesichtszüge formten ein tiefgefrorenes Lächeln, das blitzend seine Zähne entblößte.
„Aber Ihr habt das Schiff doch selber steuerlos treibend vor unserer Hafeneinfahrt auf Grund gesetzt,“ entgegnete der Vorarbeiter tapfer.
„Ja, im tiefen Wasser wäre es unweigerlich abgesoffen,“ ergänzte einer der Kranführer.

Schettino schnappte nach Luft. „Ich? Ich hätte mein Schiff auf Grund gesetzt? Das ist ja eine Ungeheuerlichkeit! Solange ich auf der Brücke das Kommando führte, hatten wir alles unter Kontrolle. Das bisschen Seitenlage war gewiss kein Grund zur Besorgnis. Nicht bei so einem beschlagenen Kapitän wie mir!“
„Warum habt ihr das Schiff dann verlassen?“ fragte der Vorarbeiter.
„Das war ein großzügiger Akt der Verantwortung. Ich habe mich geopfert, um den übrigen Offizieren ein leuchtendes Beispiel zu geben. Durch diese Opferbereitschaft habe ich mir höchste Anerkennung verdient.“
„Wieso war das denn notwendig, wenn es nach Ihren Worten doch gar keinen Grund zur Beunruhigung gab?“
„Weil auf der Brücke alles drunter und drüber ging.“ erklärte Schettino unbeirrt. „Jeder machte, was er wollte und tat so, als ob ich gar nicht da wäre.“
„Dann wäre es Ihre Aufgabe gewesen, die Offiziere anzuweisen und die Ordnung wiederherzustellen!“
„Das habe ich ja versucht, aber als Kommandant hat man leider gar keine Machtmittel,“ rechtfertigte sich Schettino. „Ihr könnt euch gar nicht vorstellen, wie lange es dauert, auch nur einen Befehl umzusetzen! Ich gebe glasklare Anweisungen, aber während meine Offiziere sie an die Mannschaft weiterleiten, wird alles solange zerredet, bis nichts mehr davon übrig ist.“
„Das verstehe ich nicht, wo doch alle nur Eurem Kommando unterstellt sind.“

Da sie merkten, dass der Kapitän ihnen keine weiteren Vorwürfe machte und stattdessen bereitwillig Rede und Antwort stand, legten die Arbeiter ihre Hemmungen ab und brachten reihum alle Zweifel vor, die sich während der langwierigen Bergungsarbeiten in ihren Hirnwindungen eingenistet hatten. „Die Offiziere und Matrosen habt Ihr doch auch größtenteils selber ausgesucht.“
„Ja, schon, aber dann hat sich mein erster Offizier gegen mich verschworen und jeden meiner Befehle durchkreuzt,“ kam die nächste Ausrede. „Während wir unser Bestes gaben, hat er immer dagegen gearbeitet.“
„Vielleicht habt Ihr bei der Auswahl doch keine so gute Hand gehabt?“
„Ganz ausgeschlossen! Aber es ist schon ziemlich unverständlich, was ihn dazu getrieben hat. Ja, wenn ich mehr Macht hätte, … aber so wie es jetzt steht, kann ich kaum den Kurs vorgeben, und dann arbeitet doch jeder wieder auf eigene Rechnung.“
„Seltsam, dass sich von den anderen Schiffsführern kein einziger auf derart jämmerliche Weise beklagt…“

DIE MEINUNGEN ÜBER SEIN TALENT SIND GETEILT

„Es ist doch völlig klar, dass ein Schiff unter solchen Umständen ganz unregierbar ist!“ resümierte Schettino von allen Einwänden unberührt.
„…oder dass sein Kommandant doch nicht so fähig ist, wie er immer vorgibt!“ warf der Kranführer ein, der von allen den frechsten Eindruck machte.
„Wo denkt ihr hin? Niemand hat größere Erfahrung als ich!“ rief der Kapitän entrüstet.
„Wenn Ihr Euch nach so langer Zeit immer noch beklagt, könnte man aber auch zu dem Schluss kommen, dass Ihr leider völlig ungeeignet für diesen Beruf seid.“
„Undenkbar! Es steht außer Zweifel, dass ich der Fähigste bin. Das beweist auch die Tatsache, dass ihr in den vergangenen zwölf Monaten keinen besseren gefunden habt, um das Schiff wieder flott zu kriegen. Darum bin ich zurückgekommen. Aber bevor ich wieder das Kommando übernehme, will ich als erstes eine grundlegende Reform zur Stärkung meiner Befehlsgewalt.“
„Ihr wollt wieder ein Schiff kommandieren?“ fragte der Vorarbeiter verblüfft.
„Natürlich. Ich habe gehört, dass die Stelle frei ist. Ich dränge mich aber nicht, und deshalb habe ich zuerst überall unter meinen Freunden nach einem qualifizierten Nachfolger gesucht. Wenn ich einen gefunden hätte, würde ich mich auch gerne mit der Rolle des Steuermanns zufrieden geben, denn davon verstehe ich ja mindestens genauso viel. Aber leider gibt es keinen mit auch nur annähernd ähnlicher Erfahrung. Da meine Qualitäten so einzigartig sind, muss ich die Bürde jetzt wohl oder übel wieder auf mich nehmen.“
„Wer hat Sie dazu beauftragt? Niemand hat Sie gerufen!“
„Man hat mir gesagt, ich soll meinen Platz an Bord wieder einnehmen, und da bin ich!“
„Mit zwölf Monaten Verspätung!“
„Besser spät als nie! Macht Platz auf der Brücke! Kapitän Schettino ist wieder da!“

Bei diesen Worten suchte er die vordersten Arbeiter zur Seite zu drängen, um sich den Weg zur Bordwand freizukämpfen, das heißt, genau genommen, zum Oberdeck, das hinter der Hafenmannschaft beinahe senkrecht in den Himmel ragte.
„Kapitän, die Brücke ist um 160° geneigt. Das Schiff liegt seitlings auf dem Meeresgrund. Habt ihr es nicht im Fernsehen gesehen?“
„Im Fernsehen erzählen sie nur Lügen, glaubt mir, da kenne ich mich aus! Aber ich merke schon: Hier bin ich wieder an die üblichen Bedenkenträger geraten. Bisher habt ihr mir immer nur die gleichen unfairen Fragen gestellt, die euch von befangenen Staatsanwälten und kritischen Journalisten eingeflüstert wurden. Ihr seid auch nicht besser als meine Offiziere: lauter Kommunisten, mit denen wir niemals auch nur den mindesten Fortschritt erzielen würden. Die meisten noch zu dumm, um sich über das Fallreep in Sicherheit zu bringen!“
„So geben Sie es zu, dass Sie sich in der Nacht der Katastrophe aus dem Staub gemacht haben?“
„Verleumdungen! Nichts davon ist wahr. Das ist nur die übliche Taktik der Kommunisten. Aber die Leute kennen mich und werden nichts davon glauben. Nach allem, was ich in meinem Leben geleistet habe, ist das völlig undenkbar!“ schrie Schettino mit hochrotem Kopf und machte Anstalten, auf die Reling zu klettern.

„Kapitän, es ist wirklich gefährlich an Bord!“ suchte ein herbeigeeilter Hafenpolizist zu beschwichtigen. „Ihr könnt auch gar nichts ausrichten, solange das Schiff nicht flott ist.“
„Dann trotze ich der Gefahr!“ entgegnete Schettino kühn.
„In der Katastrophennacht schienen Sie weit weniger mutig,“ erinnerte ihn der Kranführer.
„Ja, glaubt nur den Journalisten im Fernsehen!“ entgegnete Schettino. „Solange ich die Sache unter Kontrolle hatte, gab es nicht die geringste Gefahr! Nur ein winziges Leck!“
„Warum ist das Schiff dann gekentert, Kapitän?“
„Weil diejenigen, die nach mir gekommen sind, die falschen Entscheidungen getroffen haben! Ich habe sie gewarnt, aber sie wollten ja nicht auf mich hören.“

ER SELBST FINDET SICH GENIAL

„Ihr meint, dass Euch persönlich keine Schuld an dem Unglück trifft?“
„Nicht im geringsten. Solange ich am Ruder stand, lagen wir voll auf Kurs. Aber dann gab es diese internationale Verschwörung gegen Italien. Die deutschen Passagiere haben sich mit den Franzosen abgesprochen und das Schiff zum Kentern gebracht.“
„Warum hätten sie das tun sollen?“
„Weil sie nur auf eine Gelegenheit warteten, mich loszuwerden,“ kam die Antwort im Brustton der Überzeugung, „weil ich die italienischen Interessen so geschickt zu verteidigen wusste und alle anderen in Europa nur mich um Rat fragten.“
„Nach dem, was wir gehört haben, waren aber Sie es, der SOS funkte und den europäischen Rettungsdienst um Hilfe bat.“
„Unsinn, dazu gab es keinen Anlass.“
„Wieso waren dann alle zur Stelle, um dem Havaristen beizustehen? Wenn man nicht in Not ist, fordert man keine teure Rettungsaktion an.“
„Daran kann ich mich nicht erinnern.“

„Weil Ihr Euch zu der Zeit mit der Moldawierin vergnügtet! Um Euch zu brüsten, habt Ihr sogar verbreitet, sie stamme in Wirklichkeit aus Ägypten und sei die Nichte eines hochrangigen Politikers,“ tadelte der Vorarbeiter, der über diese Episode offenbar besonders gut informiert war. Auch die anderen Arbeiter schienen bei der Erwähnung aufzuhorchen.
„Wieso habt Ihr so einen Narren an dem Mädchen gefressen?“ wollten sie wissen.
„Ich musste doch glauben, was sie mir sagte. Und weil jedermann weiß, wes Geistes Kind diese Moslems sind, wollte ich ein Auge auf sie halten, damit sie sich nicht prostituiert, das heißt, wenigstens nicht mit andern! Nur aus diesem Grund, aus reiner Großherzigkeit, habe ich ihr Geld gegeben. Alles andere ist gelogen, denn so, wie ich aussehe, habe ich es kaum nötig, die Frauen für ihre Liebesdienste zu bezahlen. Ich versichere, dass ich nur einen eleganten Abend gefeiert habe. Das wird einem Mann in meinem Alter ja wohl noch vergönnt sein.“
„Dadurch waren Sie aber anscheinend so abgelenkt, dass Sie nicht gemerkt haben, wie das Schiff aus dem Ruder lief und kenterte.“
„Das ist jetzt ganz ausgeschlossen, weil ich seit einem Monat wieder eine feste Verlobte habe, ein sehr hübsches Mädchen, übrigens…“

Die Arbeiter hätten wohl gern noch mehr über die neue Verlobte des Kapitäns erfahren, und einer fragte, ob er ein Foto dabei habe, aber der Kranführer ließ sich nicht ablenken. „Eure Helfer fanden es besonders befremdlich, dass Ihr sie erst zum teuren Rettungseinsatz rieft und dann bis zuletzt jede Gefahr abgestritten habt.“
„Diese so genannten Helfer waren ja die eigentlichen Urheber des Komplotts.“ reagierte der Kapitän mit einer Geste der Verachtung. „Aber ich bin ihnen entgegengetreten und habe ihnen klargemacht, dass ein italienisches Schiff so schnell nicht untergeht.“
„Gelten da etwa andere Naturgesetze?“
„Das vielleicht nicht, aber bei uns wird anders gerechnet. So musste ich unseren europäischen Freunden erst einmal beibringen, dass ein großer Teil unseres Schiffes unsichtbar unter Wasser liegt. Auch wenn diese Decks von der Mafia kontrolliert und nur für illegalen Schmuggel genutzt werden, müssen sie doch genauso berücksichtigt werden wie der Bereich der zahlenden Fahrgäste.“
„Was nützt das, wenn das Schiff zu kentern droht?“
„Gütiger Gott, ist das immer noch nicht klar? Wenn wir das gesamte Volumen der irregulären Frachträume in unsere Rechnung einbeziehen, sinkt der durch den Wassereinbruch überflutete Teil von 130% auf 90%.“
„Das Schiff geht trotzdem unter.“
„Nicht eher als alle anderen. Das musste ich ihnen erst einmal klarmachen!“

ALLE ANDEREN FINDEN IHN UNBESCHREIBLICH

„Während es an allen Ecken und Enden brannte, habt Ihr unerbetene Lehrstunden erteilt?“
„Sicher, alles im Interesse der italienischen Schifffahrt. Das wollte den Deutschen und Franzosen so gar nicht schmecken. Selbst die Spanier hatten etwas auszusetzen. Dabei war es nur zu ihrem Besten gemeint.“
„Verständlich. Es war ja auch ein zweifelhaftes Vergnügen und konnte sie teuer zu stehen kommen. Die Uhr tickte, und das Wasser stand bereits bis zur Halskrause.“
„Na und? Schauen Sie sich doch um, meine Herren!“ entgegnete Schettino mit triumphaler Geste. „Vor Ihnen liegt der unumstößliche Beweis, dass ich recht hatte. Allen Unkenrufen zum Trotz ragt unsere schöne Concordia immer noch aus dem Wasser!“
„Ja, weil inzwischen alle geeigneten Maßnahmen ergriffen wurden, um ein weiteres Abrutschen zu verhindern.“
„Unsinn! Diese so genannten Rettungsmaßnahmen haben die Lage nur noch verschlimmert. Sobald ich wieder das Kommando habe, werden wir alles rückgängig machen.“
„Das wird die Gesellschaft vielleicht verhindern wollen. Immerhin hat Ihr Schiffbruch sie ein Heidengeld gekostet. Eine Schadensersatzklage…“ Der Vorarbeiter hätte wohl gerne eine lange Rechnung aufgestellt, um dem Kapitän die Summe seiner Verfehlungen vorzuhalten, aber Schettino ließ ihn gar nicht ausreden.

„Schon wieder diese Verleumdungen!“ fuhr er heftig dazwischen. „Es gibt gar keinen Grund, mich mit Prozessen zu überziehen, denn die Gesellschaft hat durch mich überhaupt keinen Schaden erlitten. Im Gegenteil: Dank meiner unermüdlichen Bemühungen steht sie heute besser da als je zuvor. Schauen Sie sich nur dieses Prachtschiff an!“
„Ein Wrack an einer Leeküste!“
„Ach was! Warum müssen Sie immer nur halbleere Gläser sehen? Ich denke, das haben Sie auch von diesen kommunistischen Schwarzmalern in Presse und Fernsehen gelernt.“
„Eine gewisse Schlagseite werden selbst Sie nicht leugnen können, Herr Kapitän.“
„Sicher, aber das sind doch Kleinigkeiten, die wir in den Griff bekommen können. Wozu sind wir Italiener? Ich sage: Alles Wesentliche ist noch da, und auf der Backbordseite ist es sogar trocken. Den Rest biegen wir schon wieder gerade.“
„Und das Leck?“
„Etwas Spachtel und frischer Lack, dann wird bald keiner mehr vermuten, dass da irgendwann mal etwas war!“
„Und Sie denken, so kriegen Sie das Schiff wieder flott?“
„Jedenfalls schneller als alle, die in den vergangenen Monaten hier herumgemurkst haben,“ rief der Kapitän mit funkelnden Augen. Sein unbeirrbarer Kampfeswille hatte zweifellos etwas Mitreißendes.

„Sollten Sie nicht besser den Ausgang Ihres Prozesses abwarten, bevor Sie sich erneut für so eine schwere Aufgabe bewerben?“ warf der Hafenpolizist ein. „Immerhin riskieren Sie eine definitive Verurteilung, die Ihnen eine Rückkehr auf die Kommandobrücke endgültig versperren würde.“
„Unsinn! Diese Richter sind ja nicht ganz richtig im Kopf. Sie haben ihr Urteil schon vorher ausgekungelt. In der Revision wird das keinen Bestand haben. Sonst müssen wir eben wieder die Gesetze ändern.“
„Nicht schon wieder! Erst müssen wir uns um das Schiff kümmern!“
„Ganz richtig! Dazu sage ich, das einzige, was hier fehlt, ist der Optimismus. Und darum bin ich auch der einzige, der euch aus dieser Bredouille wieder herausführen kann!“
„Und Sie meinen, dass wir das ganz allein ohne die fremden Abwracker wieder hinbekommen, Herr Kapitän?“ fragte einer der Hafenarbeiter, der bisher noch gar nicht gesprochen hatte.
„Ja, wir Italiener schaffen alles, wenn wir nur wollen. Ganz gewiss unter der genialen Führung eines ausgebufften Kommandanten wie mir!“

Schettino stellte sich breitbeinig vor der Hafenmannschaft auf und blickte jedem einzelnen herausfordernd in die Augen. Die Arbeiter schauten unentschlossen von einem zum andern.
„Nun, die Aussichten sind vielleicht nicht die besten,“ erwog zögernd der Kranführer, dessen Züge seine innere Zerrissenheit spiegelten, „aber viel schlimmer kann es eigentlich auch nicht mehr kommen.“
„So ist es. Vielleicht könnten wir ihm doch noch einmal eine Chance geben?“ fragte der Vorarbeiter in die Runde.
„Ja, tut das! Ihr seid echte Patrioten und werdet es nicht bereuen,“ versprach Schettino. „Und jetzt helft mir wieder auf die Planke, Männer!“
Während die Hafenarbeiter ihn auf die Seitenwand des Oberdecks hievten, kam ihnen der Kapitän merkwürdig leicht vor. Als sie seinen Fuß auf das Deck setzten, bemerkten sie, dass er versteckte Plateausohlen trug. Auch sein dichtes Haar war nur vorgetäuscht und bestand lediglich aus ein paar Strähnen, die mit schwarzer Pomade am Kopf festgeklebt waren.
„Danke, Männer!“ sagte der Kommandant und reckte seinen ledernen Schildkrötenkopf in den Wind. „Der alte Kurs liegt an. Kappt die Haltetrossen, und dann volle Kraft voraus!“


Literatur und Verwandtes

Der Cicerone und der Navigator

„Der Cicerone und der Navigator“ berichtet von einem per Fahrrad unternommenem Ausflug zweier alter Freude, welcher sie vom italienischen Triest durch Slowenien bis nach Umag in Kroatien führt.  Der Cicerone versucht hierbei dem Navigator etwas von der Geschichte, Kultur und Landschaft Triests und Istriens zu vermitteln, während dieser wesentlich mehr an gepflegten Speisen und Weinen interessiert ist und das Fahrrad als ein „entwürdigendes Folterinstrument“ erlebt, das mit den Vorzügen eines Segelschiffes in keiner Weise standhalten kann.

Klick auf das Bild, das die Herren bei einer Planungsitzung zur Vorbereitung der Exkursion zeigt, um dir dies bislang unveröffentlichte Kleinod der Literaturgeschichte runterzuladen.

Die Heren bei der Planung des Exkursion

 

Wenn du weist, aus welchem Werk die Herren das letzte Kapitel ihres Reiseberichtes abgekupfert habern, schick die Antwort an: info@lobimini.com. Wir verlosen unter allen richtigen Lösungen, die bis zum 30. 4. 2013 bei uns eingehen, drei Flaschen exzellenten Rotwein und senden diese den Gewinnern zu.

 

 

Kochseminar in der Toscana

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Autostrade

Parlamentswahlen in Italien – Chaos weitgehend vorprogrammiert

Am 24. und 25. Februar finden italienische Parlamentswahlen statt. Dabei können wir vier große Blöcke unterscheiden, die sich Hoffnungen auf einen Wahlsieg machen können.

Da gibt es einen Mitte-Links-Block, der von der Demokratischen Partei und deren Kanzlerkandidaten Pierluigi Bersani angeführt wird. Mit dabei sind noch Sinistra Ecologica e Liberta (Ökologische Linke und Freiheit) mit ihrem Führer Nichi Vendola und das Centro Democratico (Demokratisches Zentrum), das von Bruno Tabacchi und Massino Donati angeführt wird.

Sodann haben wir die Scelta Civica (zivile Wahl) unter der Führung des letzten Kanzlers Mario Monti, der auch als Kanzlerkandidat nominiert ist. Hier sind mit an Bord die UDC (Unione di Centro – Zentrumsunion) von Pier Ferdinando Casini und Futuro e Liberta (Zukunft und Freiheit) des letzten italienischen Parlamentspräsidenten Gianfranco Fini.

Als dritte Kraft tritt die Mitte-Rechts-Koalition unter Silvio Berlusconi zu den Wahlen an. Berlusconi ist zwar der erste Listenkandidat, hat sich aber nicht als Kanzlerkandidaten aufstellen lassen, sondern beansprucht für sich das Amt des Wirtschaftsministers. Bei diesem Bündnis soll der Kanzler erst nach den Wahlen ernannt werden, und ihm gehören neben Berlusconis Partei PdL (Partito della Liberta – Partei der Freiheit) noch die Lega Nord von Roberto Maroni, die Fratelli d´ Italia (Brüder Italiens) von Crosetto, Meloni und La Russa, die beiden sizilianischen Parteien Grande Sud und Mpa (Movimento per le Autonomie – Bewegung für die Unabhängigkieten) sowie La Destra (Die Rechte) von Storace an.

Die vierte Kraft, die auf eine recht hohe Stimmenzahl hoffen kann, ist das Movimento Cinque Stelle (Bewegung Fünf Sterne) des Komikers Beppo Grillo. Diese Bewegung ist cum grano salis in Hinsicht ihrer parteipolitischen Ausrichtung in der Nähe der deutschen Piratenpartei anzusiedeln. Sie ist mit keiner anderen Partei oder Bewegung verbündet.

Neben diesen vier Parteien bzw. Bewegungen können sich noch folgende zwei Formationen Hoffnungen auf einen Einzug in das Abgeordnetenhaus: „Rivoluzione Civile“ (Zivile Revolution) vom ehemaligen Richter Antonio Ingroia und „Fare per fermare il declino“ (Engagement für den Einhalt des Niedergangs).

Soweit eine Übersicht über die wichtigsten Kräfte, die sich in weniger als zwei Wochen dem Votum der Italiener stellen werden. Und soweit schön und gut, denn vor wenigen Wochen sah es auch noch danach aus, dass aus dem Urnengang ein eindeutiger Sieger hervorgehen wird, nämlich die Mitte-Links-Koalition unter Bersani. Doch in den letzten Wochen haben sich hier die Ereignisse übertroffen. So hat sich Bersani nach dem Sieg gegen den florentinischen Bürgermeister und jungen Erneuerer Matteo Renzi bei den Vorwahlen, die in seiner Partei PD (demokratische Partei) abgehalten wurden, auf seinen Lorbeeren ausgeruht. Ohne Charisma und dank seines recht blassen Auftretens, das außer seinen eigenen Parteileuten kaum einen Italiener überzeugt – insbesondere wohl auch nicht die unentschlossenen Wähler, deren Zahl kurz vor den Wahlen immer noch bei ca. 30 % liegt – hat er den großen Vorteil gegenüber seinen direkten Konkurrenten, darunter vor allem Silvio Berlusconi, weitgehend eingebüßt. Und seine Siegesbewusstsein, das noch vor wenigen Wochen ungebrochen war, verlieh ihm auch eine gewisse überhebliche Haltung, die leider bei der italienischen Linken in den letzten Jahren eh stark vertreten war. Man denke nur an die graue Eminenz in der Partei, also an Massimo D´Alma, dessen arrogantes Wesen gewissermaßen angeboren zu sein scheint,

Ganz anders dagegen Silvio Berlusconi, der von fast allen politischen Experten noch vor wenigen Monaten abgeschrieben war. Mit seiner extrem aggressiven und fast überall präsenten Wahlkampagne ist er wie ein Phönix aus der Asche auferstanden. Und man muss ihm dabei anrechnen, dass er auch die Konfrontation mit seinen stärksten Opponenten in den Medien nicht gescheut hat. Seiner charismatischen Ausstrahlung bewusst, ging er keiner Konfrontation in den öffentlichen Medien, von denen ihm eine ganze Reihe alles andere als wohlgesonnen sind, aus dem Weg und schlug sich mehr oder oder weniger tapfer, denn darüber gehen die Stimmen auseinander. Ohne Zweifel griff er dabei auf sein bewährtes Repertoire zurück, dass fast unbegrenzte Versprechungen für alle Wählerschichten bereithält. So sollen im Fall seines Wahlsieges zuerst die extrem unpopuläre Steuer für den Haus- oder Wohnungsbesitz, die unter dem Kanzler Monti verabschiedet wurde, zurückerstattet werden. (Dass diese Steuer von seiner Regierung vorbereitet wurde, um den Staatshaushalt zu sanieren, verschweigt Berlusconi freilich.) Weitere Versprechungen lauten auf die Schaffung von Millionen von neuen Arbeitsplätzen (auch dies ist nichts neues, sondern wurde von Berlusconi bei allen Wahlen als wichtigstes Ziel seiner neuen Regierung propagiert und dann am Ende…….nie eingelöst). Für das, was er sonst noch alles versprach, fehlt mir hier der Platz. Leider ist Tatsache, dass die Italiener lieber diese Versprechungen hören als die blassen und trockenen Verlautbarungen von Bersani oder Monti.

Zu einem dürfte der Wahlausgang also sehr knapp ausgehen, und es wird sich kaum eine starke Mehrheit im italienischen Parlament ausbilden. Und sollte dies überraschenderweise doch geschehen, bleibt vollkommen unklar, wie die Mitte-Rechts- und die Mitte-Links-Koalition ihren politischen Zusammenhalt aufrechterhalten können. In beiden Lagern sind extrem unterschiedliche Kräfte vereint, und man sieht eigentlich nicht, wie diese eine gemeinsame Regierung bilden können, geschweige denn ein starkes Regierungsprogramm, das der schweren finanziellen und wirtschaftlichen Krise in Italien gerecht wird.

Damit dürften wir mal wieder an einen Punkt angelangt sein, wo die Unregierbarkeit Italiens oder das Chaos nach den Wahlen vorprogrammiert sein dürfte. Hier nun auch meine Prognose zum Wahlausgang, wobei ich vorausschicken muss, dass sich die Zahlen betreffs Abgeordnetenhaus und Senat noch unterscheiden können, da das zurzeit gültige Wahlrecht nicht für beide Kammern einheitlich ist.

Meine Wahlprognose:

Mitte-Links-Block 25%

Monti und die Scelta Civica: 15 %

Berlusconi und die Mitte-Rechts-Koalition: 20 %

Grillo und seine Bewegung Cinque Stelle: 15 %

Ingroia und seine Rivoluzione Civica: 5 %

Oscar Giannino und Fare per fermare il declino: 4 %

Der Rest geht an kleinere Formationen oder betrifft ungültige Stimmen.

 

AUTOSTRADE

Neben der italienischen Bürokratie, wozu ich auch die unüberschaubare und riesige italienische Politikerclique rechne, gehören die „autostrade“, also die italienischen Autobahnen, zu meinen ganz besonderen Lieblingen. Soweit mir bekannt, gibt es in Europa kaum ein Land mit ähnlich hohen Mautgebühren wie hier. So kostet zum Beispiel die einfache Strecke Triest (Ausfahrt Duino) bis nach Venedig (Ausfahrt Est) Euro 10,70. Dabei handelt es sich gerade mal um 118 km. Da es in Italien keine Vignetten gibt, kann sich ein Jeder selbst ausrechnen, was bei Autobahnfahren an Kosten entstehen. Noch unglaublicher als diese Halsabschneiderei ist freilich der Umstand, dass lange Schlangen und Wartezeiten nichts ungewöhnliches sind. Daher spielen sich an den Mautstellen besonders in der Hauptreisezeiten der Sommermonate dramatische Szenen ab. Bei Temperaturen von 35 Grad und mehr erleiden ältere Personen und Kinder Schwächeanfälle – ja ich denke, es ist gar zu einzelnen Todesfällen gekommen. Und anstatt dass in solchen Extremsituationen die Autostrade die Mautstellen öffnen, passiert nichts. Hinundwieder geht ein kleiner Aufschrei durch die italienische Presse, aber nach einigen Tagen ist alles wieder vergessen.

Nun gut: soviel dazu. Zum Abschluss sei aber auch ein rühmlicher Umstand erwähnt. An den meisten italienischen Raststellen gibt es keine Toilettengebühr. Daher wird zumindest meiner Devise „Freies Pinkeln in einem freien Land“ Rechnung gezollt.